Ein berührender historischer Roman über eine der ersten Studentinnen im Berlin des ausgehenden Kaiserreichs.
Lichterfelde, 1913. Das Jahrhundert ist ganz frisch, die Moderne steht vor den Toren Berlins. Doch im Deutschen Kaiserreich ist es für Frauen noch immer schwer, ihren Träumen zu folgen. Henny hat nur einen Traum: Sie möchte Medizin studieren – die unerfüllte Sehnsucht ihrer Mutter leben, die sie nie kennengelernt hat. Der Weg in den Beruf der Ärztin ist schwer. Aber Henny ist eine Kämpferin. Als sie sich in den jungen Assistenzarzt Paul verliebt, scheint ihr Glück vollkommen. Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und Paul wird eingezogen. Hennys Träume und Pläne werden von der europäischen Katastrophe zunichte gemacht. Sie steht plötzlich vor dem Nichts und ein Kampf ums Überleben beginnt.
Der zweite Teil der Lichterfelde-Saga
Die Bände der Saga: 1. Die Frauen vom Karlsplatz - Auguste 2. Die Frauen vom Karlsplatz - Henny 3. Die Frauen vom Karlsplatz - Vera 4. Weihnachten am Karlsplatz - Maria
Inhalt siehe Klappentext. Nachdem mich der erste Teil der Lichterfeld-Reihe, Die Frauen vom Karlsplatz: Auguste, in seinen Bann gezogen hatte, konnte mich Anne Stern auch mit Band 2, Henny, mitreißen. Henny, die Tochter von Lotte, aufgewachsen bei deren Freundin Auguste, ist inzwischen (1913 und folgende Jahre) Studentin der Medizin, Ziehmutter Auguste ist verstorben und Henny auf der Suche nach ihrem Vater. Henny hat es als Frau an der Universität nicht leicht, um nicht zu sagen, einfach schwer, die Kommillitonen machen es den Frauen nicht gerade einfach, und auch die Professoren sähen wohl lieber nur Männer im Hörsaal. Nur eine Ärztin glaub an Henny …Was ich faszinierend finde, ist, dass jeder, der Henny sieht, sofort Lotte vor Augen hat und glaub, sie sei ihnen „erschienen“. Deutschland befindet sich im Ersten Weltkrieg, Hennys Verlobter Paul hat ganz andere Ansichten als die junge Frau, die ihn zwar liebt, aber noch keine Kinder möchte und eher auf eine Heirat als auf Kampf aus ist. Es kommt, wie es kommen muss, Henny und Dienstmädchen Olga stehen mal wieder alleine, verarmt, mitten in Berlin, Onkel Ludwig, seinerzeit Verlobter von Auguste, kann aufgrund seiner Gesinnung auch nicht immer helfen. Es fehlt an allen Ecken und Enden, alles ist zu viel, zu teuer, zu schwer, man merkt den Druck, die Not, beim Hören, wenn Sprecherin Brigitte Trübenbach das Hörbuch in 9:01 Stunden vorliest. Traurige, dunkle Zeiten stehen bevor, Henny ist in anderen Umständen, ledig, ohne Arbeit, ohne Mann, einfach aussichtslos. Und plötzlich tun sich Türen auf, Käthe, Augustes Mutter (hier empfehle ich, unbedingt Teil 1 vorweg zu lesen oder zu hören) tritt in Erscheinung, interessiert sich zwar nicht für Henny, aber für deren Söhnchen Wilhelm. Man hätte es nicht für möglich gehalten, dass Käthe nochmal Gefühle zeigen wird, aber es geschehen wohl noch Wunder. Hoffen wir mal, dass Wilhelm sich mit seiner politischen Meinung nicht zu weit aus dem Fenster lehnt, immerhin ist die Lichterfeld-Reihe inzwischen in 1927 angelangt und es sieht gar nicht gut aus - nicht nur für die jüdischen Mitbürger Berlins. Ein weiterer Band aus der Feder von Anne Stern, wunderbar eingelesen, der die Vergangenheit lebendig werden lässt und zeigt, wie schwer es Frauen damals hatten. Meine Empfehlung: Bei Teil 1 beginnen und einfach komplett durchhören oder lesen. „Henny“ bekommt von mir 4,5-5 Sterne und Teil 3 liegt schon bereit.
Im zweiten Band der Reihe um die Frauen vom Karlsplatz begleiten wir nun Henny, Lottes Tochter und Augustes Ziehtochter aus dem ersten Band. Henny hat sich ihren Traum erfüllt und studiert Medizin , aber als Auguste überraschend stirbt fehlt das Geld vorne und hinten. Als Henny dann ein Zettel in die Handfällt auf dem „Marin oder Gustav“ steht versucht sie mit Hilfe von Olga und der ehemaligen Pflegerin Terese herauszufinden, wer ihr Vater ist. Doch auch die Liebe hält Einzug in ihr Leben, als sie Paul, einen angehenden Chirurgen kennenlernt.
Leider reicht das Geld nicht um zu heiraten und dann bricht auch noch der Krieg aus. Paul zieht an die Front und es kommt, wie es kommen musste. Die Zeiten werden härter und es wird immer schwieriger über die Runden zu kommen. So muss sie ihren Traum aufgeben und am Ende auch über ihren Schatten springen und die Mutter von Auguste kontaktieren.
Auch eine alten Bekannten aus Band eins treffen wir wieder. Ludwig, Augustes ehemaliger Verlobter ist einmal zu vertrauensselig und muss die Folgen leider ausbaden. Hier wird das Thema Homosexualität wieder aufgegriffen. Und auch das Judentum wird in Gestalt Gabriels, einem Freund Pauls, thematisiert. Der Judenhass greift bereits vor dem Krieg immer mehr um sich und er muss sich Anfeindungen stellen, obwohl er versucht sich anzupassen.
An sich hat mir die Geschichte gut gefallen, aber irgendwie hat mir die Atmosphäre gefehlt. Es werden zwar die unterschiedlichsten Themen angesprochen, aber irgendwie habe ich keinen rechten Bezug zu den Geschehnissen in der Gesellschaft gefunden. Es sind auch Briefe eingebunden, die von unterschiedlichen Personen an der Front kommen, aber irgendwie hatte ich trotzdem das Gefühl keinen Bezug zum drum herum zu haben.
Alles in allem hat mich das Buch nicht so richtig mitgenommen, ob ich die weiteren Bände noch lese, werde ich wohl spontan entscheiden.