Eine bitterböse und urkomische literarische Fantasie über den Untergang Europas.Eine Geisterstadt im Herzen der Alpen, ein mysteriöser chinesischer Immobilientycoon und ein uralter Jude, der zurückkehrt in eine untergehende Welt – David Schalkos neuer Roman ist eine brillante literarische Allegorie auf einen sterbenden Kontinent. Nur noch wenige Verbliebene leben in Bad Regina, einem einst glamourösen Touristenort in den Bergen, starren auf die Ruinen ihres Ortes und schauen sich selbst tatenlos beim Verschwinden zu. Denn ein mysteriöser Chinese namens Chen kauft seit Jahren für horrende Summen ihre Häuser auf – nur um sie anschließend verfallen zu lassen. Als er auch noch das Schloss des uralten örtlichen Adelsgeschlechts erwerben will, entschließt sich Othmar, der von Gicht geplagte ehemalige Betreiber des berühmtesten Partyclubs der Alpen, herauszufinden, was es mit diesem Chen auf sich hat und was dieser mit Bad Regina vorhat. Dabei erleben Othmar und die verbliebenen Einwohner eine böse Überraschung …Inspiriert von dem Schicksal Bad Gasteins, dem ehemaligen Monte Carlo Österreichs, entwirft David Schalko in »Bad Regina« eine faszinierende Geisterwelt, in der nicht nur die Bauwerke, sondern auch die wenigen verbliebenen Bewohner wankende Ruinen der Vergangenheit sind. Ein bitterböser und gleichzeitig urkomischer Roman über ein Europa, das immer und immer wieder moralisch versagt – und über dessen Zukunft nun andere entscheiden.
Listen, I'm a fan of Schalko, but this ain't it. In this allegory on the state of Europe based on the true story of Bad Gastein/Austria and its Grand Hotel de l’Europe, the usually witty author who specializes in exact, biting humor now draws a picture with the broadest brush available: "Bad Regina", the evil queen (in German, "Bad" indicates that the place is a health resort, but the double meaning here is intentional), is a dying village, the few remaining residents sell out their homes to a Chinese investor and are generally fans of populism and racism (the n-word features numerous times). Hate against Syrian refugees? Check. Black people as over-sexualized threats to white women? Check. Scruffy men talking nonsense in the local pub? Check check check.
Is everything swell in good ol' Europe? Hell no. But this satire is way too lazy to really surprise, captivate or seem valid. Sure, there are some good passages, e.g. one of the pub poets delivers rants reminiscent of Thomas Bernhard while wearing Lederhosen, because, you know: Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen: Drei Dramolette. But generally, this book is a conglomerate of stories about the 46 inhabitants of Bad Regina, all of them somehow pointing to themes like greed, tricking the system, white supremacy etc., but they don't come together to a coherent piece, and they don't manage to make effective points about the state of the EU.
These characters show no development, the main storyline about Chen, the investor, does not gain speed, the whole thing is sometimes funny, but lacks depth. Maybe Schalko just spoiled me too much with Schwere Knochen which is both funny and deep. This author can do so much more than this potpourri of mildly interesting episodes.
You can listen to the podcast gang ponder this novel here (in German).
Selten habe ich mir so gewünscht, ich hätte in meiner Beurteilung die Möglichkeit, wie beim Eistanzen zwei Noten zu vergeben. Da wäre einmal die A-Note, die Pflicht des Romans, die David Schalko im Rahmen der Plotgestaltung und der liebevollen Figurenentwicklung meiner Meinung nach ordentlich vergeigt hat. Aber dann sollte es eben genau in diesem Fall auch noch die B-Note, die Kür und den künstlerischen Ausdruck geben, die in dieser Geschichte die Sprachfabulierkunst und die Dialoge bewertet, denn das war so abgefahren sensationell, dass mein Buch wie ein gelber Käseigel mit Post-its gespickt ist.
