Er ist weltweit der bekannteste Deutsche: Karl Lagerfeld. Sein Markenzeichen seit Jahren: Ein sorgfältig gepflegter, weißer Pferdeschwanz, der tief im Nacken liegt und eine schwarze Sonnenbrille. Der Modezar ist das Gesicht von CHANEL, Fotograph, ein begnadeter Künstler und der bekannteste Deutsche international.
Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Karl FLUNKERT, lügt, dass sich die Balken biegen.
Baron Karl von Münchhausen. Wäre ein treffenderer Titel gewesen, aber das Titelbild passt allemale.
Es ist in höchstem Masse unglaubwürdig, was Karl über seine Hellseherin erzählt. Da fährt er zu einem Termin zu einem Anwalt wegen eines Vertrages, im Auto hat es Telefon, das war vor der Handy Aera, und nur ganz wichtige Leute hatten Telefon im Auto. Plötzlich läutet das Telefon im Auto. Es ist seine türkische Hellseherin. Er hatte sie schon längere Zeit nicht mehr gesehen, woher wusste sie die Autotelefonnummer: Hellgesehen, natürlich ! Und sie weiss, dass Karl unterwegs ist, um einen Vertrag zu unterzeichnen, aber er müsse aufpassen, auf Seite soundso habe sich ein Fehler eingeschlichen, der sich sehr zum Nachteil von Karl auswirkt. Und ja, so war es auch. Genau auf der Seite war so ein Fehler.
Ich kann das Lügenbaron Karl Ding festmachen an der Geschichte mit dem Mercedes SL 160. Den habe er bekommen von seiner Mutter, nachdem er DEN Wettbewerb gewonnen hatte ( mit 16 oder 21 Jahre ). Für DEN Frauenmantel. Auch der junge YSL hat damals einen Preis gewonnen. Dieser Mantel war dann der Start zu seiner Karriere. Und seine Mutter hat ihm als Belohnung einen SL 160 gekauft. Der sei so teuer gewesen wie ein halbes Einfamilienhaus. Niemand in Paris hätte so einen Wagen gehabt, er sei sehr aufgefallen damit, man habe sogleich gewusst anhand des wagens, dass er unterwegs ist. Er hätte diesen Wagen zu Schrott gefahren, zum Glück sei er heil geblieben. Paul Sahner sagt daraufhin, dass Rosemarie Nitribitt denselben Wagen gefahren habe. Davon hat Karl keine Ahnung. Nitribitts Wagen war schwarz erfährt der Leser, derjenige von Karl beige.
Im Stern online vom 4.7.2004 ist hingegen zu lesen: "In der am Montag ausgestrahlten Talkshow "Beckmann" gestand der 65 ( 70 !)-Jährige: Auch wenn er als Jugendlicher den Führerschein gemacht habe, könne er nicht Autofahren. Grund: Bei Motorgeräuschen schlafe er immer ein. "Ich habe deshalb zwei Unfälle gehabt und beide nur durch ein Wunder überlebt. Zuerst habe er ein grünes VW-Käfer-Cabriolet zu Schrott gefahren, dann einen elfenbeinfarbenen Mercedes 190 SL mit roten Sitzen, der zuvor Rosemarie Nitribitt gehört habe, so Lagerfeld. Der Mercedes sei an einem Baum gelandet: "Ich bin noch rausgesprungen, dann ist der Wagen 150 Meter nach unten gefallen. Danach habe ich beschlossen, ich bleibe von der Straße besser weg."
