Jess Koster, eine junge erfolgreiche Staatsanwältin in Chicago, fühlt sich verfolgt. Wer ist der Mann, dessen Gesicht ihr aus jeder Menschenmenge entgegenstarrt? Und welche Verbindung gibt es zu dem Angeklagten, dem sie gerade eine brutale Vergewaltigung nachweisen will? Oder bildet sich Jess das alles nur ein?
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Ehrlich gesagt, ist das Buch nicht von Seite 1 aus spannend und so fesselnd, dass man es bis zum Ende lesen möchte. Ich persönlich brauchte 100-150 Seiten, um mit dem ganzen Schreibstil, der Geschichte und den Charakteren, die vorgestellt wurden, klarzukommen und mich einzufinden. Für alle, die den Schreibstil bzw das Genre von Joy Fielding nicht kennen; sie schreibt Romane. Aber keine young adult Romane, die eine tiefgründige Liebesgeschichte enthalten und bei denen am Ende alles super wird, sondern eher eine reife Version - würd ich behaupten.
Sie braucht leider relativ lange, um Spannung aufzubauen, was ziemlich schade ist, weil es zum Ende hin wirklich toll geschrieben ist und man dran bleiben möchte - aber wer bleibt bis zum Ende, wenn der Anfang abschreckt?
Zum Nachteil von Joy Fielding wurde sie mir mit den größten Tönen empfohlen, aber irgendwie scheint es so, als hätte man nicht von diesem Buch gesprochen. Keine Frage; die Idee ist super, die Charaktere entwickeln sich über die Kapitel hinweg weiter und es ist toll zu beobachten, welche Fortschritte gemacht werden, aber der Anfang ist so unfassbar langweilig, dass man beim lesen der Zeilen einschlafen könnte. Die ersten 100 Seiten beinhalten quasi nur das, was man bereits im Klappentext gesagt bekommt. Das ist leider eine ziemlich schwache Leistung und hätte man auch stark abkürzen können, um zum Punkt zu kommen. Mich als Leserin hat nur der Fakt, dass ich das Buch zu Weihnachten bekommen habe, am lesen gehalten bis ich an dem Wendepunkt angekommen bin.
Ab Seite 150 wurde das Buch gut, ja, sogar spannend. Ich habe es ab da gerne gelesen, die Seiten nur so verschlungen und war gespannt, was nun passieren würde. Meiner Meinung nach hätten die Dinge, die passiert sind, mit einer stärkeren Intensität geschrieben werden können. So war es doch etwas flau im Gegensatz zu den Büchern, die ich vorher gelesen habe.
Das Ende ist trotzdem einigermaßen unvorhersehbar, aber es ist auch schwer sich darauf einzulassen. Trotz allem wurden die Seiten mit Talent gefüllt und das merkt man. Nicht jeder kann Verbrechen so „harmlos“ darstellen, wie Joy Fielding es getan hat. Wer also ein wenig Mord/Totschlag/Entführung oder andere Kapitalverbrechen lesen möchte, aber Details nicht ab kann, für den ist Joy Fielding vermutlich die richtige Autorin.
Sie kann nichts dafür, dass wie sie schreibt nicht mein Stil ist, denn das Buch ist alles in allem trotzdem in Ordnung bis gut. Das Ende und die letzten 200 Seiten haben es für mich rausgerissen, sodass ich 4 Sterne vergeben konnte.
⭐️4/5