Das Paradies kann einem ganz schön auf den Magen schlagen. Was nützt schon der schönste Palmenstrand der Welt mit feinstem weißen Sand und blauer Lagune, wenn man von einer lästigen Darminfektion gezwungen wird, den lieben langen Tag in einer schäbigen Schilfhütte vor sich hin zu dösen? Kein Wunder, dass der Alternativ-Tourist und Backpacker Mitchell auf der abgelegenen Insel im Golf von Siam auf recht wundersame Gedanken kommt. Die Amöben, die in seinem Gedärm ihr Unwesen treiben, lösen bei dem jungen Amerikaner aus gutem Hause einen Anfall mystischer Sehnsucht aus. So erfüllt Mitchell ein unstillbares Verlangen, die große Harmonie von Leib, Geist und Natur zu erleben, und so die unmittelbaren körperlichen Bedürfnisse ebenso hinter sich zu lassen, wie die unerträgliche Banalität seiner Mitreisenden. Nachdem er sich mit einer rigorosen Fastenkur selbst geheilt hat, geht Mitchell schließlich ins Wasser, um endlich eins zu werden mit dem Paradies, dem Mond und den Amöben. Ganz andere Sorgen hat dagegen Wally Mars. Seine ehemalige Affäre und heimliche Liebe Tomasina Genovese wird getrieben vom unerbittlichen Ticken ihrer inneren Uhr, doch geeignete Männer werden für die erfolgreiche TV-Produzentin immer seltener. Da kommt ihr bei der Suche nach dem idealen Vater ihrer zukünftigen Kinder eine geniale Idee, die Wally jedoch ziemlich affig findet. Eine Schwangerschaftsparty der anderen Art, bei der Tomasina die anwesenden Herren, die ihr besonders geeignet erscheinen, um eine kleine genetische Spende bitten will. Wie Wally aus der Not eine Tugend macht und letztlich zum Hecht im Karpfenteich von Tomasinas geplantem Genpool avançiert, soll hier nicht verraten werden. Dieses Vergnügen sollten sich die Leser von Jeffrey Eugenides' kurzen und höchst einfallsreichen Geschichten nicht entgehen lassen. Jeffrey Eugenides ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, was die Leser seiner Romane Die Selbstmord-Schwestern und vor allem dem grandiosen Middlesex in berechtigte Begeisterung versetzt hat. In diesen drei kurzen Erzählungen beweist der amerikanische Autor, der seit Jahren in Berlin lebt und arbeitet, seine Wandlungsfähigkeit und sein feines Gespür für die surrealen Nuancen alltäglicher Schicksale. Bei aller Ironie denunziert Eugenides seine Charaktere nie, sie bleiben trotz ihrer Marotten und mystischen Anwandlungen immer noch vertraut genug, um als Spiegelbild eigener Erfahrungen wirken zu können. So bleibt auch unter all dem vordergründigen Humor ein ernsteres Anliegen spürbar, das über den offensichtlichen Unterhaltungswert von Eugenides' Geschichten hinausweist. --Peter Schneck
Jeffrey Kent Eugenides is an American author. He has written numerous short stories and essays, as well as three novels: The Virgin Suicides (1993), Middlesex (2002), and The Marriage Plot (2011). The Virgin Suicides served as the basis of the 1999 film of the same name, while Middlesex received the 2003 Pulitzer Prize for Fiction in addition to being a finalist for the National Book Critics Circle Award, the International Dublin Literary Award, and France's Prix Médicis.
This appears to be a collection of 3 short stories by Eugenides, here's a translation of the german review above:
Paradise can beat a very nice on the stomach. What good is the most beautiful palm beach in the world of fine white sand and blue lagoon, if one is forced by a pesky intestinal infection, doze all day long in a seedy reed hut in front of him? No wonder that the alternative tourist and backpacker Mitchell on the remote island in the Gulf of Siam comes to mind quite miraculous. The amoebas that move in his bowels loosen their mischief, when the young American of good family a fit of mystical longing. So filled with an insatiable desire Mitchell, the great harmony of body, mind and nature experience, and so the immediate physical needs as well to leave behind, like the unbearable banality of his fellow passengers. After he has healed himself with a rigorous fasting, Mitchell finally goes into the water, to finally become one with the paradise, the moon and the amoeba.
