Bulgarien in den 1970er-Jahren. Mitten im Sozialismus führen die Finzis das Leben der Bohè Da ist der elegante Großvater, der seine Hüte noch aus den Zeiten des Zaren retten konnte. Die zähe Großmutter Mathilda, die die stalinistische Psychiatrie samt Elektroschocks und Eiswasser überlebte. Die Mutter, die es versteht, aus einer Scheibe Parmaschinken die ganze Leichtigkeit des Dolce Vita zu ziehen. Und der Vater, der seinem Sohn auf einer Reise in den Westen das Tor zur Freiheit aufstöß Diese bunte, vielgestaltige Welt erkundet der junge Samuel und ahnt schon bald, dass das Glück jenseits der engen Grenzen der Heimat wartet.
In treffsicheren Anekdoten, mit furiosem Witz und großer Wärme erzählt Samuel Finzi vom Paradies der Kindheit und der Revolte der Jugend, verwebt Vergangenes und Gegenwärtiges und schreibt ganz nebenbei über das gelingende Leben im falschen System.
»Samuels Buch. Ein autobiografischer Roman« ist das Debüt des Schauspielers Samuel Finzi, der sehr bekannt und gefragt im europäischen Raum ist. Er schreibt in diesem Roman über seine Kindheit, Aufwachsen und Jugend in Bulgarien, wo er 1966 in Plovdiv geboren worden ist. Als Kind von zwei Künstler:innen — seine Mutter ist erfolgreiche Pianistin während sein Vater Film- und Theaterschauspieler ist — wächst er im Künstlermileu auf und wird stark durch dies geprägt. Früh hat er viele Theateraufführungen, Konzerte und Kinofilme regelmäßig erleben können und so viel Bildung erhalten. Das Buch endet mit seinen Erzählungen im Dezember 1989 mit dem 23-jährigen Samuel I. Finzi, der sein Studium ab- bzw. unterbricht, um in Berlin ein Angebot anzunehmen.
Bereits sehr früh stand für Samuel Finzi fest, dass er die starren Regeln des kommunistischen Bulgariens verlassen wird: »Als ich sieben oder acht Jahre war, antwortete ich auf die Frage, was ich einmal werden möchte: Dirigent. Oder Diplomat. Und warum? Weil Dirigenten und Diplomaten sich auf der ganzen Welt frei bewegen dürfen.« (S.165f)
Politische Themen wie bspw. die Perestroika oder auch die eingeschränkten Freiheiten der Einwohner:innen des sozialistischen Bulgariens werden immer wieder deutlich und schimmern durch die Erzählung von Samuel Finzis Leben durch, bspw. wenn er von den Herausforderungen als Familie Verwandte in Italien und Frankreich zu besuchen, berichtet oder auch von der Familienfehde zwischen den Finzis und den Fintzis schreibt. Kritik am System wird hier aber vor allem dadurch deutlich, dass der Autor und Protagonist schon seit ihrer Kindheit den Grenzen des Regimes entkommen wollte und nicht durch direkte Kritik am System, was ich bei einem autobiografischen Roman eines Schauspielers aber auch nicht als Kritikpunkt sehen würde. Einziger Kritikpunkt ist, dass die Wechsel der Erzählausschnitte aus Samuel Finzis Leben für mich nicht immer logisch waren (warum wird dies erzählt und nicht andere Aspekte und was passierte dazwischen, etc.).
Ein sehr interessanter autobiografischer Roman, dessen Ende Lesende hoffen lässt, dass eine Fortsetzung folgt!
Große Leseempfehlung für alle Fans von (Auto-) Biografien, Samuel Finzi und spannenden Lebenswegen.
3,5 - Erzählt das (persönliche) Aufwachsen innerhalb des sozialistischen Bulgariens. Fand es interessant aber hatte keinen großen Drang es schnell weiter zu lesen
Samuel Finzi – ich kenne und schätze ihn als Schauspieler, sein privates Ich war mir komplett unbekannt. Und nun hat er von sich erzählt, von seiner Kindheit, von seiner Herkunft, von seiner Jugend in Bulgarien. Es waren kurzweilige Stunden, genauer: 5 Stunden und 31 Minuten lang hat er mich gut unterhalten und ein mich wenig hinter die Kulissen schauen lassen.
