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NOVA 32: Magazin für spekulative Literatur

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Der Inhalt:

NOVAstorys
Thomas Grüter: Auf eigene Gefahr
Karsten Lorenz: Geliebte Savona
Victoria Sack: Obsoleszenz
Ricky Wilhelmson: Planetare Verteidigung
Aiki Mira: Nicht von dieser Welt
Wolf Welling: Im Tulou
Benjamin Hirth: This War Is Over
Frank W. Haubold: Das Mädchen aus dem Jenseits
Brandon Crilly: Gedächtnis

NOVAsekundär
Michael K. Iwoleit: »Aber ich habe geliebt! …« James Tiptree, jr. und die weltbeste Science-Fiction-Story
Hans Esselborn: Herbert W. Franke. Zum Gedenken an den Altmeister der Science-Fiction
Franz Rottensteiner: H. W. Franke, Cyber ohne Punk
Dietmar Dath: Gesetz und Drachenkraft. Herbert W. Franke als schöpferischer Erklärer der Kunst

224 pages, Paperback

Published January 1, 2023

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Michael K. Iwoleit

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974 reviews19 followers
November 2, 2024
Ich finde ja, dass alleine Iwoleits kurze Storyeinleitungen und seine Ausführungen zu James Tiptree jr. zusammen mit den Nachrufen auf Herbert W. Franke von Hans Esselborn, Franz Rottensteiner und Dietmar Dath den Kauf des Taschenbuches lohnen. Dabei sollte man die Einleitungen aber vielleicht erst nach der Lektüre der entsprechenden Geschichte lesen, denn manchmal verraten sie zu viel (z.B. bei Wolf Welling).
Insgesamt schwächelt die Ausgabe ein wenig auf hohem Niveau bei den Geschichten, ist aber sehr gut im sekundären Teil.

Bemerkungen zu den Geschichten:

Thomas Grüter: Auf eigene Gefahr
Eine nette Zeitreise Geschichte, die diesem uralten Thema einen mir neuen Aspekt hinzufügt: Was, wenn die Zeitreisen von einer verbrecherischen Firma mit starken Eigeninteressen durchgeführt werden? Man muss den Menschen, die einen in die Vergangenheit transportieren, schon sehr vertrauen.
Gut geschrieben und unterhaltsam.

Karsten Lorenz: Geliebte Savona
In einem Raumschiff, das seit einhundertfünfzig Jahren unterwegs ist, wird von der Schiffs-KI Savona der Kommandant Bogdan aufgeweckt. Es ist ein großes Problem aufgetreten und der Ich-Erzähler soll bei der Lösung helfen. Savona stellt ihm verschiedene Optionen vor, die alle problematisch sind, und aus denen er, der Kommandant, eine auswählen muss.
Dieser Erzähler reagiert aber so seltsam, dass mir der Spass an der Geschichte etwas verging. Er beschäftigt sich mit der schönen Stimme der KI und mit dem Blick aufs Universum. Er lässt "die Seele baumeln", während er überlegt, welche der vorgeschlagenen Optionen er nehmen soll. Die Art, wie er diese schwerwiegende Entscheidung fällt, überzeugte mich nicht. Mir kam er zu naiv und gutgläubig vor. Dies ist aber zugegebenermaßen ein Urteil vom Ende der Geschichte her.
Die Pointe am Schluss ist nicht schlecht und wenn der Protagonist mir überzeugender vorgekommen wäre, dann hätte es vielleicht noch eine überzeugende Geschichte werden können.

Victoria Sack: Obsoleszenz
In dieser Geschichte wehren sich die Minenarbeiter gewalttätig gegen zunehmende Ersetzung durch Androiden und erkennen nicht, wie weit die Änderungen schon sind.
Ganz überzeugt hat mich die Geschichte nicht, das war mir zu oberflächlich. (IMHO kann sich Rohstoffabbau auf fremden Planeten nur bei ganz besonderen Rohstoffen überhaupt lohnen. Vielleicht hätten sich andere wehren sollen: Kreative z.B.)

Ricky Wilhelmson: Planetare Verteidigung
Eine ziemlich kurze, unterhaltsame und mit vielen Details versehene Geschichte der Kategorie "Humorvoll misslungener Erstkontakt".

