Fünfter Streich des Börsen-Grisham, der diesem Etikett in diesem Buch vollkommen gerecht wird. Das Programm, eine Art 10 Kleine Negerlein unter den Trainées von Bloomfield-Weiss ist formal sogar gelungener als der Marktmacher, allerdings mit einem Helden ohne die Ecken und Kanten und relativ frei von der Faszination des Handels. Die Adrenalinorgien vor dem Terminal bleiben aus. So rasch es sich auch runterlesen ließ, desto klarer wurde mir, um wie viel besser der Marktmacher war, auch wenn man sich immer wieder über das unconditional behaviour eines ins Investmant-Haifischbecken geratenen Slawisten wundern oder ärgern kann (Die ausführliche Rezi von 2012 habe ich ja gepostet.
Kaum gönnt sich der stets vorsichtig agierende Chris Czszypiorski mal einen zehntägigen Ski-Urlaub, da kauft Partnerin Lenka während seiner Abwesenheit einen unverantwortlichen Riesenposten einer windigen Mobilfunkfirma und eröffnet auch noch ein Büro in Prag. Doch ehe sie ihm auch nur ein Wort erklären kann, wird sie auf offener Straße und vor seinen Augen erstochen.
Die nächsten Tage befindet sich das dubiose Eureka-Papier im Sinkflug und Chris sieht sich auch sonst mit dem Vertrauensverlust seiner Klienten, die Lenka aus der Hand gefressen haben, konfrontiert. Zumal Chris einst als Bauernopfer für einen 600-Millionen-Verlust bei Bloomfield-Weiss gegangen wurde, da der Hauptverantwortliche als systemrelevant eingestuft wurde.
Lenka und Chris hatten sich vor zehn Jahren bei einem Trainée-Programm von Bloomfield-Weiss kennen gelernt, an dessen Ende das letzte Viertel keine Zukunft bei dem Börsenriesen haben sollte. Doch statt sich in den angepeilten Konkurrenzkampf verwickeln zu lassen, hatte Chris eine Lerngruppe initiiert um seinen schwächeren Freund Duncan durchzubringen, Lenka, die später als Drittbeste abschließen sollte, hatte sich ebenso an ihr beteiligt wie die Amerikaner Eric und Alex und der Eton-Absolvent Ian, der mit Chris und und Duncan zum Londonder Kontigent gehört.
Die Solidarittät zahlt sich für die meisten aus, Eric wird Bester, Chris kommt auf Platz 14 ins Ziel, doch Glückspilz Duncan, der bei Lenka landen konnte, schmiert vollkommen ab. Denn als er zu sehr klammert, hat die pragmatische Tschechin, die von einer zeitlich überschaubaren Affäre ausging, dem unverbesserlichen Monogamisten einen Korb gegeben.
Nicht viel besser steht es um Alex, der seine Kunst an den Nagel gehängt hat, um die Pflege seiner an Krebs erkrankten Mutter als Börsianer zu finanzieren. Trotz zahlreicher Fehltage ist ist er zwar noch über dem Strich, wird aber nicht übernommen, die Gründe dafür wird Chris erst zehn Jahre später erfahren. Zu diesem Zeitpunkt ist Alex ebenso lange tot.
Zum Abschluss des Programms lädt der reiche Eric seine Lerngruppe auf einen Bootstrip um Long Island ein. Als Lenka, um Duncan ein für allemal klar zu machen, dass es aus ist, demonstrativ mit Alex herum macht, kommt es zur Katastrophe. Der stark angetrunkene Duncan stößt seinen Rivalen über Bord. Eric, Ian und Duncan springen hinterher, doch Alex wird, sobald er wieder an die Oberfläche kommt, von einem anderen Schwimmer unter Wasser gedrückt.
Die Suche nach dem Mörder und die Aufdeckung der Hintergründe, in deren Verlauf sich heraus stellt, dass Bloomfield-Weiss gezielt Psychopathen als neue Alpha-Tiere oder Überbroker gesucht hat, bestimmt die letzten zwei Drittel des Buches. Allerdings lässt Ridpath zu Beginn des vierten Teils die Maske fallen und zeigt den Psychopathen und genialen Intriganten bei der Arbeit, während die anderen Überlebenden einander verdächtigen. Der Showdown, indem alle Illusionen und falschen Anschuldigungen gegenstandslos werden, nimmt exakt vier Seiten in Anspruch, das Schlussidyll fällt leider aus.
Fazit (ACHTUNG SPOILERGEFAHR, AUCH WENN KEINE NAMEN GENANNT WERDEN)
Ein schlüssig durchkonstruierter Thriller für dessen Raffinesse man dem Autor beim gelegentlichen Zurückblättern immer wieder auf die Schulter klopfen möchte. Im Kontext des Gesamtwissens gewinnt z.B. die Aussage „Ich will auf meine Weise Erfolg haben“ eine ganz andere, weit weniger menschenfreundliche Aussage als in einer Lerngruppe.
Allerdings hat das Buch einen großen Schönheitsfehler, denn im politischen korrekten Krimi ist der Republikaner immer der Bösewicht.
Und wenn einer der Kandidaten bei erster Gelegenheit als Busch-Wahlhelfer geoutet wird und im weiteren Verlauf seine gesamte Liebes- und Lebensplanung darauf ausrichtet, eines Tages Präsident zu werden, dann trägt auch der smartestes Blender von Anfang an ein riesengroßes Schurkenschild um den Hals.