Aber nun zum Inhalt der Geschichte. Also in Bad Regina stehen schon fast alle Häuser leer. Nur eine kleine verschworene Gemeinde der Sitzenbleiber, der intensiv mit der Heimat Verwurzelten, respektive mit ihr Zusammengewachsenen, der passiv-aggressiven Be- und Ausharrer und meist auch der nicht grad lebensfähigsten Individuen, die sich mangels Alternativen einfach nicht bewegen konnten, wehrt sich widerspenstig gegen die Okkupation eines chinesischen Immobilienspekulanten namens Chen. Dabei stimmt irgendetwas nicht mit diesem Chinesen. Er macht allen Hausbesitzern unmoralische Angebote, wenn Stadtbewohner ihr Anwesen verkaufen, schleichen sie bei Nacht und Nebel davon, werden nie wieder in Bad Regina gesehen, nicht mal bei ihren verbliebenen Verwandten. Chen verwertet auch jahrelang die gekauften Immobilien nicht, sie werden weder weiterverkauft, noch vermietet, noch umgebaut, sie stehen einfach leer herum, verfallen und verfaulen. Mittlerweile ist das Stadtzentrum schon so entvölkert, dass die Gemeinde zu sterben droht.
Das hier beschriebene dahinsiechende Bad Regina, das schön langsam zerbröckelt und auseinanderfällt, sowohl bausubstanztechnisch als auch vom psychischen Zustand der letzten verbliebenen Bewohner her, erinnert frappant an die Stadt Bad Gastein. Ich dachte eigentlich an das alte Bad Gastein der 80er- und 90er-Jahre, denn ich war ja schon ewig nicht mehr dort, und glaubte, das hat sich mittlerweile geändert, aber ich habe grad aktuelle Fotos von einer Freundin bekommen, die seit letzter Woche kurtechnisch dort weilt und musste feststellen: Das reale Bad Gastein im Jahr 2020 fällt noch immer auseinander und ist Bad Regina ähnlicher als ihm lieb ist.
Protagonist Othmar ist einer der eher nicht lebensfähigen Sorte der Einwohner, der es sogar im Ausland versucht hat, aber vor allem privat episch gescheitert ist. Er bestreitet seinen Lebensunterhalt mit der Pflege und dem Pflegegeld eines bekannten Londoner DJs, den er vor vielen Jahren in den noch touristisch guten Partyzeiten besoffen und bekifft nach einem Rave in Bad Regina zum Nachtschifahren animiert hat und der nun infolge des unvermeidlichen Schiunfalls schon ewig in katatonischem Zustand weilt.
Übriggeblieben in der Stadt sind auch noch der rechtsdrehende korrupte Bürgermeister Heimo Zesch samt Frau, Mutter und Teenagersohn, der einzige Gastwirt im Ort samt Frau, Selma, die Geliebte von Othmar mit ihrer Teenagertochter, der Bahnhofsvorsteher Grün mit Frau und dem einzigen kleinen Kind in Bad Regina, der Pfarrer und Beichtvater der Stadt, der Zahnarzt Schandor jun., eine Pflegerin und noch ein paar Hansln, die ich meist gar nicht auseinanderhalten konnte. Dafür, dass kaum noch Leute in Bad Regina wohnen, ist beim Personal in dieser Geschichte ganz schön viel Gewusel, sehr viele Personen aus der Vergangenheit werden ständig hervorgezerrt und präsentiert, leider sind aber die wenigsten Figuren inklusive der Bewohner genau und liebevoll beschrieben, also tief entwickelt und ergo kaum unterscheidbar, sie flattern irgendwie nur so vorbei. Die österreichische Tageszeitung Der Standard hat den Roman sogar kurz und knackig als Wimmelbild mit Nazis bezeichnet, das trifft den Nagel auf den Kopf.
Jetzt könnte man ja sagen, dieses Figurenvergessen wäre ein persönliches Manko von mir, aber ich habe auch bei TC Boyles Figurengewimmel in Wassermusik nie den Überblick verloren. Lediglich bei Hundert Jahre Einsamkeit musste ich auf Seite 200 aufgeben, die Verwandtschaftsverhältnisse und die Personen punktgenau zu identifizieren, aber ich glaube das ging vielen so.
Leider bremsen diese flachen Personenbeschreibungen auch den Fortschritt des Plots, der einfach nicht und nicht in Schwung kommen will. Dabei sind das prinzipielle Setting und die Kerngeschichte, die hinter dem Verhalten des Chinesen Chen stecken, sogar richtig spannend. Denn Chen ist ein Strohmann für Jemanden, der nichts Gutes mit Bad Regina vorhat. Wenn sich im Vorfinale nun alles auflöst, alle Rechnungen der Vergangenheit aufs Tapet kommen und transparent für alle ersichtlich addiert werden, ergibt die ganze Geschichte, die fast schon einen Krimi darstellt – obwohl sie zäh wie Sirup ist – endlich einen konsistenten und auch sehr gefinkelten Sinn. Das eigentliche Finale, respektive der Nachgang nach der Krimiauflösung war für mich dann wieder recht unspektakulär, langweilig und wenig nachvollziehbar.
