»Von Tag zu Tag wuchs mein Wille, ihn nicht nur loszuwerden, sondern zu vernichten.« Otts zweiter Roman »Endlich Stille« ist zupackend, redegewaltig, irrwitzig und ebenso virtuos. In Straßburg steht am Bahnhofsausgang plötzlich dieser Mensch neben dem Erzähler (»Suchen Sie auch ein Hotel?«) und will ihm nicht mehr von der Seite weichen. Von Stund an wird der Basler Philosoph (Spinoza-Spezialist) von diesem Schwadroneur und angeblichen Musiker (wankelmütiger Schubert-Verehrer) so lange belagert, tyrannisiert, unter den Tisch getrunken und an die Wand geredet, bis es nur noch einen schrecklichen Ausweg gibt . . . »Endlich Stille« handelt von den verheerenden Konsequenzen, die sich ergeben können, wenn man einen Fremden nicht im entscheidenden Augenblick wieder loswird. Er erzählt davon, wie sich der Alltag eines Menschen in kürzester Zeit fatal verändern kann. Ohne dass die Beteiligten spüren, auf welches Verhängnis sie sich zubewegen, nehmen die Dinge ihren Lauf. Ein wunderbar abgründiger Roman, dessen Komik aus dem Schrecken stammt und dessen Musikalität die Ereignisse bis zuletzt in der Schwebe hält.
Karl-Heinz Ott wurde 1957 in Ehingen bei Ulm geboren. Er besuchte ein katholisches Internat und studierte Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Dramaturg in Freiburg, Basel und Zürich. 1998 erschien sein Romandebüt "Ins Offene", das mit dem Förderpreis des Hölderlin-Preises und dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet wurde.
Ein Buch, das sich durch seinen treibenden Rhythmus und das, von Anfang subtil angedeutete tragische Ende, welches jedoch erst auf den letzten Seiten bestätigt wird, sehr gut lesen lässt. Mehrere Passagen enthalten interessante Gedanken über das Alleinsein und das Innenleben der Hauptperson wird lebendig geschildert. Nicht ganz nachvollziehbar war für mich woher die Hauptperson am Ende die Kraft nimmt dem „Anderen“ etwas entgegenzusetzen, nachdem er ihm für 90% des Buches völlig hilflos ausgesetzt war und sich komplett verloren hatte. Ein klarer Wendepunkt, der zu einer Veränderung der Machtdynamik führt, ist für mich nicht zu erkennen.
Die zufällige Bekanntschaft mit einem Fremden verändert das Leben des Icherzählers. Der Fremde weicht nicht mehr von seiner Seite und eckt mit seinem überbordenden Verhalten überall an. Ist zu Beginn noch eine gewisse Faszination beim Erzähler spürbar, so verwandelt sich diese je länger desto mehr in Abneigung und gleichzeitig in Ohnmacht, sich des Fremden zu entledigen. Ott schreibt komplex, wortgewaltig und mit einer Prise Humor. Es gab Momente, die mich packten, aber oft empfand ich den Text als langatmig und für mich nicht wirklich fesselnd.
Das Buch war der Inbegriff von Ruhe. Doch durch den Schreibstil immer wieder spannend, auch die Innere Unruhe des Hauptcharakters lässt das Buch nicht langweilig werden. Habe es sehr genossen, eines meiner Lieblings Bücher.
Die Beschreibung des Buches hat mich neugierig gemacht zu erfahren, wie denn mal ein Mann darauf reagiert wenn er von einem anderen Mann belagert und - vorallem - vollgelabert wird. Leider macht letzteres aber auch der Ich-Erzähler mit uns Lesenden. Bis fast zur Hälfte habe ich mir das ganze Blablabla gegeben, für noch mehr Blabla habe ich jedoch keine Nerven mehr.