Erfrischend ehrlich, wahrhaft komisch, entwaffnend sentimental - Frank Goosens geschichtensattes Hohelied auf das, was ihm und auch uns allen Heimat die liebenswerte Haut, aus wir nicht mehr können.Wo sonst auf der Welt wird die fröhliche Begrüßung »Ey, Jupp, du altes Arschloch!« als freundschaftliche und ehrerbietig empfunden? Nirgends, nur entlang der A 40, im Herzen der schönsten deutschen Provinz, die zwar nicht wirklich viel Gegend hat, dafür aber jede Menge skurrile, herzliche, raue, gnadenlos ehrliche Ureinwohner. Denn »es geht um die Menschen«, und von diesen Menschen erzählt Frank Goosen in seinem ganz besonderen, sehr persönlichen Ton. Er fördert Kindheitserinnerungen von Omma und Oppa (die im Bochumer Rathaus wohnten und stadtbekannt waren) zutage, er durchstreift mit Mücke, Pommes und Spüli die Untiefen einer Jugend, er steht an der Seltersbude auf ein Bierchen, leidet und jubelt mit den Fans im Stadion, durchkämmt Schrebergärten und Zechen, Industriebrachen undEinkaufszentren.
In kurzen Episoden erzählt Frank Goosen von seiner Kindheit und Jugend. Dabei beschreibt er mit viel Humor die Eigenheiten der Menschen aus seinem Familien- und Freundeskreis stellvertretend für die besondere Mentalität der Ruhrgebietsbewohner im Allgemeinen.
Der Autor blickt mit sehr viel Selbstironie auf seine Heimat und bringt sie dem Leser damit äußerst unterhaltsam näher.
Mir hat die Lektüre viel Spaß gemacht.
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Entertaining book for in between
Frank Goosen tells us in short episodes of his childhood and youth. He describes the peculiarities of his family and friends on behalf of the special mentality of the Ruhr area residents in general with a lot of humor.
The author looks with great self-irony at his home area and introduces it to the reader in an extremely entertaining way.
Einige Geschichten kenne ich bereits schon aus Goosen' s Bühnenprogramm bzw YouTube Clips (A40). Abba Hömma! Ich schmeiss mich trotzdem wech vor Lachen, woll. Ruhrpott Deutsch in Schriftform ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen. macht aber trotzdem Spass!
Edit zum Ende:
"Radio Heimat" ist kein Roman. Eher eine Sammlung von Geschichten, Anekdoten. Deshalb kannte ich bereits schon einige Abschnitte aus Goosen's Bühnenprogrammen. Ich bin nur etwa 10 km entfernt aufgewachsen, etwa zur gleichen Zeit. Ich kenne nahezu viele der "Sehenswürdigkeiten" und Orte, von denen hier geschrieben wird. Erst letzte Woche bin ich an Goosen's Elternhaus, das hier ja auch Erwähnung findet, vorbei gefahren und dachte mir: genau wie er's beschrieben hat. Nostalgie und Heimatgefühle. Und dann mit typischer Ruhrpottschnauze. Herrlich.
Ich habe vor kurzem außerdem das (gekürzte) Hörbuch "Kasettenkinder" (gelesen von Christoph Maria 'Stromberg' Herbst) gehört, indem es auch um 80er Jahre Nostalgie geht. Kasettenkinder ist aber nichts anderes (mMn) als eine Aneinanderreihung möglichst vieler Produktnamen, mit "Achja!" Faktor. keine Geschichte, kein persönlicher Hintergrund. Und all das macht Goosen hier anders. Und goldrichtig.
Aber ich muss auch gestehen, ich kann dieses Buch einfach nicht objektiv bewerten: ich kann meine Heimat und Jugend einfach nicht ausblenden. Ich vermute aber mal, daß ein nicht Ruhrie zwar durchaus seinen/ihren Spass hier haben kann, für Ruhrpottkinder der 70/80. ist "Radio Heimat" allerdings eine Top-Empfehlung.