However, has other worries Wally Mars. His former secret love affair and Tomasina Genovese is driven by the relentless ticking of her biological clock, but men are suitable for the successful TV producer ever rarer. As you come in search of the ideal father of her future children a brilliant idea, but Wally is pretty ridiculous. Pregnancy Party of the other way when Tomasina the gentlemen present, which seem particularly suitable to want to ask a small genetic contribution. As Wally makes a virtue out of necessity and ultimately a pretender to the gene pool of Tomasinas planned advances should not be betrayed. This pleasure should not let the readers of Jeffrey Eugenides' short and highly imaginative stories missed.
Jeffrey Eugenides is a talented storyteller, which has enabled the reader of his novels, The Virgin Suicides, and especially the terrific enthusiasm justified in Middlesex. In these three short stories proves the American author who has been living and working in Berlin, his versatility and his keen sense of the surreal nuances of everyday stories. For all the irony denounced his characters never Eugenides, they remain in spite of their quirks and mystical impulses still familiar enough to act as a mirror image of their own experiences. Remains noticeable even under all the superficial humor a serious issue that goes beyond the obvious entertainment value of Eugenides' stories
This is just a tiny chapbook, a preview of the short story collection Fresh Complaint by the author of The Virgin Suicides and The Marriage Plot. It describes the end of a great, if unsettling, journey that a young Detroit man named Mitchell Grammaticus undergoes whilst fighting a losing battle with dysentery on an island off Bangkok. As readers learn more of Mitchell’s absorption into the writings of Ghandi and Saint Francis Xavier, they also learn how lost he seems to the outside world through his own letters home. These contain alarming snippets like, “…all matter is illusory…every one of Dad’s suits, even Mom’s plant hangers” (9) and a (sorry, no other way to say this:) batshit crazy anecdote about lepers in Bangalore. Mitchell fasts to rid himself of the illness, hoping to experience wellness but also ‘moksa,’ Sanskrit for “…total liberation from the body” (14). Though his hunger pangs dissipate into a “deeper, more complete peace” (19), his system rebels (I think) and we have an anti-Disney ending. I hadn’t read any JE before, but this makes me want to.
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Natürlich wollte ich Air Mail von Jeffrey Eugenides lesen. Schließlich hatte ich schon Middlesex, Die Selbstmord-Schwestern und Die Liebeshandlung von ihm gelesen. Dennoch rutschte mir der schmale Band mit den drei Kurzgeschichten immer wieder durch den SuB nach unten. Ich lese Kurzgeschichtenbände nicht so gern, einfach weil ich zu oft in Welten hinein- und hinausgerissen werden. Ja, das ist der Sinn von Kurzgeschichten, aber manchmal nervt es trotzdem, weil man eigentlich länger bleiben wollte. Das ist mir bei Air Mail, Die Bratenspritze und Timesharing nicht so gegangen. Man könnte jetzt in jeder dieser Geschichten ein dünnes, fadenscheiniges Haar in der Suppe finden, im Sinne von "zu esoterisch", "ein wenig moralisch abstoßend" oder "und jetzt?" - aber insgesamt waren Suppe und Einlagen (Plot, Setting, Charaktere) sehr gut erdacht und haben Freude beim Lesen gemacht. Diese leicht andersartigen Figuren des Autors bewegen sich in einer unfassbar oberflächlichen Welt, die sich in ihrem Erleben selbst ad absurdum führt. Klare Empfehlung, auch wenn es acht Jahre gedauert hat, bis ich es endlich gelesen habe.
Air Mail erzählt von der Unmöglichkeit der Kommunikation, von Grenzerfahrungen in fremden Ländern und im eigenen Bewusstsein. Die Bratenspritze beleuchtet das Ticken der biologischen Uhr einer modernen Amerikanerin aus dem Blickwinkel ihres abgelegten Liebhabers. Und Timesharing stellt auf erschreckende Art Wunsch und Realität gegenüber und sieht baufällige Architektur als Spiegel des alternden Körpers.
Eugenides versteht es wunderbar das Alltägliche mit dem Aussergewöhnlichen zu vermischen, seine Charaktere balancieren zwischen Vertrautem und Abgründigem, und das auch auf wenigen Seiten.
Im Nachhinein fällt mir auf, dass die erste Geschichte am wenigsten hängen geblieben ist, aber sie gefiel mir auch am wenigsten. Die dritte war für mich die stärkste Erzählung, vielleicht weil Eugenides hier recht eindrucksvolle Bilder genutzt hat.
One of the best, most succinct short stories I have ever read. Even before I had read Middlesex or even heard of Eugenides, I read this in a best short story collection and was blown away. It is a masterpiece. Even if you don't like his other work, read this.