Weil die Arbeit sie häufig nach Berlin führt, entschließen sich Sonja und Dieter Moor schweren Herzens, ihren liebevoll aufgebauten Bauernhof in der Schweiz aufzugeben und sich in Brandenburg etwas Neues zu suchen (zum Entsetzen vieler Freunde, die sich fragen, wieso man ausgerechnet dorthin ziehen sollte, von wo viele Einheimische nur zu gerne abhauen).
Nach etlichen Fehlschlägen verkündet Sonja eines Tages jubelnd, die perfekte Bleibe gefunden zu haben. Dieter verlässt sich darauf, dass sie eine gute Wahl treffen wird, und stimmt unbesehen dem Kauf zu. Als er dann mit vollgepacktem Transportanhänger vor dem neuen Heim in einem winzigen brandenburgischen Kaff, das ausgerechnet Amerika heißt, anhält, ist er allerdings einigermaßen entsetzt. Ein hässliches Haus mit einem gefängnisartigen Hoftor und heruntergekommenen Nebengebäuden, und die Vormieter sind entgegen der Abmachung auch noch nicht komplett ausgezogen.
Nach dem ersten Schrecken und dem Abmarsch der Vorbesitzer lässt er sich jedoch von Sonjas unbändigem Optimismus anstecken und ist trotz aller Hindernisse bereit, das Beste draus zu machen. Manchmal ist das leichter gesagt als getan, wenn etwa der Fuchs seinen Tribut fordert, auf einem Feld in der Nähe eine lärmige Technoparty stattfindet oder auch, wenn sich Waltraut vom Dorfladen beharrlich weigert, Frischmilch ins Sortiment aufzunehmen. Aber schließlich sind die Moors irgendwann tatsächlich auf dem besten Wege, echte "Amerikaner" zu werden, die auch von der heimischen Bevölkerung anerkannt sind.
Dieter Moor trifft in diesem autobiographisch gefärbten Buch genau den richtigen Erzählton zwischen Humor, Ernsthaftigkeit und geradezu poetischen Naturschilderungen.
Mit viel Selbstironie nimmt er den "kleinen Schweizer" auf die Schippe, seinen inneren peniblen Bedenkenträger, der sich immer dann zu Wort meldet, wenn gerade mal wieder etwas schiefläuft und Gelassenheit gefordert wäre. Auch bei der Schilderung von Land und Leuten schlägt er humorvolle Töne an, begegnet den Dorfbewohnern trotz aller Skurrilitäten dabei aber sympathischerweise immer mit viel Respekt. Dass die teilweise wirklich schrägen Figuren hier nicht zur dorfdeppigen Lachnummer verkommen, rechne ich Moor hoch an, und auch seine Einstellung zur Natur und Tierhaltung gefällt mir sehr.
Das Abenteuer "Biohof in Brandenburg" vom ersten vorsichtigen Beäugen der Örtlichkeiten bis hin zu der Feststellung, wie gut man sich inzwischen integriert hat, begleiten zu können, hat mir großen Spaß gemacht und mich auf charmante Art häufig zum Lachen gebracht (was schon etwas heißen will, denn viele "lustige" Bücher sind mir zu platt oder gewollt auf witzig gebürstet).