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Die Kriminalistinnen #1

Der Tod des Blumenmädchens

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Ein facettenreicher zeitgeschichtlicher Kriminalroman und das mitreißende Porträt einer jungen Frau in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs.

Düsseldorf, 1969:
Erstmals werden Frauen zu Kriminalbeamtinnen ausgebildet – ein Novum, das Widerstände in der Behörde und der Bevölkerung hervorruft. Die zweiundzwanzigjährige Lucia Specht lässt sich davon nicht abhalten. Sie ist fasziniert vom Beruf der Kriminalistin und fest entschlossen, der Enge ihrer Heimatstadt zu entkommen. Als ein junges Hippiemädchen brutal ermordet wird, nimmt sich Lucia unter Mithilfe ihrer Kolleginnen des Falls an – und beweist, dass sie das Zeug zur Ermittlerin hat.

386 pages, Kindle Edition

Published April 20, 2023

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Mathias Berg

16 books

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Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Janine.
1,512 reviews21 followers
December 27, 2025
Düsseldorf, 1969 – eine Zeit des Umbruchs: Zum ersten Mal werden Frauen zu Kriminalbeamtinnen ausgebildet. Allein diese Ausgangslage hat mich direkt neugierig gemacht. Ich bin sehr gut in die Geschichte hineingekommen und fand Lucia als Hauptprotagonistin von Anfang an sympathisch. Ihre Entschlossenheit, sich nicht von Widerständen in einer klaren Männerdomäne aufhalten zu lassen, hat mich beeindruckt. Besonders schön fand ich, dass nicht nur Lucia, sondern auch die anderen Frauen Raum bekommen und man sie auf einer persönlichen Ebene kennenlernen darf.
Der Autor fängt den Zeitgeist der späten 60er-Jahre sehr gelungen ein. Man spürt die gesellschaftlichen Spannungen und den Wandel, vor allem in Bezug auf die Rolle der Frau. Themen wie Gleichberechtigung, Vorurteile und die vielen Einschränkungen, denen Frauen damals ausgesetzt waren, stehen klar im Mittelpunkt und machen einen großen Reiz der Geschichte aus.
Der eigentliche Kriminalfall und die Ermittlungsarbeit waren durchaus interessant, für mich persönlich aber eher nichts Besonderes und rückten stellenweise in den Hintergrund. Das hat mich jedoch nicht gestört, da die Stärke des Romans ganz klar in den Figuren und der historischen Atmosphäre liegt. Insgesamt ist es für mich eine stimmige Mischung aus Kriminalroman und gesellschaftlichem Zeitporträt. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und kann es euch definitiv weiterempfehlen – besonders, wenn ihr historische Krimis mit starken Frauenfiguren mögt.
Profile Image for alex_buchgeplauder.
565 reviews9 followers
September 25, 2023
60er Jahre Krimi mit Frauenpower
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Der Krimi „Die Kriminalistinnen: Der Tod des Blumenmädchens“ nimmt uns mit auf eine Zeitreise. Es geht zurück ins Jahr 1969. In Düsseldorf sind damals zum ersten Mal Frauen bei der Polizei ausgebildet worden. Mathias Berg strickt um den realen Hintergrund eine fiktive Story. Im Mittelpunkt steht die 22-jährige Lucia Specht, die als angehende Kriminalistin in ihrem ersten Fall ermittelt. Es gilt, den Mord an einem Hippiemädchen aufzuklären.
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Das zeitliche Szenario ist perfekt und hochinteressant ausgearbeitet. Hochinteressant. Als Kind der 70er habe ich viel wiedererkannt. Zum Beispiel haben mir der Charme von Schnittchen-Platten und Telefonen mit Drehwahlscheibe ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Gut beschrieben sind auch die Reaktionen der Gesellschaft darauf, dass Frauen in eine bis dato reine Männerdomäne eindringen. Manche belächeln den „Versuch“, der in ihren Augen eh keine Zukunft hat. Andere reagieren mit verständnislosem Kopfschütteln. Und so mancher Kollege vom alten Schlag begegnet den Frauen sogar mit offener Feindseligkeit. Zum Glück trifft Lucia aber auch auf nette Exemplare der Spezies Mann. Charaktere wie Italo-Toni und Otto Hagedorn mochte ich sofort. Hier hat Mathias Berg auch noch ein nettes Easteregg für seine Leser eingearbeitet, denn Otto ist kein Unbekannter. Ihm ist man bereits als routiniertem LKA-Ermittler in den Krimis „Der Preis der Rache“ und „Der Lohn des Verrats“ begegnet. In den Kriminalistinnen trifft man nun auf sein jüngeres Ich. Eine nette Querverbindung unter den Büchern, wie ich finde.
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Der Auftakt der Kriminalistinnen-Reihe verströmt den Charme der späten 60er. Dass Frauen einen Beruf ausüben war damals allgemein noch unüblich und von der Gunst der Männer abhängig. Angesichts des Zeitgeists von Damals rückt der Fall gefühlt fast ein bisschen in den Hintergrund. Zuweilen rücken das Privatleben und die persönlichen Dramen Lucias und ihrer Kolleginnen sehr in den Vordergrund. Aber natürlich wird auch immer wieder der Bogen zu den Ermittlungen geschlagen. Da beweist Lucia dann, was in ihr steckt. Nicht unwichtig ist dabei ihre Motivation. Lucia ist durch den mysteriösen Tod ihrer Mutter geprägt. Auch wenn Ihr Vater und Bruder strikt gegen ihren beruflichen Umschwung von der Sekretärin zur Kriminalistin sind, setzt sie ihren Willen durch. Ihr erklärtes Ziel ist es, den Tod ihrer Mutter aufzuklären.
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Die Kriminalistinnen-Reihe ist auf drei Bände angelegt. Das entspricht den drei Ausbildungsjahren, die Lucia durchläuft. Ich freue mich schon auf ihre weiteren Erlebnisse bei der Polizei. Richtig gespannt bin ich natürlich, wie es in ihrem ganz persönlichen Fall weitergeht.
Profile Image for Marie.
214 reviews15 followers
April 30, 2023
,,Und es wäre ihm lieber gewesen, du wärst krachend gescheitert. Natürlich wollte er das. Aber du hast dich bewährt."

