Unter dem Schnee spielt Ende des Jahres 1978 auf Schloss Schwanenholz an der Ostsee. Luise, Gräfin von Schwan, die die Baumschule der Familie in den vergangenen fünfzig Jahren geführt hat, ist verstorben und die Familie findet sich für ihre Trauerfeier auf dem Gut ein. Sie werden jedoch von den Schneemassen des Jahrhundertwinters 1978/79 überrascht und sie werden auf dem Familiengut eingeschneit und komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Zusammen mit ihnen eine fremde Frau aus Frankreich, die behauptet die Tochter von Luise zu sein. Mit der Französin kommen Geheimnisse von Luise ans Licht und Erinnerungen der einzelnen Familienmitglieder an die Vergangenheit, die sie lieber vergessen hätten. Hat Luise im zweiten Weltkrieg wirklich Zwangsarbeiter ausgebeutet? Was ist auf der Flucht ihrer Schwester mit ihrem dritten Kind passiert, über das niemand mehr spricht und ist die fremde Frau wirklich Luise's Tochter?
Die Familie sitzt auf dem Gut fest und sie kommen nicht darum herum, sich selbst und ihre Angehörigen mit den Wahrheiten der Vergangenheit zu konfrontieren.
Die Geschichte ist aus der Sicht von sechs verschiedenen Personen geschrieben, die nicht unterschiedlicher sein könnten: die Schwester von Luise und deren beide Söhne sowie ihre Nichte, die Köchin des Anwesens und Aimée, die angebliche Tochter von Luise. Jeder von ihnen hat seine eigenen Probleme und Ansichten, wie mit dem Chaos, das Aimée's Ankuft ausgelöst hat, umzugehen ist. Hier treffen Meinungen unterschiedlicher Generationen aufeinander. Zwischendurch geben die Erinnerungen der einzelnen Personen immer wieder Einblicke wie sie die Zeit während und nach dem zweiten Weltkrieg erlebt haben.
Besonders am Anfang des Romans entscheidet man sich schnell, welche der Protagonisten man leiden kann und welche nicht. Je tiefer man jedoch einen Einblick in die Geschichte bekommt, desto mehr werden ihr Handeln und ihre Denkweise nachvollziehbar. Zum Teil ist es wirklich schmerzhaft zu lesen, wie die unterdrückten und ungelösten Schrecken der Vergangenheit die einzelnen Familienmitglieder verfolgen. Nicht alles lässt sich immer einfach in schwarz und weiß einteilen, das wird bei den Einblicken klar.
Mir hat gut gefallen, dass die Autorin das Thema Zwangsarbeit im zweiten Weltkrieg aufgegriffen hat, die meisten Familienromane, die in diesem Zeitraum spielen, beschäftigen sich nicht mit diesem Thema. Auch die Verbindung mit dem Jahrhundertwinter, den sie selbst erlebt hat, fand ich sehr gut gelungen!
Gefangen im Schnee ließ sich einfach und flüssig lesen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Einleitung etwas kürzer gewesen wäre. Das erste Drittel des Buches ist mir persönlich zu wenig passiert, dafür hätte ich lieber eine ausführlichere Beschreibung über die Suche nach der Wahrheit über Aimée gehabt. Die Entdeckung der richtigen Hinweise verlief für meinen Geschmack doch etwas einfach.