Hätte ich Seethalers jüngere Bücher nicht gelesen, dann wäre es wahrscheinlich für immer gewesen, und ich hätte nichts mehr von ihm in die Hand genommen. Die Geschichte ist unterhaltsam genug. Allerdings auch sehr, sehr flach und geradlinig. Spätestens nachdem die zwei Hauptfiguren, (eigentlich halbwegs sympathische Anti-Helden), ihre erste Erscheinung gehabt haben, weiß man, wo die Geschichte hinführt. Und dann liest man weiter in der Hoffnung, dass es doch anders kommt - vergeblich. Die plötzliche „Wendung“ am Ende kann da auch nicht mehr helfen; die scheint nur dazu zu dienen, dass das Ganze nicht zu sehr nach einem Kitsch-triefenden Happy End à la Hollywood schmeckt. Was mir aber den Lesespaß am meisten verdorben hat: Seethaler gibt dem allwissenden Erzähler eine Stimme und eine Sprache, die vermutlich denen einer (oder beider?) Hauptfiguren ähneln sollen. Aber da diese Stimme in jeder Situation (und aus jeder Perspektive) völlig monoton bleibt, und zu allem Überfluss auch noch einen fatalen Hang zu ständigen Wiederholungen hat, erzeugte sie für mich eine Gefühl von Künstlichkeit, das mich fast komplett daran hinderte, ins Geschehen wirklich einzutauchen. Das absolute Gegenteil von meiner Erfahrung mit „Ein ganzes Leben“ beispielsweise, oder sogar mit den vielen Erzählungen in „Das Feld“.
Das Buch kann ich leider keinem empfehlen, der nach guter zeitgenössischer Literatur sucht.