Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990) was a Swiss author and dramatist.
Dürrenmatt was born in the Emmental (canton of Bern), the son of a Protestant pastor. His grandfather Ulrich Dürrenmatt was a conservative politician. The family moved to Bern in 1935. Dürrenmatt began to study philosophy and German language and literature at the University of Zurich in 1941, but moved to the University of Bern after one semester. In 1943 he decided to become an author and dramatist and dropped his academic career. In 1945-46, he wrote his first play, "It is written". On October 11 1946 he married actress Lotti Geissler. She died in 1983 and Dürrenmatt was married again to another actress, Charlotte Kerr, the following year.
He was a proponent of epic theater whose plays reflected the recent experiences of World War II. The politically active author gained fame largely due to his avant-garde dramas, philosophically deep crime novels, and often macabre satire. One of his leading sentences was: "A story is not finished, until it has taken the worst turn". Dürrenmatt was a member of the Gruppe Olten.
Dürrenmatts letztes Bühnenwerk ist ein harter Knochen, den man kaum in Gänze verstehen kann. Ob es eine Kommödie oder Tragödie ist, sei einmal dahingestellt. Den Titel »Achterloo« verstehe ich als 'nach Waterloo'. Ein Hinweis auf die Niederlage Napoleons.
War ein Thema der »Physiker«, die ganze Welt ist ein Irrenhaus, so sind diesmal die Personen wirklich Irre, wie man in der letzten Szene erfährt. Wir wohnen einem therapeutischen Rollenspiel bei, heißt es.
Ich werte das als schwache Versicherung gegen politische Auswirkungen oder Anwürfe. Wie wir sehen werden, dient auch die Wahl der Personen einem ähnlichem Zweck. Die verarbeiteten Geschehnisse sind zwar monumentaler Natur, aber ob ein Schweizer Schriftsteller dieses Versteckspiel nötig hat, weiß ich nicht. Cancel Culture kam ja erst viel, viel später.
Der Leser/Zuschauer wird in eine verwirrende Handlung geworfen, aus der man nicht viel Sinn ableiten kann. Alle möglichen historischen Persönlichkeiten treten auf und interagieren auf symbolische Weise miteinander, obwohl sie nicht zeitgleich gelebt haben. Es geht jedenfalls um revolutionäre Vorgänge und die Rede ist stets politisch und oft ideologisch. Man benötigt ein wenig geschichtliches Hintergrundwissen, möglicherweise sollte man vor 1970 geboren sein, so wie unsere Schulen heutzutage so sind.
Hier meine Interpretation:
Ein sozialistischer Staat steckt in der Krise. Er wird von General Napoleon Bonaparte regiert, der sich auch vor zwei Monaten zum Vorsitzenden der Einheitspartei gemacht hat und nun die Partei säubert. Allerdings gibt es auch Attentatsversuche auf ihn, z.B. durch seinen Stellvertreter Fouché. Der Staat ist weitgehend pleite. Lediglich das Magazin "Pornozialismus" – eine wunderbare Wortschöpfung zwischen Porno und Sozialismus! – bringt noch Devisen.
Der tschechische Reformator/Ketzer (je nach Perspektive) Jan Hus hat eine freie Gewerkschaft gegründet. Dieser Umstand provoziert den Nachbarstaat so sehr, dass er damit droht, einzumarschieren. Die Rede ist von einem Widerstreit zweier Machtblöcke, von denen einer durch die USA geführt wird, die durch Benjamin Franklin als Außenminister repräsentiert werden.
Diese Informationen reichen aus, um den historischen Vorgang zu identifizieren, auch wenn Raum und Zeit durch die Wahl der Protagonisten aufgelöst wird.
Polen 1981 unter General Jaruselski, der das Land unter Kriegsrecht stellt. Gründung der Gewerkschaft Solidarnos, Lech Walensa als einer ihrer Führer, auf den sich die Medien im Westen aber konzentrieren. Das Ende des Ostblocks wird eingeläutet, die Sowjetunion erwägt einen Einmarsch, aber es kommt nicht dazu. Wir stecken im Kalten Krieg, der zum Kulturkampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus stilisiert wird bzw. zwischen Frieden und Freiheit.
Soweit so gut. Dass der sowjetische Außenminister durch Robespierre dargestellt wird und durch die Hure Marion "zu Tode gebumst" wird, ist nicht sehr naheliegend. Immerhin verhindert das im Stück den Einmarsch, denn Robespierre kommt nicht mehr dazu, den Befehl zu geben.
Auch Richelieu, der den absoluten Staat mit der sozialistischen Diktatur verheiraten möchte und die katholisch-marxistische Kirche propagiert, ist etwas merkwürdig und nur als Religionskritik zu verstehen. Okay, Polen war ein sozialistisches Land mit starkem Katholizismus, da gelingt Richelieu die dialektische Synthese. Im Nachhinein finde ich das aber einen gelungenen Scherz Dürrenmatts.
"Opa" Karl Marx hat als dreifach gespaltener Irrer, wobei die drei Karls sich spinnefeind sind, auch einen Auftritt, in dem er geschwollene Reden hält und theoretisiert. Vermutlich ein Hinweis auf den Kollaps des Kommunismus, der weitgehend diskreditiert und zerstritten ist, außer heute, vierzig Jahre später, in Deutschland, wo er wieder seine Haupt erhebt. Diesmal aber als Kapitalismuskritik, Klimagerechtigkeit und "echter" Sozialismus.
Am Schluss noch biblischer Stoff: wie die Jüdin Judith den assyrischen General Holofermes ermordet, tötet Marion Bonaparte aus Rache für die Beseitigung ihres Vaters. Nehmen wir es als Metapher für den Niedergang des Kommunismus, besiegt durch den polnischen Katholizismus. Jaruselski musste jedenfalls irgendwann abtreten und Polen befreite sich vom Kommunismus. Ob das, was danach kommt, positiv für die Welt ist, möchte ich hier nicht sagen.
Das ist, wie gesagt, nur meine Interpretation dieses Rätselstückes. Nicht unerwähnt sein soll der nicht fehlen dürfende Spruch "auf die Schweizer ist Verlass", wenn auch nur als Lieferanten des Emmentaler Käses. Sowas mag der Schweizer. Sonst spielten sie hier ja keine Rolle.
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