Antisemitismus wird als etwas Monströses, als Inbegriff der Unmenschlichkeit schlechthin angesehen – und das zu Recht. Wer Antisemitismus denkt, denkt auch an Auschwitz. Diese Einstellung erschwert aber häufig eine differenzierte Analyse dieses Phänomens, das für die europäische Geschichte zumindest der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts so fatal prägend war. Christoph Nonn unterzieht den Antisemitismus nun einer detaillierten Untersuchung und zeichnet nach, welche Erklärungsversuche es für die wesentlichen Themenfelder gibt. Er beschreibt die Forschungsdiskussion zur Vorgeschichte des Judenhasses, die verschiedenen Erklärungen zu seiner Ursache und zum Antisemitismus im internationalen Vergleich. Bedeutsam ist seine Analyse der Diskussion zum deutschen Antisemitismus vor 1933 und während des Nationalsozialismus. Aber auch die Judenfeindschaft nach 1945 und in der arabischen Welt wird berücksichtigt. Wer sich vertieft mit dem Antisemitismus und seinen Wurzeln beschäftigt, kommt an dieser Untersuchung nicht vorbei.
Ich verstehe jetzt, wieso diese Buchreihe "Kontroversen um die Geschichte" heißt. Dieses Buch ist eine massive Ansammlung an verschiedenen Theorien, die fast alle im weiteren Verlauf des Buches negiert werden. Also was ist am Ende die Essenz des Buches? Tja. Gute Frage. Schön, dass das scheinbar ja auch die Herausgebenden (oder wer auch immer) gemerkt haben und die Seiten 10-105 KOMPLETT unter dem Überthema "Forschungsprobleme" laufen. Die übrigen 13 Seiten sind dann Einleitung und Fazit. Fand ich schon ein bisschen witzig. Für mich war leider erst die zweite Hälfte, als es historisch wurde, interessant, da hier endlich mal ein paar Quellenlagen beleuchtet wurden. Dementsprechend kann ich die erste Hälfte des Buches nicht wirklich empfehlen, die zweite war aber ganz gut.