In unserem Alltag sind wir in verschiedenen Kontexten auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen mit „Lust“ konfrontiert. Pornos, Dickpicks, Masturbation… Das Tabu rund um Lust scheint verschwunden zu sein. Doch mit der zunehmenden Präsenz wachsen auch Erwartungshaltungen und damit der Druck. Der Druck möglichst früh möglichst viele Erfahrungen zu sammeln, der Druck zum Orgasmus zu kommen… Die Liste ließe sich fortsetzen.
Doch wie hat sich die Lust des Menschen und der Umgang damit über die Jahrhunderte entwickelt?
Das schmale, circa 100 Seiten dicke Buch von Henriette Hell besteht aus kurzen, essayartigen Texten, in denen sich die Autorin verschiedenen Themen rund um Lust widmet, ohne einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu erheben, sondern ihre persönliche Perspektive betont.
Ihr Schreibstil ist humorvoll, spritzig, teilweise überspitz und umgangssprachlich. Dadurch gelingt es ihr, die Inhalte verständlich rüberzubringen, ohne sie dabei ins lächerliche zu ziehen.
Neben der Reise in die Vergangenheit über die Antike, das Mittelalter, die Weimarer Republik bis heute, behandelt Henriette Hell, unteranderem unter Eindruck ihrer persönlichen Erlebnisse, Themen wie Incels, sexuellen Missbrauch, #metoo, Genitalverstümmelung und den Orgasm Gap.
Die Autorin bringt auf den Punkt, spitzt zu und liefert eine Vielzahl an Informationen. Es lässt sich leicht weglesen, hinterlässt aber dennoch einen bleibenden Eindruck. Auch wenn die Inhalte nichts neues sind, so war es doch eine gute Lektüre, die die Aufmerksamkeit auf Themen richtet, über die gerne noch mehr gesprochen werden kann.