Irgendwie habe ich die Geschichte schon als Mehrteiler verfilmt vor meinem Auge gesehen, dann dürfte das mit den Figuren auch funktionieren, denn dafür ist der Cast verantwortlich. Kein Wunder, die Stärken von Schalko liegen im Drehbuchschreiben. Warum ich glaube, dass eine Verfilmung von Bad Regina trotz der Schwächen ein riesiger Erfolg werden wird? Das ist einfach erklärt, die Dialoge, die Dialoge sind so grandios, so ausgeflippt, bösartig und tiefsinnig, dass man sie teilweise seitenlang abmalen und auswendig lernen möchte.
Hier sind wir nun punktgenau bei meiner B-Note angekommen, die ich mit 6.0, 6.0, 6.0, 6.0 festlegen werde. Mir war irgendwann wurscht, WER WAS sagte, sondern ich beurteilte über große Strecken nur noch WAS gesagt wurde, das war für mich das einzig Wahre. In diesem Zusammenhang spielt mitunter auch eine gefakte Lederhose von Thomas Bernhard eine gewisse tragende Rolle, die um mehrere tausend Euro ersteigert in Bad Regina landet und die das Ihrige tut, indem sie sich auf die Genialität der Dialoge auswirkt. Wann immer diese unechte Lederhose, die nicht mal von einem Original-Ohlsdorfer versteigert wurde, im Raum ist, mutieren die Bewohner von Bad Regina inspiriert vom alten grantelnden Bernhard zu sehr klugen Analysten der Gesellschaft und zu sehr kreativen Österreichbeschimpfern. Es ist fast so, als wäre der Profi-Querulant aus Ohlsdorf 2020 moderner wiederauferstanden.
"Es gibt keinen Chinesischen Nazi. Es gibt nur den österreichischen Nazi. Selbst der deutsche Nazi ist kein Nazi. […] In Österreich kommt man hingegen als Nazi zur Welt. Der Österreicher war schon Nationalsozialist, bevor Hitler kam. Schon unter den Habsburgern war der Österreicher ein Nationalsozialist gewesen: In Österreich ist jeder ein Nazi. Über acht Millionen Einzelfälle! Und jeder in den Hass verliebt. Sei es gegen die anderen oder gegen sich selbst. […] Der Österreicher hat zu allem ein schlampiges Verhältnis. Alles, was er tut, passiert, um etwas zu kaschieren. Im Gegensatz zum Deutschen, der versucht, alles richtig zu machen. Der Österreicher macht alles falsch. Und das mit allergrößter Lust."
Dieser kleine Absatz stellt übrigens nur einen Auszug dar, das geht seitenweise so dahin und wird als philosophisches Sinnieren und Bonmot von vielen Figuren in die Unterhaltungen eingeworfen, je nach Alkoholpegel natürlich intensiver. Vor allem wenn Bernhards Hose anwesend ist.
Aber auch abseits des Österreich-Bashings sind manche Beschreibungen und Analysen höchst vergnüglich:
"Wobei er einen sehr pragmatischen Zugang zu Apokalypsen pflegte. Heimo machte beispielsweise die Klimaapokalypse größere Angst als die Migrationsapokalypse. Nicht nur wegen des Wetters, sondern auch, weil dadurch noch mehr Migranten kämen. Also negierte er sie. Und konzentrierte sich voll auf die Flüchtlinge. Zwei Apokalypsen waren ihm einfach zu viel. […] Und die Migrationsapokalypse – das begriff auch Heimo – war eine Ersatzapokalypse, weil gegen das Wetter konnte man nichts ausrichten. Am Wetter waren alle schuld. Es ließ sich nicht personifizieren. Und Heimo war ein Humanist. Er brauchte Menschen. Er brauchte jemanden, der schuld war."
Das ist wirklich die kurioseste Definition von Humanismus, die ich bisher gesehen habe.
