This is a man's world - zumindest könnte man das glauben, wenn man dieses Buch liest. Inklusive Vorwort besteht 'Die Philosophie des Laufens' aus 17 Texten, die geschrieben wurden von 15 Männern und zwei Frauen. Alle sind weiß (bzw. für einen Autor konnte ich es nicht sicher herausfinden) - und das, obwohl die schnellsten Läufer:innen der Welt mehrheitlich Schwarz sind und sicherlich auch spannende Beiträge liefern könnten, aber najaaaa, lassen wir das mal so stehen und fahren fort.
Obwohl mir im Vorwort angekündigt wurde, dass das Buch durch die unterschiedlichen Sichtweisen der Autor:innen super divers ist, war es das (surprise) nicht. Abgesehen von o.g. Gesichtspunkten, handeln die meisten Texte davon, wie krass Marathon laufen ist und auf welche Arten und Weisen Menschen versuchen, sich dazu zu motivieren und noch schneller zu werden - alles untermalt mit philosophischen Gedanken (meist) längst toter "Klassiker" der Philosophie, wie dem guten alten Nietzsche oder - noch toter - Aristoteles.
Die meisten Texte haben mich schlicht gelangweilt, da ich keinen Marathon laufen will und keine Ambitionen habe, mein Laufen der Leistungsgesellschaft unterzuordnen um immer schneller besser stärker zu werden.
Man könnte sich nun fragen, warum ich dieses Buch dann erworben und gelesen habe. Vielleicht wegen Texten wie dem von Maximilian Probst, in dem ständige Selbstoptimierung kritisiert wird. Oder wegen Isabel Bogdan, die mit Ach und Krach einen 10km-Lauf absolviert hat und das mit viel Humor und berechtigtem Stolz berichtet.
Bestimmt können manch andere dem Buch viel abgewinnen - z.B. Marathon-Interessierte oder Leute, die sich gerne in Wettkämpfen messen.