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Magdalenaberg

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Joseph, ein junger Mann, übernimmt den elterlichen Hof nicht, sondern flüchtet sich vor den familiären Zumutungen in die Stadt. Doch dort wird er nicht heimisch. Er lernt eine Frau kennen, Katharina, sie bleibt zwei Jahre bei ihm, und eines Tages verschwindet sie. Sein jüngerer Bruder ist ebenfalls fort, vor längerer Zeit bei einem Unfall ums Leben gekommen. Joseph bleibt zurück, in einer fremden Welt. Die Katastrophen geschehen langsam und schleichend. In seiner ganz eigenen, zeitlosen Sprache erzählt Reinhard Kaiser-Mühlecker von Kindheit und Herkunft, Erinnerung und Verlust.

220 pages, Hardcover

First published January 1, 2009

20 people want to read

About the author

Reinhard Kaiser-Mühlecker

15 books17 followers
is an Austrian writer who grew up in Hallwang, Eberstalzell, Upper Austria. From 2003 to 2007 he studied agriculture, history and international development in Vienna. In 2007 his debut novel Der lange Gang über die Stationen came out. The same here he received the literary award from the Jürgen-Ponto-Stiftung and a stipend from the Edenkoben estate. In 2009 he was a juror at the German-language Slovakian Prešover short story competition.

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Community Reviews

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4 (18%)
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8 (36%)
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6 (27%)
2 stars
2 (9%)
1 star
2 (9%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for tamara .
13 reviews3 followers
July 25, 2025
»Magdalenaberg« heißt der zweite Roman von Reinhard Kaiser-Mühlecker und obwohl das Buch zu seinem Frühwerk gehört, das bei vielen Autor:innen noch in den Kinderschuhen steckt, ist dieser Roman keineswegs jugendlich oder ungelenk geschrieben, im Gegenteil.

Der Ich-Erzähler Joseph reflektiert nach dem Tod seines Bruders, dem er Zeit seines Lebens nie nah gewesen zu sein scheint, über ihn und ihre Beziehung. Dadurch, dass der jüngere Bruder für immer neunundzwanzig bleibt, während der Ich-Erzähler älter wird, vergrößert sich der Abstand, der zu Lebzeiten bereits auf emotionaler Ebene gegeben ist, zwischen den Brüdern fortlaufend. Doch in der Erinnerung an den Bruder scheint es, als werde jeglicher Abstand aufgehoben, als sei der Bruder näher als zuvor, so nah, wie nie zuvor; denn in der Erinnerung erlebt man Szenen oft viel gegenwärtiger und unmittelbarer als im Jetzt, dem Moment des physischen Erlebens.

Joseph denkt nicht nur über seinen Bruder nach, sondern ebenso über seine Kindheit, in der er ministriert hat, über damalige Weggefährten, die ihn heute nicht mehr erkennen, über die Eltern und ihre Sprachlosigkeit am Hof, und über Katharina, mit der er zwei Jahre zusammen gewesen ist, die ihn schließlich verlässt, ebenso abrupt, wie sein Bruder Wilhelm auf einmal weg ist.

Joseph spricht davon, dass er nach einem Ort gesucht habe, wie andere nach einem Menschen suchen, doch in seinen Reflexionen scheint es vielmehr so, als suche er etwas, das außerhalb des Raumes liegt, als suche er Zeit, nämlich Überzeitlichkeit, Permanenz in der Erinnerung. Auch Katharina steht auf einmal »in [s]einem Tag, [s]einer Zeit«, und nicht, wie man vermuten würde: in seinem Raum. Weiters ist die gemeinsame Beziehung, trotz mehreren Jahren und Jahreszeiten, im Herbst angesiedelt; eine Zeit, die bewegungslos wirkt, und auch keine Bewegung erfordert, einfordert.

Die Zeit ist auch essentiell für jegliche Beziehungen: Der Erzähler stellt fest, dass man nach den Dingen nicht suchen solle, sondern dass Menschen zusammenfinden, wenn die Zeit - wie heilig - dafür bereit ist. In dieser Sichtweise, dass nicht das Suchen, sondern das Vertrauen auf Begegnung die Menschen zueinander führt, liegt etwas Tröstliches.