Zudem gibt es natürlich unzählige pöhse Anspielungen auf real lebende Personen wie Politiker, Kabarettisten und sogar auf den schwulen Bruder vom Kaiser Franz Josef, denn alle in der Gegend a bissi respektlos Luziwuzi nennen. Das ist sogar historisch belegt. Da habe ich wieder etwas gelernt.
Fazit und Endabrechnung: Wenn jemand schwer über den nicht vom Fleck kommenden Plot und die flachen Figuren hinwegkommt, sollte er/sie das Buch auf keinen Fall lesen. Alle, die sich einfach ziemlich stark ausschließlich auf die Dialoge fokussieren können, werden das genießen und kriegen kurz vor Ende sogar auch noch eine schlüssige Hintergrundgeschichte serviert. Ich fand den Roman in der Gesamtbeurteilung gar nicht so schlecht, da ich die Dialoge und die pöhsen Analysen geliebt habe. Dieses Mal weiche ich von meiner Bewertungsmaxime, Inhalt vor Form und Stil zu setzen, ab und locke exakt 3,5 Sterne ein, die ich aber abrunde, da man hier keine halben Sterndln vergeben kann.
An sich finde ich die Idee für das Buch grandios: ein Dorf in Europa, das dem Verfall unterliegt und sich nicht gegen äußeren Einflüssen (Flüchtlinge, ausländische Investoren) wehren kann und immer weiter den Bach runtergeht. Skurrile Charaktere bevölkern dabei Bad Regina und am Anfang wirkt es wie eine witzige Schnitzeljagd um Chen, der chinesischen Bösewicht (?). Leider konnte das Buch diese interessante Idee nicht tiefer ausführen und endete ohne dass es einen wirklichen Höhepunkt gab. Es hätte noch bizarrer, spitzzüngiger und dreister sein können. Das Buch nimmt zwar alle Faktoren um zu provozieren, aber nutzt diese nicht wirklich um tatsächlich zu schockieren. Es war sehr schade, dass das Buch das Potential nicht genutzt hat. Pluspunkte gibt es für die Dialoge, diese waren sehr gut geschrieben und lasen sich hervorragend.
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
If you have to be told on the back of the book that it's supposed to be satire and tragically comical, but after finishing the book you still haven't found anything funny or illustrative of a deeper layer, well, then it's time to just throw the thing out.
So do that, avoid it or if you already have it, throw it out.
The mish mash of non funny bits manages to be extremely offensive to basically everyone in some way. There's no development, no resolution in some way that makes the racism, sexism and general assholery serve a purpose other than simple shock value. Even the plots seems to self-destruct when nearing the end, spluttering out in some vague manner that leaves you scratching your head what it was all for.
Somehow it is supposed to reflect the situation in Europe: very few original (mostly drunk and racist) inhabitants are left, they band together to kill 'the outsider' and in the end Africans are dancing in the streets as they have taken over deus ex machina while the inhabitants weren't looking. Like...what? How does that resemble anything?
Killer dialogue skills though, rarely read anything that fluid, so that leaves it with the one star it gets from me being well-deserved.
Brilliant - für manche sicher extrem unangenehm, aber solche Bücher brauchen wir und müssen wir als Gesellschaft auf jeden Fall ertragen können. Kunst darf das
Meine Erwartungen waren wohl zu groß. Die Handlung ist eh nett... mehr aber auch nicht. Andere loben, dass das Buch sehr szenische geschrieben ist, mich hat das genervt.