Arthur Bechtel hat sich auf seinem Blog Benzingespräche eingehender mit dem Wagen der Nitribitt beschäftigt. "Aber was wurde nun aus dem Mercedes 190 SL, mit dem sie in nur anderthalb Jahren 42.000 km gefahren war? Nitribitt kaufte das Auto als Neufahrzeug bei der Mercedes-Benz Niederlassung in Frankfurt in schwarzer Lackierung und roter Lederausstattung und es wurde von ihr im Mai 1956 zugelassen. Nach ihrem Tod war ihre Mutter Alleinerbin und verfügte somit auch über den SL. Sie verkaufte ihn an einen Gebrauchtwagenhändler in Düsseldorf für 12.000 DM , der das Auto für 13.300 DM an einen Hamburger Reederei-Fachmann weiterverkaufte. Dieser hatte einen Unfall und veräußerte ihn im verunfallten Zustand an einen Gebrauchtwagen-Händler, der das Auto wiederum für 8.500 DM an einen Tankstellenbesitzer weitergab. Der Wagen wurde repariert, in silbergrau umlackiert und vermutlich wieder verkauft. Danach verliert sich die Spur des Nitribitt SL, bis jedoch im Januar 1970 folgende Gebrauchtwagen-Anzeige in der Auto Motor & Sport erschien: „Einmalig - 190 SL der Nitribitt. Zugel. 18.05 1956 Frankfurt M. Kennz. H 70 – 6425 Cabriolet mit Hardtop und Verdeck. Zuschriften unter Nr. 247 64426“ Ein möglicher Käufer konnte jedoch nicht mehr ermittelt werden. Letzte Informationen besagen, dass der 190 SL im Jahr 1975 auf einem Schrottplatz in München gesichtet wurde. Und dann gibt es noch eine allerletzte Anekdote über das Auto: In einem Interview „bei Beckmann“ erzählte Karl Lagerfeld vor einigen Jahren, er hätte das Nitribitt Auto einmal besessen, damit einen Unfall gebaut und sei danach nie wieder Auto gefahren."
Wenn Lagerfeld das Auto von der Nittribitt zu Schrott gefahren hat, wie er bei Beckman behauptete, war Lagerfeld also mindestend 37 Jahre alt, als er den Wagen SELBER gekauft hatte. Und es sind 16 Jahre vergangen seit er den Mantelwettbewerb gewonnen hatte. Der Wettbewerb fand am 14. Dezember 1954 statt. Eineinhalb Jahre bevor der Wagen von der Nitribitt zugelassen war.
Und da sind noch die Geschichten um sein Alter, Wikipedia schreibt: "Karl Lagerfeld wurde laut Geburtsanzeige seiner Eltern in den Hamburger Nachrichten am 10. September 1933 geboren.[1] Als Geburtsjahr gab Lagerfeld öffentlich lange Zeit 1938 an, später 1935.[22][23] Die Bild am Sonntag veröffentlichte 2008 Auszüge des kirchlichen Taufregisters Hamburg sowie Kommentare seiner Lehrerin und eines Klassenkameraden,[24] die als sein Geburtsjahr 1933 angaben.[25] Am 10. September 2008 ließ Lagerfeld sich gleichwohl zum „70. Geburtstag“ gratulieren. Entsprechendes war bereits im Jahr 2003 zu seinem „65.“ geschehen. Einige Medien übernahmen die Angaben des Modeschöpfers ungeprüft, andere nicht, sodass sich biografische Angaben zur Person Lagerfelds oft widersprechen. "
Was man aus diesem Buch entnehmen kann als Quintessenz: Karl hat wohl nicht nur der Nazi Collaborateurin Coco Chanel ein radikal neues Image verpasst, er hat auch an seinem eigenen Image rücksichtslos verbessert und poliert.
Ich mochte es sehr gern, dass der Autor zu weiten Teilen Karl selbst für sich sprechen lässt. Ich wusste von Herrn Lagerfeld vorher nicht besonders viel, für mich war das ein Modedesigner, der sich selbst gut inszeniert und mit dogmatischen Sagern (wie z.B. Jogging-Hose) von sich reden macht. Dieses Buch hat mir einen guten Überblick über den Karriereweg gegeben, Weggefährten und über seine "Attitude". Das Glossar am Ende hätte ich persönlich nicht mehr gebraucht, aber sonst fand ich das Buch sehr informativ, gleichzeitig wars aber auch durchaus unterhaltsam geschrieben.
Wirklich unterhaltsam! Ich fand es gut, dass der Autor Karl größtenteils selbst seine Geschichte erzählen lassen hat. Dennoch hat sich es oft angefühlt, als lüge er in weiten Teilen über Begebenheiten in seinem Leben. Das verwischt die Realität und macht es doch mysteriös. Eine Legende eben ✨