Dieser kurze Roman stellt ziemliche Anforderungen an den Leser. Zum Aufbau: Handlung gibt es eigentlich keine. Wir horchen einem namenlosen Mitglied der sizilianischen Mafia bei einer Art Verteidigungsrede vor Gericht. Er redet auch regelmäßig jemanden mit „Euer Ehren“ an. Sein langer Monolog ist aber keine Beichte, sondern eher ein „Ich bereue nichts“. Er setzt vielmehr zu einer ausführlichen Rede an, in der er zynisch die Rolle der Mafia in der sizilianischen Gesellschaft beschreibt, in die Historie eintaucht und all die Gewalt und all das vergossene Blut rechtfertigt.
Das alles hätte interessant werden können, krankt aber zum einen an der sehr metaphorischen Sprache, die das Ganze literarisch machen soll, für mich aber zu künstlich daherkommt, und zum anderen an meinem Empfinden, dem namenlosen Mafioso als Person kaum näher zu kommen. Für mich bleibt er austauschbar, ein Rädchen im Getriebe, im mittleren Management sozusagen, aber ein echtes Porträt ist das für mich nicht. Zudem muss man auch feststellen, dass man sich ohne Hintergrundwissen über die Mafia bei der Lektüre sehr schwer tun wird. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der Roman in Italien anders aufgenommen wird. Für mich hat der Roman nicht so richtig funktioniert.