"Diese Szene lebt auch, weil in anderen Systemen Menschen über Bord geschmissen werden. Wer sich diese "Industrie" anschaut, muss sich also auch unsere Gesellschaft anschauen."
Charlotte M. Raven war ausgebrannt und depressiv – und damit gefundenes Fressen für eine Szene, die genau solchen Menschen vermeintliche Lösungen in Form von Heilung, Transformation und Halt auf abstruseste Art und Weise für alle ihre Probleme verspricht. Natürlich gegen Geld. Sehr viel Geld.
Denn im Geschäft mit der Hoffnung geht es um Millionen. Unseriöse Coaches, die oft keine qualifizierte Ausbildung haben, ziehen den Menschen ohne Rücksicht auf Verluste in anonymen Massenkursen systematisch das Geld aus der Tasche, indem sie ein glückliches, erfolgreiches, freies und selbstbestimmtes Leben versprechen. Dabei bedienen sie sich hochgradig toxisch-manipulativen Marketings und Psycho-Tricks. Nicht selten werden Menschen dabei nicht nur finanziell ausgenommen, sondern auch noch psychisch geschädigt.
Charlotte M. Raven hat diesem Teil der Szene den Rücken gekehrt und klärt in ihrem Buch über die Methoden einiger selbsternannter Gurus auf. Zugleich nimmt sie die mit auf eine persönliche und lehrreiche Reise. Denn Coaching kann auch sehr bereichernd sein, wenn man den richtigen Coach erkennt. Die Ergebnisse sind dann zwar nicht so wundersam, dafür aber langfristig, ehrlich, nahbar, transparent.
Dieses Buch sollte jeder lesen, der in sozialen Medien unterwegs ist und schon mal ein Coaching (sei es Finanzen, Leben, Business, Wellness) in den Feed gespült bekommen hat. Also eigentlich jeder 😉
Das Aufzeigen der vielfältigen Manipulationstechniken, Neuromarketing und noch so vieles mehr, was gezielt die Schwachpunkte von Menschen angreift, fand ich wirklich augenöffnend. Ich kann seitdem keine Werbebotschaft mehr lesen, ohne dass im Hintergrund die Analyse mitläuft und ich mich frage: wozu soll ich jetzt gerade gebracht werden und wie? Auch die Feststellung, dass Coaching für Gesunde ist und keine Therapie ersetzt, fand ich wichtig. Leider sind oft gerade diejenigen, die therapeutische Hilfe benötigen, anfällig für die Angebote unseriöser Coaches. Und wenn dann der Therapieplatz erst in Monaten in Aussicht gestellt wird, kann man verstehen, warum Coaching so einen Zulauf hat. Auch das stellt die Autorin heraus: nicht wir sind (in der Regel) kaputt, sondern Systeme wie der Arbeitsmarkt oder das Gesundheitswesen, die dafür sorgen, dass Menschen an den Rand der Belastung kommen.
Was ich schade fand: das Buch hätte etwas mehr Lektorat und roten Faden vertragen. Neben den bereits in einer anderen Rezension erwähnten Rechtschreibfehler fehlte mir an mancher Stelle die Struktur; auch die Sprache war teils nicht schlüssig (S. 129: „in einer Symbiose einhergehen“, S. 200: „Helling brauchen nicht wir, sondern die gesellschaftlichen Anforderungen, und die Systeme brauchen Heilung.“, bei etlichen Sätzen wurde das Prädikat verschluckt oder der falsche Kasus verwendet).
Puh, schwierig. An sich wichtige und interessante Inhalte und Themen. Die allerdings auch auf der Hälfte der Seitenzahl (wenn überhaupt) hätten ausgeführt werden können, wenn man die ständigen inhaltlichen Wiederholungen und das Gendern weggelassen hätte. Super anstrengend. Außerdem wurden diverse Arten von Coachings vermischt und in einen Topf geschmissen, was auch nicht gerade zur Nachvollziehbarkeit beigetragen hat. Dazu die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler. Insgesamt leider nicht gut gelungen.
Extrem wichtige Inhalte, mit dem Charakter von Investigativ-Journalismus. Auch psychologisch sehr gut aufgearbeitet und dabei leicht zu lesen. Schade ist, dass viele Rechtschreibfehler vorliegen, die dem hochwertigen Inhalt nicht gerecht werden. Für einen Stern Abzug würde es aber nicht reichen, weil das Buch einen so wertvollen Input bietet.