Von seiner Mutter kann Johannes, der Defender, nichts erwarten, aber immerhin gibt es in seinem Leben Mimi Kaminski - Kioskbesitzerin, gute Freundin, unverheiratet, übergewichtig und schwer zuckerkrank. Und noch jemand glaubt an Defender, Hosianna, der zerstreute, belesene Menschenfreund, der ihm die Möglichkeit gibt, Bücher und vor allen Dingen sein eigenes Leben neu zu sortieren.
Der Tod des Vaters und Ehemannes, der Anruf des ehemaligen Geliebten, die Befreiung der Schwester aus der Psychiatrie, die Inszenierung der ersten Liebe - in den ""Geschichten aus der Mitte der Welt"" geht es um Momente, in denen die Weichen in einem Menschenleben gestellt werden.
Nach seinem erfolgreichen Roman ""Die Mitte der Welt"" legt Andreas Steinhöfel nun einen Band mit Erzählungen vor. Es sind Geschichten mit uns bekannten Helden aus dem erfolgreichen Roman, die geschickt miteinander verbunden sind. "
Born in 1962 in Battenberg, Germany, Steinhöfel now works as a translator and reviewer and writes screenplays. First and foremost, though, he is the author of numerous children's and young adult books awarded with various literature prizes. His bestseller "The Center of the World" was nominated for the well-known and prestigious German Youth Literature Prize and has been published in numerous countries worldwide.
Steinhöfel was awarded the Erich Kästner Prize in 2009, after Peter Rühmkorf, Loriot, Robert Gernhardt, and Tomi Ungerer. In the same year, he was also awarded several literary prizes for his work "Rico, Oskar und die Tieferschatten", including the German Youth Literature Prize, the Catholic Children's and Youth Literature Prize as well as the "Lesekünstler 2009" award by the Börsenverein Deutscher Buchhandel.
"Glück und Unglück haben ihre eigenen Gesetze, sie erschaffen ihre eigene Zeit. Glück dauert kaum länger, als jemand braucht um dir in die Suppe zu spucken. Das Unglück misst sich an der Zeit, die du benötigst, um diese Suppe mit einem Sieb wieder auszulöffeln."
Defender ist eine Kurzgeschichtensammlung die als Begleitung zu Andreas Steinhöfels Roman Die Mitte der Welt gelesen werden kann. Oder auch einfach nur so, denn die Geschichten sind nicht zusammenhängend. Oft können die Erzähler oder Hauptpersonen kaum zugeordnet werden (auf jeden Fall hab' ich da so meine Schwierigkeiten). Im Grunde haben viele von ihnen kaum etwas mit den Geschehnissen aus Die Mitter der Welt zu tun. Trotzdem gibt es einige Gastauftritte von bereits bekannten Charakteren. Wer nun aber neue Erkentnisse über Phils Zukunft oder Nicolas' erwartet, wird jedoch enttäuscht.
Die Kurzgeschichten sind äußerst vielfältig was Charaktere, Erzählweisen, Länge und zeitliche Einordnung angeht, doch haben sie alle eines gemeinsam: Steinhöfels unglaublich schönen Schreibstil. Es fällt so leicht, zwischen den Zeilen zu versinken und seinen Worten zu folgen. Er schafft es, die Welt in sein eigenes Licht zu tauchen und ihr eine Stimme zu verleihen, ohne den Boden unter den Füßen und somit die Wirklichkeit aus den Augen zu verlieren. Ich muss sagen, dass ich Andreas Steinhöfels Werken bis heute recht wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe und mich mehr mit ihnen auseinandersetzten sollte. Defender ist ein vollkommen gelungenes Werk.
Ich könnte jetzt einen ausgelutschten Satz wie "Wer "Die Mitte der Welt" liebte, wird auch "Defender" lieben" nutzen - ich könnte es aber auch sein lassen. Fakt ist, ich habe "Defender: Geschichten aus der Mitte der Welt", wie so viele andere, auch nur gelesen, weil ich mehr über die kleine Welt wissen wollte, die Steinhöfel in seinem bekannten Werk erschuf. Ich wollte mehr über Phils Reise nach Amerika, mehr über Nikolas und sein verschlossenes Wesen, mehr von Dianne und ihren nächtlichen Abenteuern. Ein weitere Fakt ist jedoch, dass man quasi nichts von all dem bekommt. Fast alle Figuren, die der Autor als Protagonisten für die acht in Defender enthaltenen Kurzgeschichten gewählt hat, sind, wenn überhaupt, nur Randfiguren aus der Mitte der Welt. Lediglich Kat ist ebenso präsent wie zuvor. Das alles macht aber gar nichts. Steinhöfel schreibt wie gehabt, wie gehabt gut. Die zahlreichen Details, die Kleinigkeiten, die sich Zeile für Zeile über den Leser ergießen und langsam zu einem großen Ganzen zusammenbauen, haben den selben Charme die wir schon in Phils kleiner Geschichte bewundert und geliebt haben.
Literarisch gekonnt werden hier die einzelnen Geschichten, mal mehr, mal weniger locker miteinander verbunden und geeint. Besonders die Kurzgeschichte "Interview" sticht dabei auf Grund ihrer besonderen Schreibweise hervor, ohne sich stilistisch oder inhaltlich zu weit von dem Gewohnten zu entfernen.