ʀᴏᴍᴀɴ - ᴀʙɢᴇʙʀᴏᴄʜᴇɴ . . Auf der @buchwien haben wir uns bei der Lesung von David Schalko zu Bad Regina entschieden dieses Buch im Zuge unserer #bookstagram_wien Runde gemeinsam zu lesen
jedes Mal darf eine andere ein Buch vorschlagen und so gelingt auch immer wieder der Blick über den Tellerrand und ich war ja von Rückwärtswalzer total positiv überrascht - bei Bad Regina hat das leider nicht funktioniert …
… nach etwas mehr als 25% hab ich w.o. gegeben und damit den Stein ins Rollen gebracht denn auch meine wackeren Mitleserinnen haben dann das Buch abgebrochen bzw. zumindest unterbrochen
Ich breche ja Bücher sehr selten ab aber hier bin ich mir sicher dass ich keinen zweiten Versuch starten werde und bin froh dass ich es mir nur als eBook bei @buechereien.wien ausgeborgt hatte
Versprochen wurde bitterböser schwarzer Humor und eine urkomische Geschichte - vielleicht wäre das noch gekommen aber für mich persönlich war es einfach nur öd, fad und belanglos 🤷🏻♀️ und ich konnte leider absolut nichts damit anfangen - keine der Figuren war mir auch nur ansatzweise sympathisch im Gegenteil - ich würde mit keinem einzigen etwas zu tun haben wollen
Möglicherweise bin ich ein Literatur Banause aber damit kann ich leben …
Stellenweise sehr gut geschrieben. Wenn da nur nicht der fade Plot wäre, der 200 Seiten braucht bis er mal Fahrt aufnimmt. 200 Seiten braucht man auch, bis man sich mal bei den viel zu vielen oberflächlichen Charakteren durchblickt. Auch das Ende ist komplett abstrus.
"Bitte keine Vergangenheitsbewältigung, wir sind Österreicher!", so könnte man, frei nach George Mikes, einen Grundtenor in David Schalkos Roman "Bad Regina" beschreiben. Denn mit seinen Landsleuten und einem dumpfbraunen Grundton der österreichischen Seele geht der Autor bei allen grotesk-satirischen Elementen kritisch ins Gericht. Da sind seine Protagonisten in dem sterbenden Ort Bad Regina durchaus einsichtig.
So nennt einer Einwohner von Bad Regina seine Landsleute "Verdunkelungsweltmeister"- "Er sagte, dass in Österreich die Aufklärung nie stattgefunden habe. Vorschriftshörigkeit, Mauscheln, und Feigheit seien in seiner DNA verankert." Schmeichelhaft klingt anders. Dass die Krise der Gegenwart tatsächlich mit charakterlichem Versagen der Einheimischen während des Nationalsozialismus zusammenhängt erschließt sich allerdings erst ganz zum Schluss. Bis dahin muss der Leser, ebenso wie Hauptfigur Othmar, rätseln, was hinter dem Verfall von Bad Regina steckt und welche Rolle der Chinese Chen spielt, auf den sich Spekulationen ebenso konzentrieren wie xenophobe Überlegungen.
Othmar träumte irgendwann einmal von Größerem. Mit seiner Punkband gehörte er zu den Rebellen. Doch das ist lange her. Von Sex, Drugs & Rock´n´Roll sind am ehesten noch die Drogen geblieben, denn wenn Othmar nicht bekifft ist, ist er betrunken oder auf dem besten Weg dahin. Immerhin, jede Woche Dienstag kommt Selma, die Frau, die mit ihrer Tochter einem Sektenchef entkommen ist und ausgerechnet in Bad Regina Zuflucht gefunden hat. Ist es Liebe, oder helfen sich da zwei für ein paar Stunden aus ihrer Einsamkeit?
Früher kam der Jet-Set nach Bad Regina, später Hipster auf der Suche nach "lost places" - und selbst die sind jetzt ausgeblieben. Gerade mal 45 Nachbarn sind Othmar geblieben, nur ein Kind lebt im Ort, der etwas unheimliche und frühreife Max. Bad Regina ist zur Geisterstadt geworden, in der das Grand Hotel ebenso leer steht wie viele Häuser, deren Einwohner verschwunden sind. Fest steht nur: Chen hat sie aufgekauft. Der Rest ist Leerstand. Falls Chen einen Plan hat, hat er sich den verbliebenen Einwohnern nicht erschlossen.
Zwar werden generationsübergreifende Dorfzwiste auch mit nur 46 verbliebenen Einwohnern hingebungsvoll weitergeführt, doch gemeinsamer Rassismus eint dann doch. "Der Chinese" soll zum Reden gezwungen werden, mit Hilfe einer Entführung, bei der dann plötzlich so gut wie alle dabei sind - eine aberwitzige Szene mit einer Entwicklung, bei der eigentlich alles schief geht. Am Ende wartet eine Überraschung und ein Plot, der an Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" erinnert.
