Aua, also dieses Buch war absolut ein Kampf zum lesen. Ich hab es gelesen, weil ich männliche Perspektive auf Suchterfahrung spannend finde weil ich dachte über dieses Buch mehr über männliche Reflexion des Konsum/ Sucht bzw. Abstinenz oder Suchtbewältigung eventuell aus einem autodidaktischem, autonomen Zugang heraus zu erfahren.
Zu allererst: Das Buch ist streckenweise sehr mitreißend, hat zeitweise einen Flow und auch teilweise eine rührende Authentizität.
Ich wünschte ich könnte so unverhohlen wie Benjamin von Stuckrad Barre Männer idealisieren, die ohne Unterlass misogyne, ableistische, rassistische Narrative füttern, während sie fast nebenbei ihre Biografie vom Leder lassen. Das kann man jetzt gut oder schlecht finden, laut Fauser soll dies ein Zeugnis der Zeit sein und ein Abbild der damaligen Realität. N-Wort und rassistisches sowie misogynies Wording wurden gesellschaftlich deutlich weniger kritisch betrachtet. Aus heutiger Perspektive muss ich mich allerdings fragen, wieso ins sich diesem aussetzen soll? Welchen Mehrwert liefert das Buch? Harry Gelbs Beziehungen sind nur so möglich, in der toxischen, hilflosen, unkritischen Dynamik, weil Harry Gelb eben ist, wie er ist. Ein Vollzeit-Maccker irgendwie. Die Darstellung der Frauen ist eine absolute Peinlichkeit. Ich glaube jedoch, dass Fauser Frauen tatsächlich nicht anders begriffen hat, Jedoch möchte ich wirklich ein für alle mal festhalten, dass es sich bei diesem Buch nicht um ein Buch über Sucht handelt. Es geht nicht um eine Sucht- oder Konsum Biografie. Es geht um die Biographie eines Narzissten. Die Sucht ist nebensächlich und wie in den Zeitzeugnissen am Ende der Ausgabe herauskommt: es gab nie eine Abstinenz, nie eine wirkliche Reflexion über Konsum, über Abhängigkeit, über Beweggründe des Substanz(ab)Usus.
Das wäre ok, wenn Fauser sich dafür entschieden hätte, um eine spannende Biographie zu schildern aber das Buch ist nach der Hälfte ermüdend. Gelb verliert sich in seiner Eintönigkeit, er verliert sich in Trott, seiner Selbstzentrierung. Floskeln und vermeintlich kultige Charaktere werden zu Nebendarsteller:innen (wobei, hier ist kein gendern notwendig - Frauen sind entweder Zentrum kurzweiliger Begierde, oder wertlos, da sie nicht (mehr) attraktiv sind) einer verklärten Milieu-Studie. Fauser wurde vorgeworfen zu romantisieren und in dem Interview mit Karasek versucht er dies zu entkräften. Bei dem Punkt möchte ich Fauser recht geben. Dieses Dasein wird für mich nicht romantisiert, weil diese Biographie so ins Leere führt, dass ich keinerlei Romantik ausmachen kann. Das Ende ist enttäuschend. Der Protagonist versucht Trost zu finden in einem Gedanken, der ähnlich ausgefuchst ist wie der WhatsApp Status der Mutter meiner ehemaligen Klassenkameradin: Aufstehen, Krone richten, weiter gehen.
Au Schwarte, wie peinlich.
Bei Gott, wenn es wirklich jemanden gibt, der das Buch lustig findet, laut lacht, ich möchte dieser Person nicht über den Weg laufen.
Schaut eins sich mal genau an, wer hier gute bzw nicht so gute Rezensionen geschrieben hat, wird eins klar: atzen lieben dieses Buch. Wieso nur?