Ich glaube, Steinhöfel kennt die Jugend besser, als jene, die beruflich mit diesen zu tun haben. Vielleicht sogar besser, als diese sich selbst - das heißt, bis sie Steinhöfel gelesen haben.
hab das buch schon einmal vor drei jahren gelesen und hatte lust, es jetzt nochmal zu lesen:) in dieser kurzgeschichtensammlung aus der welt rund um steinhöfels roman „die mitte der welt“ geht es vor allem in jeder einzelnen geschichte um glück, um das heldsein und herkunft - alles themen, die auch in dmdw sehr stark repräsentiert sind und von denen steinhöfel in seinem schreibstil und der art, wie er zusammenhänge und schleifen schafft, so wunderbar erzählt. ich hätte so gern eine genaue interpretation davon, welche erzähler und welche figuren aus dmdw mitwirken. einige sind ja klar, die anderen wären aber noch interessanter:)
Sehr gut und sehr lesenswert! Man hört nicht Steinhöfel erzählen, sondern Dennis, Kora, Kat, Luka, Merle und den Defender. Jede Stimme anders und authentisch. Jede Geschichte durch feine, oft kaum erkennbare Verzweigungen mit "Die Mitte der Welt" verbunden. Deswegen kann man "Defender" auch lesen ohne DMdW zu kennen. Dann wird man bestenfalls neugierig auf diesen Roman und hat das Glück ihn noch vor sich zu haben. :)
Bloß meine leise Hoffnung, auch genaueres von Nikolas zu erfahren, wurde nicht erfüllt. Aber das nur so am Rande. Diejenigen, die DMdW kennen, wissen was ich meine.
Geschichten aus der Mitte der Welt trifft zu, aber irgendwie habe ich mir mehr versprochen. Die meisten Figuren kennt man irgendwie aus Phils Erzählungen und doch haben für mich entscheidende Erzählperspektiven gefehlt. Ich hätte beispielsweise gerne gewusst, wie es mit Nicholas weiter geht oder eine Anekdote aus Dianas Perspektive. Trotz allem waren es Einblicke in ganz verschiedene Köpfe und Leben. In der Mitte der Welt erwähnt Phil mehrfach, dass die 'kleinen Leute' alle auf sie herabschauen und so viel besser zu sein denken, aber Defender zeigt eigentlich das genaue Gegenteil. Jede Familie hat eben ihre eigenen kleinen Probleme und das ist auch gut so.
i actually loved the stories... that's the reason i finished the book although i'm actually not a big fan of short stories with their open endings... but i couldn't stop reading so i guess steinhöfel did a real good writing job again.. *lol*
Defender ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von Andreas Steinhöfel. Der Untertitel, Geschichten aus der Mitte der Welt, nimmt Bezug auf dessen Roman Die Mitte der Welt. Es sind kürzere und längere Erzählungen über einzelne Charaktere, die auch in Die Mitte der Welt vorkommen, und sie spielen in derselben Stadt. Einige davon hat man nur als Randfiguren oder Schattenrisse wahrgenommen, nun beleuchtet Steinhöfel sie erneut und schenkt ihnen eine eigene Geschichte. Bei einigen meint man, es wäre auch wert gewesen, ihnen einen eigenen Roman zu geben, genug zu erzählen gäbe es. Man möchte mehr erfahren, zu schnell rinnen einem die Erzählungen und die nicht ganz 200 Seiten durch die Finger. Man freut sich über das Wiedersehen, aber es ist nur ein kurzer Moment, man wünscht sich länger bleiben zu können. Hier sind zwei Gründe dafür in Form von Zitaten. Gedanken zur gescheiterten Beziehung zweier schwuler Jugendlicher:
Er machte sich schrecklich viele Gedanken. Nicht zuletzt bereitete ihm das Phänomen der Liebe als solches unendliches Kopfzerbrechen. Der Blödmann musste einfach für alles eine Erklärung finden, um nachts ruhig schlafen zu können, und ich versuchte umsonst ihn davon zu überzeugen, dass es für die Liebe nun mal keine Erklärung gibt. Wenn sie zuschlägt, schlägt sie zu. Die Gefühle übernehmen die Zügel und lassen den Verstand meilenweit hinter sich. Jeglicher Widerstand ist zwecklos oder macht die Sache nur noch schlimmer. (S.64f.)
Die Lebensphilosophie von einem, der versucht, sein Schwester mit Gewalt aus der Psychiatrie zu befreien:
Manche Leute haben Glück, andere haben von Anfang an Pech. Und jetzt kommt's: Diejenigen, die Glück gehabt haben, flippen manchmal wegen irgendeiner Kleinigkeit aus, verstehen sie? Während die, die so viel Pech gehabt haben, heilig gesprochen werden für ihre vorbildliche Lebensführung. Keiner weiß, warum das so ist. Vielleicht sind die mit dem Pech einfach die besseren Drachetöter. Schließlich kennen sie sich in der Hölle schon aus. (S.120)
Ein kurzes Buch mit einer ungeheuren Wucht! Steinhöfel schafft es so lebendige wie arme wie starke Charaktere zu erschaffen. Sie gehen weit über "Die Mitte der Welt" hinaus und zeigen, dass jede "Randfigur" (sofern man das bei Steinhöfel so nennen kann)doch seinen eigenen Kampf durchlebt. Wahnsinnig gut geschrieben, berührend, ich habe keinerlei Kritik. Der Schreibstil ist auf einem hohen Niveau und durchaus poetisch. Traumhaft traurig und doch Mut machend!
Ich mag Steinhöfels Schreibstil sehr gerne und so sind alle Geschichten wirklich gut geschrieben, inhaltlich waren sie für mich jedoch recht durchwachsen. Besonders die Geschichten in der Mitte des Buches konnten nicht mehr so ganz mithalten. Das Buch lohnt sich als Ergänzung zu "Die Mitte der Welt" dennoch, besonders da es aktuell wirklich günstig zu erwerben ist.