Nachtrag: Obwohl ich hier das Buch mit der Bestnote bewertet habe, muss ich fairer Weise erwähnen, ich habe "Radio Heimat" als Gute Nacht Geschichten Sammlung verwendet, jeden Abend maximal 20 Seiten, je nach Kapitel. Das klappte wunderbar, weil jedes Kapitel eine andere Geschichte bereit hält. In Jürgen von der Lippe' s TV Show "Was liest du" wäre Frank Goosen's Buch wahrscheinlich als "Klo Lektüre" durchgegangen 😅
Nicht meine Heimat, auch das Milieu ist mir vollkommen fremd, Erinnerungen aus einer Döner-Bude würden bei mir auf ähnlich viel Resonanz treffen. Allerdings wäre ich zu ähnlich öden Erinnerungen an die Sechziger, Siebziger und Achtziger am Fuß der schwäbischen Alb auch nicht netter. Da hat sich wohl jemand unheimlich wichtig genommen oder die Gefühle einer ganzen Schar Bochumer Vollpfosten auf den Punkt gebracht. Ansonsten kann ich nur meine erste Einschätzung wiederholen: Frank Goosen ist sicherlich der dumpfbackigste Vertreter der Generation Golf. Wenigstens muss er bei dieser Resteverwertung aus seiner Kindheit keinen Handlungsstrang für seinen Hoppelpoppel simulieren. Aber anscheinend ist ihm nichts zu peinlich. Was für ein Armutszeugnis aus dem Grenzgebiet zu den schlechteren Comedians.
P.S. Ich habe nichts gegen den VfL Bochum und bin weder Schalke noch Dortmund-Fan, wenn es nur diese drei Vereine gäbe wäre ich sogar VfL-Ultra. Die Texte von Frank Goosen sind trotzdem Dreck.
Frank Goosen's Geschichtensammlung aus seiner Jugend im Ruhrpott ist zugleich lustig und nachdenklich. In seinen Geschichten über Gegend, Leute, die Stadt Bochum und seine Familie kommen die Beschriebenen selten gut weg, aber immer schimmert seine liebevolle Symphatie durch und es bleibt kein Zweifel über seine Verbundenheit mit der Region; und seiner Familie. Was mich an Goosen immer wieder begeistert ist sein Humor, mit dem er diese biographische Rückschau präsentiert. Die Sprüche, die er in seiner Jugend aufgeschnappt hat, bringen die Dinge auf den Punkt. ("Woanders ist auch scheiße" oder "Der muß auch kacken" z.B.) Ich habe gehört, dass das Buch inzwischen verfilmt wurde, der Film kenne ich nicht und aus dieser Tatsache könnte man auch folgern, dass die Verfilmung nicht gerade mega-erfolgreich war; ich wüsste auch nicht, wie man ein solches Stück verfilmen kann ?
Hatte keinen Spaß am Buch. Komme aus der Bochumer Ecke , lebe und arbeite im Ruhrgebiet und finde einiges ungünstig beschrieben. Spannend sind die Storys der Eltern-und Großelterngeneration. Aber zum Ende hin musste ich mich durchkämpfen.
Ich hab ja so meine Mühe mit "lustigen Büchern". Aber da Bochum ja nicht weit weg von meiner alten Heimat ist, konnte ich so manches nachvollziehen und konnte sogar ab und zu laut lachen.
Wenn man als Rheinländerin in Münster ein Buch über das Leben im Ruhrpott ersteht, dann hat man hinterher entweder eine gute Story zu einem guten Buch zu erzählen oder aber kann sagen, dass das ja nichts geben konnte. Bei Frank Goosens Radio Heimat muss ich nun leider letzteres verkünden.
Doch erst mal der Reihe nach. Als ich vergangenen Samstag so durch die Stadt schlenderte, stellte ich erfreut fest, dass wieder einmal der Promenadenflohmarkt stattfand. Ich hatte es genau drei Stände weit geschafft, als es - typisch liebes Münster - urplötzlich begann zu schütten wie aus Eimern und ich mich unter die nächstbeste Regenplane rettete. Zu meinem Glück überdachte die ausgerechnet einen großen Bücherstand. Vor Regen geschützt und mit genügend passender Unterhaltung direkt vor meiner Nase, hatte ich also allen Grund zum ausgedehnten Stöbern.
Im Zuge dessen streiften meine Augen in den langen Reihen schließlich Radio Heimat von Frank Goosen. Da ich vom Autor schon einiges positives gehört habe und in letzter Zeit auch ganz gute Erfahrungen mit humorvollen (Auto-)biografien gemacht habe, entschied ich mich es mitzunehmen.
Später im trockenen Bus fing es auch ganz vielversprechend an. Die Anekdoten sind lustig aber längst nicht so überdreht wie man es aus anderen Büchern dieser Gattung kennt. Das Lokalkolorit wird mit einem wärmenden Lächeln beschrieben, jedoch nicht übertrieben beschönigt und wird diejenigen, die es kennen wohl dazu bringen zustimmend zu nicken, während alle anderen genügend Informationen bekommen, um es sich einigermaßen vorstellen zu können. Mich hat es sogar an alte Geschichten von meinem Großonkel erinnert, der seinerzeit selbst noch eingefahren ist.