„Ich sitze in meiner Berliner Küche und betrachte den Boden. Es ist ein Boden aus Terrazzo. Das tue ich oft und mit Nachdruck. Die bunten Zementsteinchen beginnen sich zu drehen, ein Wirbel saugt mich ein und ich lande auf der Terrasse des Hauses meiner Großeltern…“ In den Balkan geht er gedanklich zurück, eine spannende Zeitreise beginnt.
Er wuchs in einer jüdischen Familie auf. Der Vater war ein bekannter Theaterschauspieler, der sich eher am Rande für ihn zu interessieren schien, seine Mutter war Pianistin. Eine Künstlerfamilie - was liegt da für ein Kind näher, als einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Er war umgeben von Künstlern, sein Interesse galt schon früh dem Schauspiel. Er blickt zurück in seine Kindheit und Jugend und endet, als er 23 ist.
Autobiografische Romane lese bzw. höre ich selten. Ganz einfach deshalb, weil ich nicht zu sehr in das Leben bekannter Persönlichkeiten eindringen, nicht unbedingt ganz private Details wissen möchte. Samuel Finzi hat mich jedoch durchweg positiv überrascht. Etwa mit der Schilderung seines Weges hin zum Schauspieler, wie er den Wunsch hatte, ein anderer zu sein. Finzi erzählt unterhaltsam und humorvoll, gibt Einblick in das kommunistische Bulgarien seiner Kindheit und der damit einhergehenden nicht sehr rosigen Zukunft, die er, so bald es ihm möglich war, zurücklassen wird.
„Samuels Buch“ ist eine unterhaltsame Reise zurück mit interessanten Anekdoten von dem kleinen Samuel, der schon früh begreift, dass er als Dirigent oder Diplomat der Enge seines Heimatlandes entfliehen könnte und es später dann auch geschafft hat, als renommierter Schauspieler im Westen anzukommen. Einige wenige Aspekte habe ich herausgegriffen, das selber Hören bzw. Lesen bietet kurzweilige und nachdenkliche Stunden. Samuel Finzi erzählt über das Erwachsenwerden an sich, über seine Familie, seine Freunde, seine Heimat und seine Sehnsucht nach Freiheit. Sehr offen und warmherzig. Ich habe ihm gerne zugehört, habe die Stunden mit ihm genossen.
Bevor ich das Buch gelesen habe, wusste ich nicht wer Samuel Finzi ist. Cover, Zusammenfassung und das Reinlesen in die ersten Seiten haben mich neugierig gemacht, mehr von der Geschichte dieses Samuels zu erfahren. Das Buch ist in kurzen Kapiteln gehalten, die sehr anekdotenhaft wirken und, obwohl sie einem zeitlichen Ablauf folgen, jedes für sich eine eigene kleine Geschichte erzählt. So kann man gut immer mal wieder ein Kapitel einschieben, wenn die Zeit knapp ist - oder 'nur noch ein Kapitel' dranhängen. Was bei mir damit endete, dass ich das Buch innerhalb kürzester Zeit fertig gelesen hatte. Der Autor schreibt mit viel Witz, guter Beobachtungsgabe, auch was den Blickwinkel des jeweiligen Alters betrifft (gerade aus Kinderaugen nimmt man ganz andere Dinge wahr) - und viel subtiler Ironie vom Alltag und den Träumen eines kleinen Jungen, der unterbewusst schon immer den Drang verspürt die weite Welt zu entdecken. Bis es so weit ist, muss er sich mit Urlauben am Meer und einer Reise nach Westeuropa begnügen, die ihm aber allesamt einen ersten Eindruck der unbändigen Freiheit vermitteln, die da draussen auf ihn wartet. Auch die zwei Jahre in der Armee wirken wie eine Reise mit verschiedenen Stationen - nur hier macht gerade die Abwesenheit von Freiheit ihr Fehlen schmerzlich bewusst. Letztendlich landet Samuel Finzi aber genau da, wo ihn die meisten kennen (ich jetzt also auch) und lieben: beim Schauspiel. Ein sehr unterhaltsames Buch, das nicht nur sehr persönliche Einblicke in ein bewegtes Leben gibt, sondern auch in das Leben im damaligen sozialistischen Bulgarien.