Schalko würzt seinen Text mit so wunderbar bildhaften Beschreibungen wie "Die Sterne leuchteten, als wäre der Nachthimmel ein löchriger Fetzen. Als ob dahinter ein Fest stattfände, zu dem Othmar nicht eingeladen war. ... Wie ein maroder Leuchtturm schimmerte das Luziwuzi am Ende des Ortes. Die anderen Lebensgeister flackertenvereinzelt." Doch dabei kratzt er häufig nur an der Oberfläche seiner Figuren, springt von einem zum nächsten. Das ist angesichts des exzentrischen Personal des Romans schade. Denn mit bitterböser Satire und der Lust am Grotesken bereitet Schalko seinen Lesern so manche Überraschung. Dieses Buch gerät zu einer virtuosen Achterbahnfahrt der Stereotypen und Vorurteile, ganz ohne Schmäh, aber mit einer gehörigen Portion österreichischer Selbstschelte.
Die glanzvollen Zeiten Bad Reginas sind lang passé. Erst schlossen die Skilifte, dann blieben die Gäste aus und nun folgt ein langsamer Exodus der letzten Bewohner. Der Wandel vom mondänen Alpendorf zur Geisterstadt wird von einem mysteriösen Fremden befeuert, der den Bewohnern lukrative Angebote unterbreitet – die erworbenen Grundstücke jedoch anschließend brachstehen lässt.
Othmar, Ur-Bad-Reginist und Quasi-Protagonist der Romans, hält sich mit der tölpelhaften Pflege eines in den 1980er Jahren verunfallten Star-DJs über Wasser, der in Bad Regina zu Schaden kam und nun ein Dasein im Wachkoma fristet. Ein Zustand, der sich wenig vom bierseligen Dauerdunst des phlegmatischen Othmars unterscheidet. Doch obschon Othmar kaum einen klaren Gedanken fassen kann, spürt er doch, dass etwas faul ist. – Was steckt hinter den Grundstückkäufen? Welcher Unternehmer hat Interesse an einem Invest, das keine Rendite einbringt? Trunken, langsam und reichlich unbeholfen versucht er sich an der Lösung des Rätsels …
Schon nach den ersten Seiten war klar: ein Aufenthalt in Bad Regina – sei er auch fiktiv – ist kein Zuckerschlecken. Zwar perlt die Prosa und der Subtext sprüht vor genialen Einfällen und Tiefsinn, doch geizen die Figuren nicht mit rassistischen, antisemitischen und sexistischen Äußerungen. Die übriggebliebene Dorfgemeinschaft ist eben primär männlich, dümmlich und versoffen, der Umgang mit ihnen kommt dem Besuch eines piefigen Stammtischs gleich und obwohl der Roman mit reichlich Witz kontert, fragt man sich doch irgendwann, wie viele Dorfnazis eine Geschichte verträgt. – Mir persönlich war es too much.
Wen das weniger stört, wird die zahlreichen Qualitäten des Romans sicherlich umso mehr zu schätzen wissen. Ein verblüffender Mix aus Blues Brothers, Braunschlag, 1980er Nostalgie und Menschen im Hotel gepaart mit Lost-Places-Feeling.
Der Titel hat mich lange verfolgt und schließlich habe ich ihn dann endlich gelesen, um festzustellen, dass er leider wieder einer der Fälle ist, den ich wirklich mögen wollen wollte, aber nicht konnte:
Es geht im Buch - wenig überraschend - um Bad Regina, einen verfallenden fiktiven Kurort in Österreich und die letzten ca. 50 Einwohner, die dort ausharren, während ein chinesischer Investor versucht, ihnen ihr Eigentum abzukaufen. Im Verlauf der knapp 400 Seiten lernt man ein paar der Einwohner besser kennen und beginnt langsam deren Beziehungsgeflecht zu durchschauen, dass am Ende in einem Mordfall gipfelt.
Im Großen und Ganzen ist es eine Mischung aus Fight Club, Agatha Cristie, Magical Mystery und Grand Hotel Budapest. Man möchte den Verfall zelebrieren, den Mordfall lösen, das illustre Personal lieben und auch den Charme einer vergangen Zeit wieder aufleben lassen, aber es funktionierte für mich nicht mal ansatzweise. Die Story kam erst am Schluss dank des überraschenden Plottwists in die Gänge, aber auf dem Weg dahin, blieb mir das Personal erstaunlich fremd und ich konnte dem Text kaum etwas abgewinnen. Auch die teilweise gelobte Komik erschloss sich mir nicht und über die Allegorie auf den Untergang Europas musste ich erst durch Rezensionen Dritter gestoßen werden. Kurzum: Ich war und bin enttäuscht.
