Rose Ausländer (1901–1988) verfügt in ihren Gedichten ebenso über einen melancholischen, spröden Ton der Trauer wie über einen melodischen Ton, offen, einfach und schön, voller Hoffnung, Liebe und Glück.
Rose Ausländer, a German-speaking Jewish poet from Czernowitz/Bukovina who spent much of her life in exile in the United States and Germany, wrote that her true home was the word itself. Her poem Mutterland (Motherland) distinguishes between national identity and individual identity which is informed by language: “My fatherland is dead/they have buried it/in fire./I live/in my motherland/word” (Mein Vaterland ist tot/sie haben es begraben/im Feuer/Ich lebe/in meinem Mutterland/Wort). Ausländer is known for her crystalline poems describing the natural wonders of the world, such as stars, butterflies and flowers, as well as her experiences in the Czernowitz ghetto during World War II and the Shoah, her life in exile, her travels through Europe, and her relationship to family and friends. While her early poems are tightly structured and rhymed, her later poetry is influenced by the modern rhythms of free verse which she encountered while reading modern poetry during her exile in the United States and in her meetings with Paul Celan (Paul Antschel 1920–1970). She also translated Yiddish poems by Itzik Manger (1901–1969) into German and German poems by Else Lasker-Schüler and Adam Mickiewicz (1798–1855) into English. From 1948 to 1956, while in exile in New York, she wrote approximately thirty poems in English. Ausländer dedicated many of her poems to those who had inspired her personal philosophy and writing, such as the writers Heinrich Heine, Annette von Droste-Hülshoff, Rainer Maria Rilke, Georg Trakl and Marie Luise Kaschnitz, as well as the philosopher Constantin Brunner (1862–1937). Ausländer’s lifetime correspondence with Brunner began when she sent him one of her early poems, Niagara Falls I. Upon receiving it Brunner replied that he had been standing in spirit with Ausländer before Niagara Falls (Ed. Braun, p. 5). Brunner’s death moved Ausländer to write the poem “Constantin Brunner In Memoriam,” which laments the loss of her long-time mentor yet ends on a hopeful note: “He is not dead, and his words float/in the space of the soul above our life” (“Er ist nicht tot, und seine Worte schweben/im Raum des Geistes über unserem Leben;” Ed. Braun, p. 191).
Ich weiß nicht, weshalb ich zu diesem Gedichtband griff. Womöglich weil ich seit geraumer Zeit in einer Schreibgruppe aktiv schreibe und es gewohnt bin, lyrische Texte zu lesen, zu schreiben und zu hören? Vielleicht auch nur wegen des ausdrucksstarken Titels? Wie dem auch sei, ‚Regenwörter‘ war ein absoluter Glücksgriff.
An Gedichten missfallen mir häufig die Reime. Rose Ausländer hat einen sehr angenehmen und modernen Stil – ohne Reime. Man muss die Gedichte langsam lesen, am besten sollte man sie sich laut vorlesen (lassen). So klingen die Worte und die Emotionen, die sie transportieren, am stärksten. Manche Wörter entfalten ihre Kraft erst, wenn man sie isoliert von anderen liest. Rose Ausländers Sprache ist sehr ausdrucksstark, gelegentlich etwas düster. Die Sprachbilder sind beeindruckend und riefen bei mir eine Gänsehaut hervor. Oft fühlte ich beim Lesen eine unbestimmbare Melancholie, eine Sehnsucht nach dem Leben.
‚Regenwörter‘ gibt das Leben Rose Ausländers in komprimierter Form wieder. Vor allem der Krieg und das Leid sind häufig vetreten. Der Gedichtband enthält aber viel mehr als das. Die Gedichte erzählen von dem Leben, der Liebe, dem Sich-Erinnern, dem Hoffen, dem Reisen und dem Sterben. Ich habe Rose Ausländer nicht unter dem vom Verleger im Nachwort erwähnten Etikett ‚Frau – Jüdin – Dichterin‘ gelesen; sondern als ‚Frau – Dichterin‘, weil ich sie vorher nicht kannte und sie auch nicht literarisch/geschichtlich einzuordnen wusste. Ich bin froh, dass ich die Autorin auf diese Weise kennenlernen durfte.
Es gab nur wenige Gedichte, die mir nicht gefallen haben. Berührt haben mich vor allem die Gedichte über die Sprache, die Landschaften und das Erinnern. Alles Aspekte, die mein Leben ebenfalls prägen. Das Motiv der Zeit hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Gelegentlich sprachen mich auch nur einzelne Verse oder Strophen an, wie z. B. „und spiele/ mit Worten/ wie ein/ törichtes Kind.“ (Ich bin schon lange verschollen, S. 42). Der Gedichtband umfasst Gedichte, zu denen man zurückkehrt, ob im Kopf, mit dem Herzen oder tatsächlich mit dem Buch in der Hand.
Zu meinen Lieblingsgedichten gehören:
Mein Venedig Wo sich verbergen Befehl Mutterland Wer bin ich Wabe Wort and Wort
Der Titel ist ebenfalls sehr treffend gewählt und hat umgehend meine Aufmerksamkeit erregt. Regenwörter. Mal tröpfeln die Worte und Emotionen nur sehr leicht und langsam dahin, wie Sommerregen. Oder sie überfluten einen, den Kopf und das Herz; sie peitschen wie der Regen im Sturm.
Mein Fazit Rose Ausländer hat mich mit ihren Worten, in denen so viel Leben, Schmerz und Erfahrung stecken, tief berührt und bewegt. Ein wahrer Glücksgriff, den ich nicht mehr hergebe. Absolute Leseempfehlung.
Das kleine Heftchen beinhaltet knapp 100 Gedichte aus der 2500 Gedichte, die die Autorin zu Lebzeiten schrieb. Sie lebte in einem Zeitraum der Mitte des 20. Jh.s, der voller Unruhe und Tumult war (unserer Zeit nicht ungleich...) Die Gedichte nehmen diese Begebenheiten auf. Besonders gut dokumentiert sind die beiden Weltkriege und ihre Zeit im Altersheim als sie schon etwas älter war. Die Gedichte sind alle kurz, meistens knapp 20 Wörter, und mal lyrisch mal prosaisch. Sie hat eine prägnante, philosophische Perspektive, und ich fand einige der Gedichten schön und beschaulich, andere doch etwas abgedroschen, aber wenn man 2500 Gedichte im Leben schreibt, können sie nicht alle Knaller sein. Ich würde gern mal die ganze Sammlung durchblättern. Es gibt bestimmt noch versteckten Schatz da.
Segundo poemario de Ausländer que llega a mis manos. Tras haber leído ,,Und nenne dich Glück" tuve la sensación de que los poemas son algo similares, pero esto, lejos de ser redundante, creo que muestran el estilo y temas definidos que tiene Ausländer y profundizan aún más este mundo lírico.