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Abgehauen: Ein Mitschnitt und ein Tagebuch

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German

264 pages, Hardcover

First published January 1, 1996

41 people want to read

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Manfred Krug

32 books1 follower

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Community Reviews

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Antje.
689 reviews59 followers
July 29, 2019
Zunächst fiel mir der Einstieg ins Buch schwer, da es unmittelbar mit dem von Krug aufgezeichneten Treffen in seinem Haus am 20.11.76 beginnt. Anwesend sind ein Dutzend Künstler-Größen wie Heym, Wolf, Becker, Beyer, Thate und Domröse auf der einen Seite und drei einflussreiche "hochgestellte" Persönlichkeiten wie Politbüro-Mitglied Werner Lamberz auf der anderen Seite. Thema ist das im Westen veröffentlichte Protestschreiben gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. - Obwohl ich erst vor wenigen Monaten dessen Autobiographie gelesen hatte, waren die Erinnerungen bereits wieder verblasst und ich musste mich erst wieder in die komplexen Sachverhalte hineinfitzen.

Krug bedient sich eines interessanten formellen Aufbaus. Er teilt sein Buch in drei Teile: 1. das Gespräch am 20.11.76; 2. seine Tagebucheinträge vom 20.04. bis 20.05.77 (der Zeitraum seiner Antragsstellung zur Ausreise bis zur Genehmigung); 3. Teil Protokoll des IMV "Salmann", eines Nachbarn Krugs, der u.a. für ihn die Abschiedsfeier ausrichtet. - Diese kluge Wahl garantiert Spannung für den Leser sowie einen tiefen Einblick in das Geschehen der DDR-Künstlerszene nach Biermanns Ausschluss, den Konsequenzen in Form von Repressalien, Psychospielchen und der zermürbenden Sinnlosigkeit in einen konstruktiven Diskurs mit den Hochgestellten zu treten. Diese wenigen Seiten genügen für einen tiefen Einblick in den bürokratischen Machtapparat der DDR, der jeden Andersdenkenden als potentiellen Feind betrachtete, selbst wenn er an die sozialistische Idee glaubte und bloß an deren Umsetzung Kritik übte oder Verbesserungen anregte. Diese Sinnlosigkeit wird besonders im aufgezeichneten Gespräch und Krugs zweimaligen Zusammentreffen mit Lamberz im Politbüro deutlich. - Kurzum, ein Buch, das informiert und lehrt.
Profile Image for Frank.
593 reviews123 followers
July 11, 2025
Ich mag den West- Krug nicht und finde, dass die Befürchtungen seiner Freunde, er würde nur im Osten unangepasst sein, eingetroffen sind (siehe Werbung für Telekom- Aktien). Aber hier schreibt noch der Ost- Krug und was den bewegt hat, kann ich nachvollziehen. Besonders berührt mich die Erinnerung daran, dass auch ich Biermann bis zu dem Tag, an dem ich eine Verurteilung im Namen der FDJler meiner Schule schreiben sollte, gar nicht kannte. Das gab Probleme, denn dass ich auch sein Konzert in Köln nicht gesehen hätte, glaubte mein Direktor so wenig, dass er darin eine Provokation sah. Seiner Meinung nach wäre ich renitent gewesen, da ich mich offensichtlich dem Auftrag verweigern wollte. Aber ich wusste von nichts. Dann gingen Schauspieler und Autor/ innen in den Westen und ich wusste wieder nicht, warum. Dieses schizophrene Kesseltreiben und seine Folgen für die Betroffenen, also die Verfasser/innen der Petition gegen Biermanns Ausbürgerung, die ebenfalls nur kannte, wer Westfernsehen sah, beschreibt Krug nachvollziehbar und eingängig. Auch werden Haltungen von Kolleg/innen, Funktionären usw. deutlich, die peinlich sind. Ich wünschte, das wäre alles anders gewesen. War es aber wohl nicht. Kurz, das ist informativ und wird jeden interessieren, der in den 70er und 80er Jahren (oder vorher) in der DDR aufgewachsen ist. Aber Interesse ist das eine. Reicht bei so einem sensiblen Thema, das viele Menschen persönlich bloß stellt, die subjektive Sicht des (unkommentierten) Tagebuchs? Die Betroffenen werden eingewilligt haben. Trotzdem fragt man sich, ob das die ganze Wahrheit ist... Was bleibt ist die unabweumisbar bohrende Frage, warum die DDR so piefig war und warum man das selbst lange Zeit entschuldigt hat, weil man es entschuldigen wollte (und weil man wirklich auch nicht alles gewusst hat). Also, wenn die alten Hüte interessieren, dem sei der Text empfohlen.
Profile Image for André.
80 reviews14 followers
June 14, 2022
Schon auch ein guter Erzähler, der Manfred Krug. Interessante Einblicke in die Biermann-Affäre, das Funktionieren der DDR und seine letzten Tage in diesem Staat. (Besonders gut natürlich das Hörbuch, vom Autor selbst gelesen.)
Profile Image for Miriam.
310 reviews4 followers
March 23, 2017
Krug war nicht nur ein guter Schauspieler, er schreibt auch in einem sehr angenehmen Stil über seine Erfahrungen in der DDR bzw. nach seinem 'Abhauen' in der BRD. Sehr lohnenswertes Buch sowohl als zeitgeschichtliches Dokument als auch als unterhaltsamer Einblick in das Leben des Schauspielers und Sängers.
Profile Image for Robert Schulz.
Author 1 book1 follower
December 11, 2016
Wahrscheinlich DAS Buch über die Biermannaffäre und das Leben von Kulturschaffenden in der DDR. Sehr lesenswert.
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