Doch Anflüge des Trostes sind rar, denn mit jeder Erinnerung, die der Erzähler hat, wird die Stimmung düsterer; das Nachdenken wird stets vom »Sonnenwegnehmer« beschattet. Durch den Schatten fällt nichtsdestotrotz ein Lichtstrahl, der eine Ahnung von Permanenz in der Erinnerung durchscheinen lässt: Zumindest in der Erinnerung ist jeder Moment ewig, und genau diese zeitliche Fortdauer ist es - so scheint es - was den Erzähler das Leben überstehen lässt: In seiner Erinnerung ist alles ewig. Weiters: Das Aufwachen ist dem Erzähler der größte Segen, weil er damit wieder die Möglichkeit zurück bekommt - wie ein Geschenk - die Zeit zu beobachten, in gewisser Weise auch dazu, die Zeit zu kontrollieren, insofern er seine Gedanken ständig rückwärtsgewandt hält, und vergangene Momente rekonstruiert, die sowieso nicht mehr zu verändern und dadurch beständig sind. Und sind nicht auch die Orte, die er aufsucht, wie den Magdalenaberg, lediglich Instrumente, um sich der Zeit zu vergegenwärtigen, sie sogar kurzzeitig anzuhalten?

Kaiser-Mühlecker ist ein Meister im Erzeugen von Stimmungsbildern, der Inhalt wirkt dabei nur sekundär, wirkt vielmehr wie eine Notwendigkeit, um von der Gewalt der Impressionen nicht fortgerissen zu werden. Die Impressionen, die im Außen nicht sonderlich großartig wirken, aber Großes im Inneren bewegen, sich in das Innere hineindrücken, ein buchstäblicher Eindruck.

Die Motive, die sich durch den Roman ziehen, wie die Farbe Grün, das Reiben der Füße an der Friedhofsmauer, das Quartheft sind passend platziert; nie ist ein Motiv zu viel präsent, nie prätentiös.

Sein Frühwerk kann absolut mithalten mit »Brennende Felder«.
6 reviews
November 10, 2013
Auf eine Empfehlung hin hab ich diesen (ober-)österreichischen Roman gelesen und er hat mir gefallen, wenn auch mit einigen Abstrichen.
Erzählt wird er aus der Perspektive des Protagonisten und er bleibt eher anekdotisch, mit einigen parallel erzählten Lebensabschnitten oder Ereignissen. Ein psychologischer Roman, könnte man meinen - aber leider bleibt er in dieser Hinsicht etwas oberflächlich. Durchzogen ist er von einer großen (manchmal etwas erdrückenden) Schwermütigkeit und nicht wirklich erklärbaren Melancholie. Was meiner Ansicht nach zu kurz kommt, ist eigentliche Handlung bzw. auch die Charaktertiefe und -entwicklung. Es entsteht der Eindruck, dass der Hauptcharakter nur vom gedanklichen Abschweifen in eine mehr oder weniger entrückte Vergangenheit lebt und dies wirkt mir einfach zu extrem, unrealistisch. Kaum bietet er Gründe , die ein (Weiter)leben überhaupt rechtfertigen. Es fehlt etwas.
Auf der postiven Seite gefällt mir die Art der Beschreibung; der Szenen, Orte, Menschen, Regungen. K.-M. schreibt auf sehr natürliche Art und Weise, unverblümt und vielleicht ein bisschen karg (was aber durchaus zur Geschichte passt). Irgendwo zwischen Verwurzelung im Landleben, in einer Zeit nach dem Ende von Tradition, und intellektuellem Stadtleben um die Jahrtausendwende (in seiner Bedeutungslosigkeit) befinden sich die Hintergründe dieses Romans. Und der Blick des Hauptcharakters ist Ich-bezogen und rückwärtsgewandt, geprägt von Ratlosigkeit und Unverständnis des Geschehen, des Existierenden, der Menschen. Existentialismus pur? Ein interessanter Roman jedenfalls; blass, dünn, aber irgendwie auch packend.
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