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Gesund genug

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Als bei Hanne in Berlin das Telefon klingelt, ahnt sie, was kommt. Ihr Vater liegt im Sterben. »Da kann man einmal sehen«, hat der Gesundheitsfanatiker immer mit Genugtuung gesagt, wenn es andere erwischte. Nun leidet er selbst an Darmkrebs im Endstadium. »Da kann man einmal sehen«, würde Hanne jetzt gern zu ihrem Vater sagen. Alle hat er mit seinem Bio-Wahn und Reinlichkeitsfimmel terrorisiert, die Familie zu einer Sekte gemacht – in einer Zeit, als Gemüseraffel und Demeter noch längst kein Mainstream waren. Aber soll Hanne es ihm jetzt wirklich heimzahlen? Am Sterbebett erinnert sie sich an ihr Erwachsenwerden jenseits des väterlichen Diktats, an ihren Sommer als Mother’s Help in London, an das Erwachen und Auskosten einer wilden Freiheit. Als sie zufällig eine Mappe mit alten Zeichnungen entdeckt, leuchtet plötzlich eine völlig unbekannte Seite dieses pedantischen Vaters auf. Hatte auch er einmal einen Freiheitstraum? Wo ist der hin?

Gesund genug ist ein Roman über eine »bio-dynamische« Radikalisierung und das Scheitern am eigenen Anspruch. Ursula Fricker erzählt berührend von den letzten Geheimnissen zwischen einer Tochter und ihrem Vater.

235 pages, Hardcover

Published January 1, 2022

2 people are currently reading
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Community Reviews

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11 (15%)
1 star
2 (2%)
Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Pascal.
309 reviews54 followers
February 3, 2023
Für einen Roman über einen obsessiv gesundheitsvernarrten Vater spielt dieser eine überraschend passive Rolle. Das hätte nicht per se stören müssen, doch hat dieser Aspekt, der Gesund genug auf dem Papier einzigartig machen sollte, zudem zu geringe Auswirkungen auf den Rest der Geschichte.

Was bleibt, ist eine kompetente, aber unterm Strich generische Selbstfindungsreise einer traumatisierten jungen Person mit den üblichen Großstadtimpressionen und Europatourismus. Sehr schade, weil einige Stellen, die die manipulative Obsession des Vaters und die Auswirkungen auf die Familie tatsächlich tiefer behandeln, äußerst stark sind.
Profile Image for Rotschoepferin.
34 reviews3 followers
June 17, 2024
Viel Potenzial, das irgendwie nicht ausgearbeitet ist. Der Schluss war dann etwas besser als die ersten 100 Seiten.
Profile Image for Conny.
616 reviews86 followers
August 6, 2023
Manchmal wollen Menschen nur das Beste für sich und ihre Liebsten – und fügen ihnen genau damit grossen Schmerz zu. In ihrem neuen Roman beleuchtet Ursula Fricker eine Kindheit, die vom Gesundheitswahn des Vaters geprägt ist – und von der sie sich weit weg in London löst.

«Selber schuld» – so oder so ähnlich kommentiert es Hannes Vaters stets, wenn jemand in seinem Umfeld erkrankt. Denn Gesundheit sei einem nicht einfach so gegeben, man müsse sie sich erarbeiten: mit einer strengen Diät, ausgesuchten Nahrungsmitteln und viel frischer Luft.

Dieses Mantra erlegt der Vater nicht nur sich selbst, sondern der ganzen Familie auf. Fast alles ist Gift: Fleisch, Brot, Nudeln und die von Autos verpestete Luft. Morgens zählt er akribisch seine Mandeln und Haferflocken ab und hat keinerlei Verständnis, wenn es andere nicht genau so tun. Mit seinem Gesundheitswahn tyrannisiert er Frau und Kinder, Einladungen zum Essen sind ein Ding der Unmöglichkeit. Er legt absurde Strecken zurück, um einen Demeter-Apfel zu kaufen – in einer Zeit, in der es im Supermarkt noch nicht einmal Bio-Gemüse gibt (und der deshalb ebenso verteufelt wird).

Die Mutter ordnet sich den Ansichten des Patriarchen – anders kann man die Familienverhältnisse kaum beschreiben – unter. Eine echte Wahl hat sie nicht: «Schwieg Mutter zwei Sekunden zu lange, zersprang schon ein Glas an der Wand».

Nun aber hat es den Tyrannen selbst erwischt. Die Ironie könnte grösser kaum sein: mit Darmkrebs in Endstadium liegt er im Wohnzimmer, die Naturheilerin konnte nichts mehr ausrichten. Er wird von seiner Frau gepflegt. Diese hat derweil den Kühlschrank mit Schokoladenjoghurts aus der Migros bestückt; er sieht sie nicht mehr.

In diesen Tagen reist Tochter Hanne aus Berlin an. Von der Angst, die sie früher vor ihrem Vater hatte, ist nichts mehr übrig. Ob sie Mitleid haben, sich versöhnen oder sich rächen will, weiss sie jedoch auch nicht. Hier lässt sie ihre Erinnerungen zurückschweifen in ihre Kindheit und Jugend, die Zeit als Au-Pair in London, in der sie endlich aus dem familiären Sektierertum ausbrechen und ihre Freiheit auskosten konnte.

«Gesund genug» ist die Geschichte eines Familientyrannen, aber insbesondere auch eine Geschichte über das Unausgesprochene, das zwischen den Menschen steht. «Weisst du eigentlich, dass dein Birchermus-Benner, dein Bruker und vor allem dein Kollath Nazis gewesen sind, Leute, die nicht nur Nahrung, sondern Menschen in vollwertig und minderwertig eingeteilt haben, könnte ich sagen» – Hanne sagt es nicht. Auch als in ihrem Freundeskreis neue Ernährungsweisen in Mode kommen und alte Traumata wecken, schweigt sie meist.

Themen des gesunden Lebens und der «richtigen» Ernährungsweise sind aktuell wie nie. Obwohl der Roman ab den 1960ern spielt, wirft er Fragen nach Lebensgestaltung und Orientierung auf, die wir uns auch heute stellen sollten. Die Selbstreflexion der Erzählerin bietet Hand – und findet zum Schluss doch noch einen versöhnlichen Ton.

Review erschienen bei phosphor-kultur.ch.
Profile Image for Lina .
339 reviews
October 24, 2023
4/5 ein wirklich gutes Buch, total schön geschrieben, außerdem mit einem wunderschönen Cover und Rücken, Band. Ich würde es gerne weiter empfehlen, am Ende war es zwar etwas random, aber die Gedanken und Gefühle waren so und unglaublich toll und schön dargestellt.

es geht um Henni, deren Vater ein kompletter Gesundheits Fanatiker war, die Kinder gepeinigt hat, und Henny in ihrer Kindheit großen Schmerz bereitet hat. Plötzlich liegt der Vater im Sterben. Hendy wünscht sich eigentlich seinen Tod. Das Buch erzählt uns ganz vielen verschiedenen Zeitformen, die aber nicht als solche betitelt werden. man erkennt Hendys Leben damals und jetzt. Erkennt, dass sie keine festen Beziehungen haben kann. Und ganz zum Schluss erkennt man, wie sehr sie doch ihren Vater liebt und dass sie nicht möchte, dass er stirbt.
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