Aiki Mira: Nicht von dieser Welt
Ein verwirrter Vater, sein junger Sohn Jonah und das biomimetische Wesen Anna leben in dieser Geschichte in einem durch die Klimakatastrophe veränderten Norddeutschland. Die eigentliche Hauptperson der Geschichte ist die abwesende Mutter des Jungen und Ehefrau des Vaters, die als Astronautin zum Mars unterwegs ist. Um sie kreist das Denken des Jungen, er vermisst sie, ihre Anwesenheit hat für ihn das Haus und alle Gegenstände verändert. Jonah will werden wie seine Mutter, ein Astronaut bei der ESA. Die Mutter hat ihm aber auch erklärt: “Wer zu uns gehört, gehört nicht mehr zu dieser Welt”. Der Vater arbeitet derweil verzweifelt an einem Computerspiel, auch er vermisst seine Frau schmerzlich.
Meist wird die Geschichte aus der Sicht des Jungen erzählt, aber hin und wieder liefert ein kurzer Perspektivwechsel wichtige Details aus der Sicht des Vaters, der vielleicht den Ernst der Lage erfasst hat.
Erzählt wird in einem behutsamen, langsamen Stil voller Andeutungen, bei dem ich immer das Gefühl hatte, dass das Wichtigste unerzählt bleibt, aber dennoch erkannt werden kann. Der Junge sehnt sich nach seiner Mutter, er will ihr nacheifern und dabei kommt es zu einem Unglück. Jonah hat nie freundlich über Anna gedacht und geredet, aber dann rettet ausgerechnet dieses Wesen ihm das Leben. Anna zahlt einen schrecklichen Preis dafür und auch sie ist “nicht von dieser Welt”.
Großartig, wie nah man den Figuren in dieser Geschichte kommt, wie man die Sehnsucht des Jungen und die Verzweiflung des Vaters spürt.

Die Geschichte passt perfekt in den entstehenden Kosmos der Aiki Mira Geschichten: Die Welt erinnert an "Neongrau" und biomimetische und andere Wesen, die neben den Menschen entstehen und mit denen die Grenzen des Menschseins ausgelotet werden, sind ohnehin ein wiederkehrendes Thema von “Titans Kinder” bis zu “Der Zustand der Welt” in Queer*Welten 8. Zusammen mit "Die Grenze der Welt" aus EXODUS 44 entsteht eine Art “Welt”-Trilogie: Dort wird sozusagen die andere Seite gezeigt, denn die Hauptfigur Kat kommt von Kriegen im Weltraum zurück und nimmt Kontakt zu einem Jungen auf, der sich als künstlich herausstellt.

Wolf Welling: Im Tulou
Eine typisch gut geschriebene, kafkaeske und leicht deprimierende Welling-Geschichte. Es wird eine Art Gefängnis in einem China der Zukunft beschrieben, in dem eine Minderheit unterdrückt wird und ein Mann eine sinnentleerte Arbeit mit täglich gleichem Ablauf verrichtet. Als SF Element kommen im Hintergrund seltsame Außerirdische hinzu, wobei die ganzen Tentakel dieser Wesen vielleicht auch nur ein Symbol für die Arme der Partei sind. Der monotone Tagesablauf wird jäh unterbrochen.
Das scheinbar positive Ende ist sicher nicht endgültig, das kann ich mir bei dieser Welt nicht vorstellen.

Benjamin Hirth: This War Is Over
Eine schöne Idee: ein Virus, der sich über die Sprache weiter verbreitet und sprachspezifisch ist, also z.B. für Französisch und Deutsch.
Es krankt aber an der Umsetzung: Der Ich-Erzähler gehört zu den letzten Überlebenden in Paris. Er trifft eine Linguistin mit ihrem kleinen Kind, die ihm (und uns) in Gebärdensprache fast alles erklärt.
Einige Fragen bleiben offen, wie z.B. wohin die Menschen verschwunden sind. Irgendwie fand ich die Ausführung misslungen.

Frank W. Haubold: Das Mädchen aus dem Jenseits
Ja, Haubold kann lyrisch und märchenhaft schreiben und ich mochte seine alten Marsgeschichten.
Dagegen hat mir diese Geschichte überhaupt nicht gefallen.
Da taucht eine Frau als Abgesandte einer höheren Macht im Raumschiff eines Priesters auf, um ihn am Weiterflug zu hindern. Der keusch lebende Priester ist sofort hin und weg ob der makellosen "marmorweißen Haut" (S. 146). Auch sie begehrt den Mann sofort, der halt bisher erst eine sexuelle Erfahrung hatte, mit einer Prostituierten mit dunkler Haut (S. 155). Die beiden machen ein furchtbares Getue, bis sie im Bett landen und dann ist die viel zu lange Geschichte auch bald geschafft.

Brandon Crilly: Gedächtnis
Ein Mann leidet nach einem Krieg unter posttraumatischen Belastungsstörungen und versucht diese in einer virtuellen Welt zu verarbeiten. Seine Tochter lehnt dies ab, bis sie dahinter kommt, dass die Virtualität auch ihr selbst helfen könnte.
Kurz, gut geschrieben, hat mir gefallen.
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