Franz Seraphicus Grillparzer was an Austrian writer who emerged primarily as a playwright. Because of the identity-creating use of his works, especially after 1945, he is also referred to as the Austrian national poet.
Man muss nicht unbedingt Grillparzerianer sein, um diese Autobiographie mögen zu können. Selbstironisch (streckenweise aber auch reichlich narzisstisch) gibt der österreichische Dramatiker Einblick in ausgewählte Episoden seines Lebens und den Kulturbetrieb des frühen 19. Jahrhunderts. Dabei haben mir vor allem die vielen bemerkenswerten und/oder ulkigen Details Spaß gemacht, die Grillparzer preisgibt: dass sein erstes Lieblingsspiel das Predigen von einem Stuhl herunter war, dass er einmal voller Ekel den Papstfuß küssen musste, dass ihm eine Italienreise durch Durchfall verleidet wurde, dass er bei seiner Begegnung mit Goethe - der im Garten übrigens Schirmkäppchen trug - weinen musste (Fanboy!). Über Liebesbeziehungen schweigt er sich hingegen eisern aus, was okay ist, mich aber natürlich schon etwas interessiert hätte (so viel Sensationsgeilheit muss sein). Nicht verschweigen will ich hingegen, dass der Text auch ziemliche Längen hat. Die vielen Kontakte, die Grillparzer zu Berühmtheiten seiner Zeit hatte (Literaten, Minister, Kaiser usf.), werden streckenweise in recht langatmiger Reihung abgehandelt. Wer sich zudem nicht für die Zensurpraxis und den Theaterbetrieb des 19. Jahrhunderts interessiert, wird ebenfalls ein paar Kapitel überblättern müssen. Trotzdem: eine lohnenswerte Lektüre!
Ein Buch aus einer Epoche, zwischen der und uns "noch geheime Fäden liefen bis auf den gestrigen Tag" (wie Hofmannsthal 1922 das Verhältnis von Spanien des 17.Jhs. und seinen Zeitgenossen beschreibt). Eine Epoche, in der zur Entlassung eines nachlässigen Hauslehrers kommt, weil Vater Grillparzer, Jurist, eines Tages "einen lateinischen Brief nach Ungarn zu schreiben hatte" und deshalb im Schulzimmer der Kinder ein Lateinwörterbuch sucht - nicht etwa in panischer Unbewandertheit, sondern lediglich "wegen eines Ausdrucks im Zweifel" - und keines vorfindet. Eine Zeit, in der man französische Schriftsteller noch so kritiseren kann: "Diese Leute sind ungemein von sich eingenommen, weil ihnen nicht deutlich wird, daß sie zwei Dritteile ihres Ruhmes dem Umstande verdanken, daß sie französisch, also in der Weltsprache, schreiben". All das mögen Nostalgica sein. Nun lebe ich ja in durchaus österreichfernen Landen, wo es gut möglich ist, von Grillparzer sein Lebtag keine Zeile zu lesen zu bekommen. Unsere Deutschprofessoren haben uns, wenn überhaupt, am ehesten leise Verachtung gegen österreichisches Biedermeier und die geduckten Nischenleben im "Polizeistaat Metternichs" vermitteln wollen. Wie gut tut da der helläugige Blick eines Metternich-Sympathisanten auf Deutschland. Kaum Goethen läßt er in Ruhe, in der Schilderung seiner beiden Begegnungen kommt das chamäleonhafte des Olympiers gut zum Scheinen, zum dritten Mal geladen, geht er nicht hin, weil er von seinem Unwert als Gesprächspartner des kniefällig verehrten Goethes durchdrungen ist. Kniefällig? An anderer Stelle: "Zugleich war ich kein Freund der neueren Bildungsdichter, selbst Schiller und Goethe mitgerechnet." Aber harmlos gegen: "Trotz seiner mannigfachen Gaben habe ich doch Tieck nie leiden mögen. Im Komisch-Parodischen ist er mitunter vortrefflich und wenn nicht das Formlose seiner Anlage wäre, er hätte ein guter Lustspieldichter werden können. Alles übrige ist gesucht und gemacht. Er und Jean Paul gehören zu unter die frühesten Verderber unserer Literatur. [..] Jean Paul hatte, im Gegensatz zu Tieck, eine wirkliche und wahre Empfindung; er ging ihr aber als einem Genußmittel nach und verfiel dadurch in Empfindelei. Da nun zugleich seine Phantasie nicht gleichen Schritt hielt, so geriet er, so oft die Empfindung vorherrschte, in Nebelgestalten, und wenn er objektiv sein wollte, auf Gemeinheiten. Nur in seinen Stilleben gelang es ihm beide zu vereinigen, und da ist er auch vortrefflich." Erhobene Bildungs-Zeigefinger, empfindelnde Nebelgestalten, lieber als Stilleben zu genießende - trifft er da nicht leider manchen Kern?