Ein teilweise recht unterhaltsames Buch, das allerdings sehr subjektiv und aus der Perspektive des europäischen Herrenmenschen geschrieben ist.
Auf Kriegsverbrechen oder den kolonialen Unterdrückungsapparat der Europäer (bzw. Amerikaner) wird eigentlich überhaupt nicht eingegangen, dafür wird umso beharrlicher der der Vietnamesen nach dem Ende der Befreiungskriege thematisiert. Asiaten werden entweder - wenn sie sich dem Herrschaftsanspruch der Weißen unterordnen - in jener herablassend-jovialen Art gezeichnet, mit der man für gewöhnlich Kinder beschreibt oder (mit wenigen Ausnahmen) als verschlagen-brutal und faul bzw. unfähig diffamiert (insbesondere, wenn sie Kommunisten sind, wenn sie also, nachdem sie die positiven Seiten des Kapitalismus in Form des Kolonialismus kennengelernt hatten, die Unverschämtheit besaßen, ein System zu wählen, das ihm, Peter Scholl-Latour, einfach nicht in den Kram passt [ich bitte, meinen sarkastischen Tonfall zu entschuldigen]).
Bezeichnend eine Passage (S. 367/368) aus dem letzten Drittel des Buches, das die Nachwehen der vietnamesischen Entkolonisierungskriege (im Jahr 1979) beschreibt. Scholl-Latour, damals bereits seit 30 Jahren Korrespondent in Vietnam, besucht ein Gefangenenlager in China, in dem vietnamesische Soldaten festgesetzt sind. Er schreibt: "Das Bewachungspersonal [d.h. Dolmetscher] ließ uns gelegentlich mit den Gefangenen allein. Natürlich war dann auf Grund der Sprachbarriere an eine Verständigung nicht zu denken. So zählte ich den jungen Burschen, die mich umringten, die Namen der vietnamesischen Städte auf, die ich in der Vergangenheit besucht hatte. Sie verstanden sofort und freuten sich riesig." Scholl-Latour, damals - ich wiederhole es - seit sage und schreibe 30 Jahren Korrespondent in Vietnam, spricht kein Wort Vietnamesisch...