In der Welt des Chauffeurs Paul Klee herrschen Übersicht und Präzision. Aber das Leben hält keine Garantie für unendliche Ordnung Nach einem schweren Autounfall und einer nicht minder schweren Fehlentscheidung beschließt er, ein kleines Hotel ganz nach seinen Vorstellungen zu führen. Und das Glück will es, dass er sich in die Maklerin Inoue verliebt. Also planen sie das Haus gemeinsam, von den Zimmern bis zur Bar, von den Sesseln bis zum Frühstück. Aber Klees ideale Welt zerbricht ein zweites Mal - und er entschließt sich zu einem für ihn sehr überraschenden Schritt ... "Der Chauffeur" ist Heinrich Steinfests intensivster Roman und die Geschichte eines Mannes, den die Liebe und der Tod einmal zu oft behelligen.
Heinrich Steinfest was born in Albury, Australia in 1961, but grew up in Vienna, Austria, where he lived and worked as a freelance artist until the end of the 90's. He started out as a writer of science fiction stories before he published his first crime novel Das Ein-Mann-Komplott (The One Man Conspiracy) in 1996. He is currently living in Stuttgart, Germany, and received the German Crime Fiction Award several times as well as the Heimito von Doderer Prize in 2010. His book "Ein dickes Fell" (Thick-skinned) was longlisted for the German Book Award.
Nach anfänglichen Gewöhnungsproblemen mit dem Satzbau kommt man relativ schnell in das Geschehen hinein und kann sich an einer kurzweiligen und sogar spannenden Geschichte erfreuen. Das Ende lässt dem kreativen Leser genug Spielraum für eigene Hypothesen.
"Ein Buch ganz im Stil von ""Mein Name sei Gantenbein"" von Max Frisch. Die Buchabschnitte heißen Fäden! Und so spinnt Steinfest die Geschichten, die er sich so ganz abwegig, so neu fern der Normalität ausdenkt und immer wieder einen neuen Gedanken und damit eine neue Wendung einspinnt. Dabei schreibt er einen guten Erzählstil und die Charaktere nehmen einen mit. Auch das Ende ist bemerkenswert. Der Chauffeur nickt ein und erlebt nochmal eine tragische Situation, handelt aber diesmal in seinen Augen richtig. Und dann: Ende! Zitat: ...und dass er letzlich noch im Scheitern dieser Liebe glücklich gewesen war. Glücklich darüber, dass er mit dieser Frau hatte unglücklich sein dürfen."
Der Chauffeur Paul Klee hat 10 Jahre beim Industriellen Martin Rehberg gearbeitet, doch nach einem schweren Unfall wird er entlassen. Klee trifft eine Frau, mit der er eine Beziehung eingeht und ein Hotel aufmacht.Doch es kommt schließlich noch mal alles anders, als Pauls Partnerin Inoue Sander jemand anders trifft und geht. Paul Klee hingegen macht sich auf der Suche einem verschwundenen Gast, der früher Kommissar war.
Heinrich Steinfests Roman Die Büglerin hatte mir sehr gut gefallen. Der Chauffeur hat ähnliche Qualitäten, reicht aber nicht ganz ran. Dabei gibt es schon so einige wirklich gute Passagen. Steinfest schreibt manchmal ausgezeichnet, aber nicht alle Plotanteile konnten mich voll überzeugen. Das führt für mich dann zu einem alles andere als geradlinigen Handlungsverlauf. Den hatte Steinfest aber auch nie geplant, immer wieder gibt es neue Ideen, die einfließen und Wendungen, die nicht alle hätten sein müssen. Was aber voll da ist, ist der typische Steinfest-Ton, der einem am Buch bleiben lässt.
Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch durch eine begeisterte Rezension im Radio, der Autor war mir unbekannt, aber man ist ja immer erfreut über neue Autoren. Der Chauffeur ist von allem etwas, man kann sich darin verlieren herumstöbern, sich über die Fantasie des Autors erfreuen. Es gibt die Momente sprachlichen Finessen und wohlfeilen Sätzen und einfach wunderschöne Formulierungen. Der Erzählfluss nimmt sämtliche Nebenarme rechts und links des Weges auf, manchmal plätschert die Nebengeschichte einfach hinein und manchmal windet sie sich mühsam in den Fluß. Nur die Personen kamen mir nicht nahe, nicht Inoue, noch Holl oder gar die Zwillinge, die merkwürdig abgedreht im Hintergrund spuken. Und das vielbeschworene Ende, dem ich entgegenfieberte? Doch das hatte was und doch zu plötzlich... #netgalley
Manchmal schreckt die Aussage, ein Buch, verfasst von einem intelligenten Autor, rege zum Nachdenken und zur Reflexion über die Komplexität des Lebens an, von der Lektüre eher ab. Und tatsächlich, Steinfests neuer Roman ist gewiss kein Buch für das oberflächliche Lesen kurz vor dem Einschlafen. Es geht um einen kultivierten Chauffeur, der das falsche Leben rettet, eine 74-jährige Mörderin, die Stringtheorie (siehe die vier mit Faden überschriebenen Kapitel), den Zauberberg und die Rückbildung der Menschheit zu behaarten Wesen. Ach ja, und Paul Klee, aber nicht den Maler. Wer wissen will, wie all das mit Sputnik 2 und der Wechselbeziehung zwischen Leben und Tod zusammenhängt und sich vor auch längeren Sätzen nicht fürchtet, wird hier wahrlich nicht unter seinem Niveau unterhalten.
Der Anfang ist ja noch realistisch und auch interessant, aber als dann die Sputnik-Kapsel mit dem vor mehr als 60 Jahren ins All geschossen, wieder hinter dem "Hotel zur kleinen Nacht" landet, wird es ein wenig fantasy. Weiter ganz interessant, aber keine Offenbarung.
Ein seltsames Buch... Es passiert so einiges... Der Autor treibt die Geschichte vorwärts... Aber statt nach Passau könnte Paul Klee auch nach Regensburg fahren... Statt Sputnik könnte auch ein U-Boot im Bodensee auftauchen...