Voilà, la France: Ein Lebenskünstler mit Schnurrbart und Baskenmütze schlürft im Café seinen Pernod, bevor er mit einem Baguette unterm Arm mit seinem Malerfreund eine schwarze Zigarette raucht. Der Malerfreund porträtiert gerade eine hübsche blonde Touristin, die sich Hals über Kopf in ihn verliebt, die Stadt nie wieder verlässt, um auf dem Montmartre Froschschenkel zu kochen.
Mal ehrlich: Was wissen wir eigentlich über Frankreich und die Franzosen? Wie ist französische Höflichkeit richtig zu verstehen? Warum ist eine Terrine keine Suppe und Bier zu Foie Gras kriminell? Und wie und wie oft küsst man sich eigentlich zur Begrüßung?
Paula, die als Austauschstudentin ein Jahr bei einer französischen Familie verbringt, muss erst in viele Fettnäpfchen treten, bevor sie so richtig ankommt. Und ihre Eltern Manfred und Eva sowie Bruder Anton, die in der Bretagne Urlaub machen, verstehen manchmal die Welt nicht mehr. Und dann ist da noch Katja, die mit einem Franzosen verheiratet ist, zwei Kinder hat, in Paris arbeitet und aus ihrem langen Erfahrungsschatz plaudert.
War mir stellenweise zu dick aufgetragen und zu übertrieben, was die Darstellung der Deutschen anbelangte. Natürlich werden immer Klischees bedient, allerdings war das im Fettnäpfchenführer Australien a) humorvoller und b) glaubwürdiger und c) auch charmanter gelöst. Hier hatte ich nicht das Gefühl, Hilfestellung zu kriegen, sondern quasi eingeimpft zu kriegen, dass Franzosen besser sind als Deutsche und das sollte ja wohl nicht der Sinn und Zweck eines solchen Buches sein!
Ich mag die Fettnäpfchen-Führer, die immer recht unterhaltsam und lehrreich zugleich sind.
Leider sind die Charaktere auch in diesem Band ein wenig zu flach geraten, was natürlich auch dem geschuldet ist, dass sie sehr stark mit Klischees beladen werden. Dennoch hätte ich es besser gefunden, wenn die eine oder andere Figur neben dem Klischee, auch mal Tiefe durchblicken lassen hätte.
Das Ende ist mir leider zu abrupt. Wenigstens ein oder zwei Seiten hätte dazu geschrieben werden sollen, wie ich finde.