Samuels Buch ist ein autobiografischer Roman des auf deutschen Bühnen tätigen Schauspielers Samuel Finzi, der auf über 200 Seiten Samuels Kindheit, Wachstum und Jugend im sozialistischen Bulgarien nachzeichnet.
Samuel stammt aus einer jüdischen Familie, sein Vater ist ein berühmter Theaterschauspieler und seine Mutter eine berühmte Pianistin, daher zeigt er seit seiner Kindheit sein künstlerisches Talent. Fast ein Drittel des Textes nutzte er zur Schilderung seines Kindheitslebens in Bulgarien, wie Urlaub, Schulleben usw., gerade weil es im kommunistischen Bulgarien zu viele Einschränkungen gab, so sehnte er sich seit seiner Kindheit nach Freiheit, seine Sehnsucht nach Freiheit wurde besonders während seiner Erwachsenenjahre deutlich. Danach begann er verschiedene Versuche zu unternehmen und kam nacheinander nach Paris und Berlin, die Geschichte endete im Dezember 1989 in Berlin ...
Samuels Autobiografie ist humorvoll, mit etwas Ironie und Selbstironie, was mich immer beruhigt, wenn ich sie lese. Jedes Kapitel ist kurz und eine interessante kleine Geschichte, daher fällt es mir schwer, sie einfach in dieses Buch zu packen, und ich lese sie immer einzeln. Kurz gesagt, dies ist eine sehr gute Autobiografie eines Schauspielers. In diesem Buch können die Leser nicht nur nachvollziehen, wie Samuel den Weg des Schauspielers einschlug, sondern auch etwas über das Leben in Bulgarien unter dem Kommunismus in den 1970er und 1980er Jahren erfahren.
Ich muss ehrlich zugeben, bis zu diesem Buch kannte ich Samuel Finzi nicht, ich habe sogar extra bei IMDB nachgesehen... keinen einzigen seiner Filme habe ich je gesehen. Und dennoch war es eine sehr erhellende Lektüre, die mir nicht nur den Schauspieler selbst und seine Familie, sondern auch das kommunistische Bulgarien näher gebracht hat. Eigentlich ist es kein herkömmlicher Roman, es sind kurze Kapitel mit Anekdoten aus der Kindheit und Teenagerzeit Finzis, die uns - chronologisch aneinander gereiht - mit subtilem Humor durch das Buch navigieren. Trotz des leichten und teils heiteren Erzählstils, ist aber auch immer wieder klar, dass wir uns zeitlich in einer Diktatur befinden, auch wenn Finzis Familie priviligiert scheint, sind Einschnitte im Leben spürbar. Samuel Finzi entstammt einer jüdischen Künstlerfamilie und trifft schon früh auf mehr oder weniger prominente Bulgaren. Es ist nicht von Kindesbeinen klar, dass er in die Fußstapfen seines schauspielernden Vaters treten wird, das kristallisiert sich erst später heraus. Ich mochte die Art des Erzählens sehr und habe das Buch in einem Rutsch durch gehabt, ich mochte vor allem die Kindheitserinnerungen ans Meer (ich hatte da auch schon einen Urlaub verbracht). Aber ich konnte auch viel Neues für mich mitnehmen... denn mal ehrlich, was wusste ich vorher über Bulgarien? So gut wie gar nichts! Eine wunderbare und interessante Autobiografie, die mir einen Künstler näher gebracht hat, den ich vorher gar nicht wahrgenommen hatte.
