Fast eine halbe Million verfeindete Nachbarn ziehen jährlich "nur in den alten Bundesländern" vor Gericht, gegen die gleiche Zahl von Gegnern. Die deutsche Prozesswut ist rekordverdächtig. Es geht gegen krähende Hähne, quakende Frösche, harmlose Gartenzwerge. Es geht um laute Musik, grundstücks-überschreitende Baumzweige, Laub im Garten. Und es geht ums Recht: ums Recht haben, recht haben wollen. Und nahezu jeden Preis.
Thomas Bergmann hat per Zeitungsannonce Leute gesucht, deren nachbarliche Kämpfe vor dem Kadi endeten, und sie und ihre Gegner interviewt. Er hat Gerichtsprotokolle gelesen und Urteile gesammelt, mit Anwälten, Richtern und Betroffenen gesprochen. Sein Buch ist eine Reise durch die deutsche Volksseele, eine Tragikkomödie, eine Chronik des ganz normalen Wahnsinns. Es ist eine dokumentarische Realsatire, die in Abgründe schauen lässt: ins Innere des Kleinbürgers, der in uns allen steckt.
Hmm, na ja... es hat so ein paar Momente, wenn die zum Teil wirklich sehr absurden (aber eben doch sehr realen) nachbarlichen Grabenkämpfe zitiert werden, aber es fehlt so ein durchgängiger Schreibstil, der das Lesen insgesamt unterhaltsam macht. So gesehen ist es eher Lektüre zum Fremdschämen, meistens eher traurig als lustig.
Insofern vielleicht nur Lesern zu empfehlen, die selbst in einem Nachbarschaftszwist fest stecken und mal sehen wollen, dass es alles auch um ein vielfaches schlimmer sein könnte.