Petra Hohns Buch richtet sich an Eltern, die ihr einziges Kind oder alle ihre Kinder verloren haben. Es ist jedoch auch für Eltern hilfreich, die ein Kind verloren haben, aber noch lebende Kinder haben. Ich konnte mich in vielen der beschriebenen Gefühle wiedererkennen, und besonders die Perspektive von Eltern, die physisch kein Kind mehr haben, war für mich wertvoll. Diese Sichtweise hat mir geholfen, gewisse Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und mein eigenes Verständnis von Trauer zu erweitern. Doch darüber hinaus bietet das Buch keine wirkliche Hilfe und in manchen Aussagen wird eine düstere Zukunft gezeichnet, wie zum Beispiel in der Bemerkung: „Ob wir im Alter einsam und lebensmüde auf das Ende warten, liegt aber nicht zuletzt an uns.“ Eine solche Formulierung kann für trauernde Eltern sehr belastend wirken und vermittelt den Eindruck, dass das eigene Schicksal durch persönlichen Willen oder Entscheidung beeinflusst werden kann, was die Komplexität und Tiefe des Trauerprozesses verkennt.
Das Buch lässt an vielen Stellen leider eine einfühlsame Auseinandersetzung mit der Trauer vermissen. Es verallgemeinert die Erfahrungen der betroffenen Eltern und wirkt teils wie eine Sammlung von Schicksalen, die mehr als Fakten aufgeführt werden, ohne die nötige emotionale Tiefe zu bieten. Das kann bei den Lesern das Gefühl hervorrufen, dass ihre individuelle Trauererfahrung nicht wirklich gehört oder verstanden wird. Besonders problematisch fand ich die Aussage: "Für Aussenstehende mag es schwer nachzuvollziehen sein, aber tatsächlich wird bei Frauen innerlich mehr zerstört, wenn ihnen das Kind entrissen wird, als wenn der Mann an ihrer Seite verstirbt." Solche Verallgemeinerungen über das Leid können das Gefühl der Isolation und des Ungenügens verstärken, statt Trost zu spenden.
Insgesamt bietet das Buch Einblicke, die für den einen oder anderen hilfreich sein können, doch die teilweise unreflektierte Ausdrucksweise und die verallgemeinernden Aussagen machen es zu einer eher enttäuschenden Lektüre für trauernde Eltern, die auf einfühlsame Unterstützung in ihrer schwierigen Zeit hoffen. Es ist jedoch nicht ohne Wert für diejenigen, die sich mit der Perspektive von Eltern auseinandersetzen möchten, die physisch kein Kind mehr haben, da dieses Thema in vielen anderen Trauerbüchern oft unterrepräsentiert ist.