Den Autor Samuel Finzi schätze ich vor allem wegen seiner bodenständigen Art. Auf seine Lebensgeschichte war ich besonders gespannt, weil Bulgarien ein für uns eher unbekanntes Literaturgebiet darstellt und ich sehr gerne Biografien lese. Bulgarien der 1970er Jahre , noch dazu in einer Künstlerfamilie wird sicher interessant werden. Es gibt viel zu wenige Bücher, die Zeitreisen in die Länder des ehemaligen „Ostblock“ unternehmen. Das Aufwachsen in einem sozialistischen Staat ist für mich nichts Neues , kenne ich es doch aus eigenem Erleben . Aber jeder der ehemaligen „Ostblockstaaten“ hatte seine eigene Prägung. Über Samuel Finzis Privatleben wusste ich wenig , zum Beispiel nicht dass der Schauspieler in Bulgarien geboren wurde und dort aufgewachsen ist. Aber er ist mir aus zahlreichen Filmen bekannt. Das Buch liest sich in einem Ruck weg , weil Finzi die Eindrücke aus seinem Familienleben offen darlegt und dies in einen lockeren Plauderton verpackt. Gelungen fand ich , dass sich Finzi auf die Kindheit bis in sein junges Erwachsenenalter konzentriert. Dadurch erfährt man viel und in liebevoller Art über seine Eltern und vor allem Großeltern. Mit leicht ironischem Blick zeichnet er die Figuren seiner unmittelbaren Umgebung und geht leichtfüßig auch auf die jeweilige politische Situation ein. Trotz Sozialismus möchte man gerne bei Finzis Großeltern die Sommer verbracht haben!
Ich lese gerne Biografien von Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, um mehr über ihr Leben zu erfahren. Über Samuel Finzi wusste ich zuvor nicht viel. Der Schauspieler wurde in Bulgarien geboren und ist dort aufgewachsen bevor er zunächst nach Frankreich ging und 1989 nach Berlin kam. In seinem Buch berichtet er über seine Erlebnisse und wie er das Aufwachsen in einem sozialistischen Staat empfunden hat. Er gibt Einblicke in sein Familienleben, beschreibt seine Erinnerungen detailliert und mit vielen Einzelheiten. Es geht aber nicht nur um sein Leben und das seiner Familie. Samuel Finzi gibt auch Einblicke in das politische System und das daraus resultierende gesellschaftliche Leben. Diese Biografie enthält von allem etwas, Höhen und Tiefen, traurige und ganz fantastische Momente, so wie das Leben nun einmal ist. Ich habe das Buch gerne gelesen, da der Schauspieler unterhaltsam aus seinem Leben plaudert und mir Einblicke in ein mir fremdes Leben gegeben hat.
Das Cover hat mich geholt. Samuel Finzi ein beliebter deutsch-bulgarischer Schauspieler schreibt über seine Jugend in Plovdiv und Sofia, Sohn bekannter Eltern geniesst er einige Privilegien in Bulgarien, aber er erlebt auch den ganz normalen sozialistischen bulgarischen Alltag. Das Hörbuch ist von ihm selber eingesprochen worden und gewinnt dadurch an Charme, Wir bekommen einige Anekdoten zu hören, haben evtl Parallelen mit unserem Leben im Westen. Es ist launig und doch gut gelaunt erzählt. Leider Leider Leider endet das Buch zu früh! Gerne hätten man mehr von ihm gehört insbesondere über den Beginn in Deutschland und seine Beobachtungen. Na er ist noch jung, vielleicht hören wir ja noch was von ihm :-)
Mir war Samuel Finzi bisher nicht bekannt, mich hat jedoch die Leseprobe schon sehr interessiert. Und was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht. Da ich bislang mit Bulgarien sowas von gar nichts am Hut hatte, vor allem nicht mit dem Bulgarien in den Siebzigern und Achtzigern, bekam ich auch mithilfe dieses Buches einen sehr guten Einblick über das Leben der damaligen Zeit. Die Leute hatten es damals nicht wirklich leicht in dem kommunistischen Land unter der Führung von Todor Schiwkow. Samuel Finzi erzählt in dem Buch sehr viel über sein Leben, vor allem über seine Kindheit und wie er seine seltenen Ausflüge über die Landesgrenzen genießen konnte und Scheu hatte wieder nachhause zu kommen. Außerdem erzählt er von seiner Ausbildung und wie er sich entschied, nach Deutschland auszuwandern, um seinen Beruf als Schauspieler nachzugehen.