1865. Erstdruck »Freya. Illustrierte Blätter für die gebildete Welt«, Moritz Hartmann, Stuttgart, 1866.
Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2017.
Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Francisco Goya, Angriff auf eine Kutsche, 1793.
Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.
Über den
1831 in Eschershausen im Weserland als Sohn eines Juristen geboren, bricht Wilhelm Raabe die Schule erfolglos ab, beginnt eine ebenfalls bald wieder aufgegebene Buchhändlerlehre und widmet sich umfangreicher Romanlektüre. 1854 beginnt er die Arbeit an dem Roman »Die Chronik der Sperlingsgasse«, die er 1856 unter dem Pseudonym »Jakob Corvinus« veröffentlicht. Ab 1857 erscheinen seine historischen Erzählungen in »Westermanns Monatsheften«. Nach zahlreichen ausgedehnten Reisen durch Deutschland übersiedelt Raabe nach Stuttgart und tritt u.a. dem »Deutschen Nationalverein« und dem »Großen Klub« bei. 1866 ist er an der Gründung der liberalen »Deutschen Partei« beteiligt. 1897 erscheint eine erste Monographie über Raabe und zu seinem 70. Geburtstag 1901 erhält der inzwischen verehrte Dichter mehrere hundert Glückwunschschreiben. Mit den Ehrendoktorwürden der Universitäten Göttingen, Tübingen und Berlin und dem Königlich Preußischen Kronenorden ausgezeichnet, erkrankt Wilhelm Raabe 1909 schwer und stirbt 1910 als Ehrenmitglied der Deutschen Schiller-Stiftung in Braunschweig. Wilhelm Raabe ist neben Theodor Fontane einer der großen Vertreter des poetischen Realismus. Seine plastischen Darstellungen realistischer Bildlichkeit sind mit seiner Sympathie für Außenseiter humoristisch stimmungsvoll. »Die Figuren meiner Bücher sind sämtlich der Fantasie entnommen; nur selten ist das Landschaftliche nach der Natur gezeichnet. Das Volkstümliche fasse ich instinktiv auf.«
So etwas wie ein Nachspiel zur schwarzen Galeere, nur mit umgekehrten Vorzeichen: eine Armada von gierigen Geusen macht eine Plündertour durch die spanischen Inseln im Atlantik, nach den Kanaren ist St. Thomas dran, dort werden die Eingeborenen übel von den Spaniern unterdrückt und verbünden sich mit den Feinden ihrer Feinde. Romantischer Kern der Geschichte ist die Liebe eines jungen Geusen zur Nichte des Kommandanten, die im Befreiungskrieg mal als Geisel auf dem Besitz seines Onkels gehalten wurde. Fazit: Raabe ist hier nicht mehr von der protestantischen Haudrauf-Mentalität der schwarzen Galeere befallen, die Geusen sind ebenso geld- und notgeile Vergewaltiger wie in der alten Geschichte die Spanier, die dieses mal den Edelmann stellen, der aber zu spät kommt, um seine Liebste zu retten und sich mit seinen Rachegelüsten an die Stammbevölkerung hält: So zog der Kapitän Giralto denn nur das Banner von Spanien von neuem auf der Trümmerstätte empor und hing, um sein Gemüt wenigstens etwas zu erleichtern und Ehren und zum Gedächtnis der Senora Brancamante y Mugadas Criades sieben Neger, welche er in den Gassen der verbrannten Stadt gefangen hatte, daneben auf.. Raabes Stil ist ohnehin sehr gewöhnungs- oder einlesebedürftig, die nach derzeit gültigen Maßstäben krass rassistische Wortwahl dürfte ohnehin die meisten abschrecken. Auch von mir gibt es keine Empfehlung sich das anzutun. Auch wenn diese Erzählung eine halbe Weltreise umfasst, die deutsche Literatur jener Zeiten ist doch ziemlich krähwinkelig, wenn auch nicht ganz so schlimm wie in der zuvor entstandenen Revolutionssatire Die Gänse von Bützow.