Hamburg, 2017, kurz vor dem umstrittenen G20-Gipfel. Scheinbar unberührt geht das Leben der Familie Koschmieder seinen Gang, man wohnt in Hamburg-Marienthal, geordnete Verhältnisse. Doch je näher der Gipfel rückt, desto weiter ziehen sich die Risse, die eben noch irgendwo an den Rändern klafften, in die Familie hinein. Die Tochter Imke, engagiert bei der «Jugend gegen G20», denkt immer radikaler, mitgezogen von Freunden. Ihr Bruder Alexander ist Polizist und überzeugt von einer klaren Linie; vielleicht will er auch nur sein geheimes inneres Chaos bändigen. Die Geschwister, die sich eigentlich nahe sind, stehen in der sommerheißen, explosiven Stadt plötzlich auf verschiedenen Seiten. Als die Mutter an einer politischen Kunstaktion teilnimmt, der Vater in ein Gerangel gerät und Imke ganz unerwartete Erfahrungen mit Gewalt, Ohnmacht und Freundschaft macht, verwischen alle Fronten. Die Situation wird für jeden zur Prüfung.Katrin Seddigs Familienroman beleuchtet die Ereignisse um den G20-Gipfel – und zeichnet eine erschütterte Gesellschaft, in der alle Gewissheiten ins Wanken geraten. Wer erzählt die richtige Geschichte? Und ist das eigentlich die Frage, auf die es ankommt?
Die Menschen schreien, stolpern, trampeln übereinander hinweg, es geht ein Wogen auch durch die hintere vom schwarzen Block fast schon abgetrennte Menge, Gebrüll, Schmerzensschreie, Panik, die vorne wollen nach hinten, aber sie stehen dich an dicht, eingekeilt und Einzelne werden wahllos durch die anderen und gegen die Mauer getreten und geprügelt. Auch oben, auf der Flutschutzmauer, nehmen die Menschen die Bewegung auf, Geschrei, Panik, Imke lässt sich von der hinteren Mauer gleiten und drückt sich an ihre Gruppe. Paul ist mit anderen ganz vorn, wo die Gehetzten von unten nun versuchen, über die Mauer zu entkommen, sich an der glatten Mauer emporzustemmen, ausgestreckte Arme packen sie und ziehen sie hoch. Auch Pauls Oberkörper hängt über die Mauer nach unten, hinter ihm steht Elias und hält ihn fest, damit er nicht runterfällt. Menschen klettern hinauf, blutend, lächelnd, heulend. Immer mehr kommen über das Geländer der Mauer nach oben wie Wasser, das in Wellen über einen Damm schlägt.
Erzählerisch ausgereift und packend schafft Katrin Seddig es die Geschehnisse rund um den G20 Gipfel in Hamburg mit dem Familienleben einer „durchschnittlichen“ Familie zu verknüpfen. Langsam werden die Familienmitglieder gewollt und ungewollt in die Ereignisse hineingezogen und stehen sich schlussendlich an unterschiedlichen politischen Front gegenüber. Zwei Sterne Abzug gibt es für die Charakterentwicklung mancher Figuren. Meiner Meinung nach wurde der Oma in der Geschichte viel zu viel Raum gegeben. Diese Teile waren für mich teilweise sehr langatmig, was in der Konsequenz bedeutet hat, dass andere Figuren nicht ausreichend erzählt wurden, wie beispielsweise der Sohn. Trotz allem eine klare Leseempfehlung!
Anna: »In sperriger Sprache erzählter Roman, der eine Aufarbeitung des G20-Gipfels in Hamburg verspricht, aber bloß mäßig interessante Einblicke in das Leben einer bürgerlichen Durchschnittsfamilie bietet.«
Finn: »Langatmiger Familienroman, der den G20-Gipfel als Aufhänger benutzt, die Stimmung in Hamburgs Straßen zu der Zeit jedoch nie einzufangen vermag und auch den Themen Globalisierung und Machtpolitik nicht gerecht wird.«
Elin: »Entgegen den vom Klappentext geweckten Erwartungen wenig politischer Roman für Leute, die in ihrem eigenen Leben nicht genug ermüdende Familiengeschichten haben.«
Maja: »Mühsam zu lesender Roman über eine klischeehafte Familie, der an meinem Gymnasium als sprachlich ungenügend bewertet worden wäre.«
Mit hat die Erzählung gut Gefallen. Der G20 Gipfel wird aus verschiedenen Positionen erzählt, wodurch man ihn besser verstehen kann. Gleichzeitig wird die Geschichte einer “durchschnittlichen” Familie erzählt, wodurch man die Emotionen der einzelnen Charaktere sehr gut verstehen kann. Man kann die Entwicklung der einzelnen Erzähler sehr gut nachvollziehen und bekommt einen authentischen Eindruck davon, wie sich persönliche Krisen und politische Ereignisse beeinflussen können und den Charakter formen.
Insgesamt eine Leseempfehlung. Den Stern Abzug gibt es für die Figur des Vaters, der mich durchweg mit seiner Unentschlossenheit genervt hat.