Bad Regina von David Schalko, erschienen im Kiepenheuer&Witsch Verlag am 14.01.2021
Die Party ist vorbei und im mondänen Alpenkurort Bad Regina sind nur noch 46 Bewohner übrig geblieben die teils drauf hoffen, dass sie ein Angebot zum Verkauf von Chen, der für alle im Ort „der Chinese“ ist, bekommen, oder aber vom Ausverkauf der Heimat nichts wissen wollen. Die Gerüchteküche brodelt hoch, da niemand weiß, was Chen mit den erworbenen Immobilien anfangen wird und wer dahintersteht. Eine der Gerüchte besagt, dass sie in einem Vergnügungspark als lebendes Inventar versetzt werden, um ihr Leben so weiter zu führen, wie es zu den Zeiten als Bad Regina noch Hip war.
David Schalko hat diesen Roman teilweise in einem Hotel in Bad Gastein geschrieben und sie ist im z.T. bitterböse, z.T. sehr humorvoll gelungen. Der Einstieg in die Geschichte ist schnell geschafft, auf Dauer wünscht man sich aber, der Autor hätte sich etwas kürzer gefasst. Da gibt es zu viele Wendungen und irgendwann ist die nächste Überraschung dann keine mehr. Empfehlen würde ich dieses Buch trotzdem, auch wenn mir die politisch unkorrekte Sprache etwas auf die Nerven gefallen ist. Klare Leseempfehlung.
Hin und her gerissen. Idee und Setting finde ich grandios, die Charaktere waren in Ordnung, die Dialoge z.T. unglaublich gut und witzig, das (fehlende) Tempo hat mich jedoch fertig gemacht. Da ich fast nie Bücher abbreche, hab ich mich durchgebissen und wurde entlohnt, da ich die Auflösung am Ende gut fand. Teilweise sehr filmhaft, das hat mich gestört. Insgesamt bekommt es einen Platz im Regal. Extralob für das wunderbare Cover!
David Schalko ist nicht nur Schriftsteller sondern auch Regisseur für Film und Fernsehen. Vielleicht vermag es deswegen, seine Schauplatz, die aussterbende Stadt Bad Regina, so gut in Szene zu setzen. Der Ort wird im Kopf des Lesers Gestalt annehmen.
Der Ort ist fast verlassen, praktisch eine Geisterstadt. Nur noch 46 Menschen leben hier. Die Infrastruktur ist nahezu zusammengebrochen. Die Einsamkeit von Bad Regina ist spürbar. Aussterbende Dörfer sind nicht unbekannt, daher ist der Plot nicht unrealistisch.
Othmar ist der Antiheld, dem man als Leser folgt. Trotz fatalistischer Lebenshaltung versucht er sich dem ganzen entgegenzustemmen. Auch die anderen Figuren werden durchgehend ambivalent gezeigt.
Der herbe Stil von David Schalko erinnert leicht an Oskar Roehler, der ebenfalls Autor wie Filmemacher ist. Zwar gibt es immer mal wieder übertriebene oder überkonstruierte Sätze, aber in der Summe ist der Stil effektiv.
Ich hatte bisher noch nichts von David Schalko gelesen, aber nach Bad Regina werde ich mich nach weiteren Büchern von ihm umsehen.
Gutgemeinte 3 Punkte (wovon einer für den Namen ist). Ich habe ewig für dieses Buch gebraucht und es nur nicht aufgegeben, da die Bibliothek es auf meinen Wunsch hin besorgt hat. Es war nicht das, was ich mir vorgestellt hat. Und konnte mir nicht merken wer wer ist und es war mir dann auch irgendwann egal.
Trotz der geringen Bewertung hatte ich grossen Spass bei dem Buch. Es ist wirklich sehr witzig. Leider wird die grossartige Idee des Romans meiner Ansicht nach nicht gut umgesetzt. Es bleibt eine sehr absurde Geschichte. Alle Protagonisten sind sehr skuril, leider wächst einem niemand so richtig ans Herz. Die Auflösung war für mich leider auch nicht befriedigend.
