Sämtliche Gedichte, dazu die Prosa, die Theaterstücke und Hörspiele und das zu Recht gerühmte essayistische Werk sowie die zur Legende gewordenen Frankfurter Poetik-Vorlesungen: das Gesamtwerk von Ernst Jandl wird mit dieser Ausgabe wieder zugänglich. Es ist eine Leseausgabe, die im Geschenkschuber oder in Einzelbänden erhältlich ist.
Das Interesse an Ernst Jandls Werk ist ungebrochen. Immer neue Generationen von Lesern finden Gefallen an »ottos mops« der unerschrocken durch einen Kosmos aus lauter »Os« hopst, oder an dem ungleich ernsteren Gedicht »schtzngrmm«, bei dem am Ende Tote in den lautlich nachgebildeten Schützengräben zurückgelassen werden. Diesem auch nach dem Tod Ernst Jandls im Jahr 2000 lebhaft gebliebenen Interesse an seinem Werk trägt diese Ausgabe Rechnung. Sie enthält alle Gedichte, die der Autor zu seinen Lebzeiten veröffentlicht hat, gleichgültig ob er sie in seine berühmt gewordenen Gedichtbände wie »Laut und Luise« aufgenommen oder an verstreuten Stellen veröffentlicht hat. Enthalten sind in dieser Ausgabe auch alle seine essayistischen Arbeiten, seine Theaterstücke, Hörspiele, die Prosa und die autobiographischen Schriften. In den Nachworten wird Jandls Schreiben und darüber hinaus die Entstehungszusammenhänge einzelner, exemplarisch ausgewählter Gedichte erläutert. In dieser Vollständigkeit waren die Texte von Ernst Jandl noch nie zugänglich; zusätzlich enthält die Ausgabe große Konvolute bisher unveröffentlicht gebliebener Texte.
Wer die Wiederbegegnung mit dem Dichter Ernst Jandl sucht oder zum ersten Mal sich den Texten dieses Autors annähern möchte oder sich endlich einmal mit diesem Werk als Ganzem beschäftigen möchte, findet in dieser Ausgabe alles, was er sucht.
Mal wieder hervorgeholt, weil dieses Jahr 100. Geburtstag des Sprachkünstlers Ernst Jandl. Macht immer Freude.
Schon einige Jahre her, aber unvergesslich die "Tatort"-Folge, in der der neue Chef der Frankfurter Mordkommission gleich zu Beginn und zur Verblüffung aller bei Besichtigung des Tatorts dieses Gedicht (etüde in f) rezitiert:
eile mit feile eile mit feile eile mit feile durch den fald
durch die füste durch die füste durch die füste bläst der find
falfischbauch falfischbauch
eile mit feile eile mit feile auf den fellen feiter meere
auf den fellen feiter meere eile mit feile auf den fellen
falfischbauch falfischbauch
eile mit feile auf den fellen feiter meere feiter meere
falfischbauch falfischbauch
fen ferd ich fiedersehn
falfischbauch falfischbauch
fen ferd ich fiedersehn fen ferd ich fiedersehn
falfischbauch fen ferd ich fiedersehn falfischbauch falfischbauch
ach die heimat ach die heimat fen ferd ich fiedersehn ist so feit
Der Kriminal-Fall wird dann abgeschlossen mit einem weiteren Jandl-Gedicht (lichtung):
manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum!
Jandls experimentelle Lyrik ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Wer sich aber darauf einlässt, erlebt Sprache aus einem ungewohnten Blickwinkel und wird sich dabei garantiert mehr als einmal amüsieren. Mir persönlich gefällt Jandls nüchternes, einfallsreiches Spiel mit Worten und Silben, das an vielen Stellen doch überraschend tiefgängig, wenn auch überwiegend kryptisch, ist.
Erfrischend unkonventionell und lustig. Das Nachdenken über Sprache wird auf interessante Weise angeregt. Trotzdem empfand ich den Band ein bisschen wie eine Wundertüte. Manche Gedichte haben sich mir erschlossen, zu anderen fand ich keinen produktiven Zugang.