Nach einiger Zeit verursachen einige Stellen jedoch leider einen fahlen Beigeschmack. Bei mehr als zweihundert Seiten wirkt der weitestgehend im örtlichen Dialekt durchgezogene Schreibstil nicht mehr authentisch, sondern nur noch zwanghaft und anstrengend. Außerdem ist mir die Einstellung gegenüber und Beschreibung von Frauen und Ausländern im Buch sehr übel aufgestoßen. Es muss nicht immer absolut politisch korrekt sein, erst recht nicht im komödiantischen Bereich, aber Frauen freiheraus als „dicke Matronen“ und Ähnliches zu bezeichnen, ist einfach absolut unangebracht und kein guter Stil. Erst recht nicht, wenn es so verkauft wird „als wäre das bei uns im Pott so“. Es wirft ein schlechtes Licht auf eine tolle Gegend und von meinen Freunden, die von dort kommen, bin ich solch ein Verhalten auch zum Glück nicht gewohnt.
Als Einzigen wirklich guten Punkt kann ich die Anekdoten rund um „Omma und Oppa“ hervorheben. Diese wärmen einem wirklich das Herz und bringen den Leser zum Lächeln. Viele dieser Stellen haben mich an meine eigenen Großeltern und Kindheit erinnert und sind einfach nur schön.
Schade, dass Radio Heimat das nicht im Ganzen ist.
Ganz genau so ist es hier bei uns im Ruhrgebiet (Bochum). Mit diesem Buch kann man sich mehr als identifizieren, man lebt ganze Abschnitte neu, denn sie sind wie aus dem eigenen Leben abgeschrieben. Und dann die Bimbo Box, ich hatte die Bimbo Box doch tatsächlich vergessen. Sie entstand vor meinen Augen neu, mit all´ihrem Staub und dem Rest des Kaufhauses Kortum mit seiner beeindruckenden Architektur. Als Kind bedeutete der Einkauf bei Kortum mit "Omma uns Oppa" einen Ausflug in eine grosse, bunte Welt. Beim Lesen war alles war plötzlich wieder da. Und so ging es allen denen ich diese Buch aufgeschwatzt habe und mit denen ich dann darüber sprach. Zum Schluss möchte auch ich "die A 40" nicht unerwähnt lassen. Stunden, wenn nicht Tage stand ich schon auf der "Lebensader des Ruhrgebietes" herum :), im Auto und übte mich in der Erweiterung meines Schimpfwortvokabulars. Und am 18.07.2010 werde ich im Rahmen des Kulturhauptstadtprojektes auch auf ihr spazieren gehen, als Eingeborene darf man das nicht versäumen und nie würde ich ausser Reichweite der A 40 ziehen, denn sie ist Heimat. Danke für dieses Buch.
"Wer Wilhelm Herbert Kochs ""Kumpel Anton"" (noch) kennt wird sich hier leicht einlesen. Es ist zwar ""Kumpel Anton"" light, aber in der Beschreibung der Bochumer nicht falsch. Für Ortskundige mit dem nötigen Lokalkolorit versehen, führt es uns durch die persönlichen Erfahrungen des Autors. Dem heutigen Trend der ""lustigen"" Umschreibungen folgend, bekommt der Leser einen Einblick in die geradlinige und ehrliche Philosophie des gemeinen Ruhrpöttlers. Wie sachta Cervinski schon für mich: ""Anton, du machstat auch falsch mit dain Gahten. Du machstat ganz fakehrt, mitti fiele Ahbait, da kannze auch kain Spass an dain Gahtn ham: Du darfs dich nich mehr Land nehm, als daine Olle umgrahm kann. Dann hasse Spass an dain Gahtn."""
Wie wahr! Ein absolut liebenswertes Buch über den Ruhrpott. Goosen gelingt es spielerisch, die Menschen zu portraitieren wie sie sind ohne sie bloßzustellen.
Mit viel Humor und echter, nicht rührseeliger Zuneigung erzählt Frank Goosen aus seiner Heimat dem Ruhrgebiet, genauer Bochum. Es ist ein absolut zu empfehlendes, sehr kurzweiliges und fast durchgend witziges Buch. Lesen!