Wie viele hier habe auch ich das Buch abgebrochen. Ich wollte wirklich weiter lesen, aber jedes Mal aufs neue wurde ich von der wirren Handlung, den überzeichnet realistischen Charakteren und der zutiefst widerlichen Sprache davon abgehalten. Der eine Stern ist für die schöne Coverillustration.
Abgebrochen. Der ständige Rassismus soll vermutlich witzig sein, ist aber einfach nur rassistisch. Ein unausstehlicher Hauptcharakter, der ein Vergewaltiger ist, mit dem man aber sympathisieren soll. Ich werde den Autor zukünftig meiden.
I don’t usually rate books I DNFed, but I got to about page 350 of this and it felt like I wasted an eternity and three quarters of my braincells that withered away in the process of me reading this on this book, it gave me a headache, it made me so physically sick that I genuinely felt like I was about to throw up, and just overall I had about the worst reading experience you could imagine. So despite not having been able to finish this, I need to let my anger about it out somewhere, and I feel like I’ve suffered through enough of the hot mess that this was to let it count as having read the whole book.
I just don’t understand what people think they are going to achieve by writing books from the perspective of bigots. I don’t think it makes good commentary to write the same old racism, sexism, xenophobia, transphobia and so on that we see in plenty of stories already. Because sometimes, as was the case here, these stories that are supposed to be commentary end up sounding the exact same as the ones that are genuinely hateful do, and the knowledge that the book isn’t supposed to support the views of the characters isn’t enough to truly set these stories apart from books that are just straight-up problematic. To me this read exactly the same as actual racist, sexist and transphobic books, it completely failed at bringing up any type of discussion or any new points at all. The characters and their behaviors were nothing but huge cliches most of the time.
This book is supposed to be humorous and a parody, but I didn’t see a single funny sentence in all of the 350 pages I read. Not even something that made me chuckle a little or at least think to myself that that thing it just said was kind of witty. And, I might be just repeating what I said in the last paragraph here, but writing the exact same type of scenes in your book as the people whose behavior you’re supposedly challenging isn’t a good parody to me.
This book uses a jarring amount of slurs, and as far as I know none of them are ones that this author could reclaim. I still think that if you can just randomly drop this slur used against a group of people that you’re not a part of, there is no way you actually have the empathy for them that you claim you have, or you are in the very least extremely unaware of the way these words are used and the damage they do, and therefore shouldn’t be writing books discussion these topics.
Furthermore I also don’t think that “it’s supposed to be commentary” is a valid excuse for misrepresenting minorities, especially when the author isn’t a part of them. Because this book doesn’t actively challenge the behavior of its characters the readers have to know themselves which of the things the characters are doing and saying are disgusting and why. In order for that to work we would either need for everything that is bad representation to be made super obvious, or we’d have to be able to expect from the readers to be educated enough on all of the subject matters mentioned to see to which level they are being misrepresented. I am specifically talking about the trans character here, because while it is possible, I would say it’s even quite likely, that there are similar things surrounding how the people of color are treated, it’s the trans character where I can with 100% certainty tell you that the way she was handled was extremely problematic and I will not take “but the people are supposed to be bigoted and the book is commenting on it” as an excuse, because it is not actually commenting on anything. Instead it features plenty of formulations and narratives that are straight up wrong and/or harmful, but not so obviously transphobic that you could expect cis readers to necessarily pick up on it. When reading some of the passages about that trans person I genuinly wasn't able to tell whether they were supposed to be as transphobic and wrong as they were or whether the author was being uneducated and genuinly didn't know better, which again just shows how badly the attempted commentary in this book was executed. So in the end, regardless of whether this was the intention of the book or not, it feeds into a lot of untrue and disgusting stereotypes about trans people, and I would not be surprised if it did the same for a lot of other groups of people it features that I’m not a part of. The general tone of the book felt like it was only using its minority characters to seem woke or daring, and again, there was no actual commentary I could see behind that.
I am not exaggerating when I say this is one of the absolute worst things I’ve ever read. To me this failed in every single aspect and despite the fact that I read plenty of content in books that makes me feel disgusted constantly, I haven’t been quite this disgusted in a long time.
It took a me months to finish - but I liked the humor, the story and most importantly the ending. It’s quite difficult to read though because you get lost in endless monologues and it is quite dull.