Lucia muss mit vielen Widerständen umgehen, als sie ihren Sekretärinnen-Job aufgibt und sich gemeinsam mit wenigen anderen Frauen in den 1960er Jahren als Kriminalistin ausbilden lässt. Damit zählt sie zu den ersten in Deutschland überhaupt - und trifft bei einigen männlichen Kollegen auf wenig Gegenliebe. Doch viel Zeit zum Grübeln bleibt ihr nicht. Denn schon kurz nach Beginn des praktischen Ausbildungsteils wird sie zu einem Wohnungsbrand gerufen. Vor Ort finden Lucia und Kollege Otto ein totes Hippiemädchen. Und obwohl ihr Chef Potthoff dem Fall wenig Aufmerksamkeit zu Teil werden lässt, ist Lucia fest entschlossen, den Tod des Blumenmädchens nicht als missglückten Wohnungseinbruch ad acta zu legen.

Wie Titel und Setting schon vermuten lassen, ist Mathias Berg dritter Roman - der erste in der Reihe um die nordrhein-westfälischen Ermittlerinnen - eine Homage an die 60er Jahre. An vielen Stellen fließt Zeitgeschichtliches ein: Telefonieren in der Telefonzelle, der Dienst-Käfer vor dem Polizeipräsidium, die allgegenwärtigen Kommunen. Das wird recht stimmig in den Roman eingebunden. Die Frauen bei der Düsseldorfer Kriminalpolizei gab es übrigens tatsächlich, 1969 wurde das Pilotprojekt ins Leben gerufen und die 14 Anwärterinnen landeten glatt im SPIEGEL, wie auch Lucia und ihre Kolleginnen zu Beginn des Krimis.

Doch auch ernste Themen dieser Zeit lässt der Autor nicht außen vor: Die Fragen nach dem (sexuellen) Selbstbestimmungsrecht der Frau in der Ehe, nach illegalen Abtreibungen und ihren Folgen und den Stand der Frau in den vermeintlich schon fortschrittlichen 60er Jahren werden genauso gestellt. In dieser Tiefe hatte ich das nicht erwartet. Denn zu Beginn liest sich "Der Tod des Blumenmädchens" wie einer der vielen Feel-Good-Krimis, die gerade zu verschiedene Abschnitten der deutschen Geschichte auf den Markt kommen. Die Lektüre ist dennoch leicht, scheut sich aber nicht davor, die ernsten Themen anzusprechen. Ein kleiner Wermutstropfen: Leider ist innerhalb der Romanhandlung nur für eine recht oberflächliche Auseinandersetzung Platz.

Schade ist allerdings, dass der Fall um die ermordete Lena oft mal zu Gunsten der Figurengestaltung in den Hintergrund rückt. Wir erfahren ziemlich viel über Lucias Familiengeschichte, ihr Liebesleben, Flirt mit Kollegen und Freundschaften. Das macht die Figur auf der einen Seite sehr nahbar (zumal aus der Ich-Perspektive erzählt wird). Es führt aber auch dazu, dass es manchmal ganze Kapitel gibt, die für die eigentliche Handlung wenig relevant sind. Hier zeigt sich deutlich: Der Roman ist als Beginn einer Buchreihe angelegt. Deswegen soll sich der Leser bitte mit Lucia identifizieren. Das Ende , in dem noch einiges offen gehalten wird, tut sein Übriges.

Überraschend war dann aber doch, wie spannend das Buch wurde, als die Auflösung näher rückte. So viel interessante Szenen in unterschiedlichen Settings hätte ich gar nicht erwartet. Klar, auch hier spielt der Autor mit Klischees und ist vielleicht - insbesondere beim Schildern der Hippie-Party - ein kleinen wenig drüber. Insgesamt war ich aber davon überrascht, wie interessant die Handlung im Verlauf des Romans noch wird. In der Form hatte ich das nicht erwartet und flog nur so durch die Seiten, als es endlich um die eigentliche Ermittlung ging.
231 reviews
May 20, 2023
In seinem Kriminalroman ,, Die Kriminalistinnen-Der Tod des Blumenmädchens" nimmt der Autor Mathias Berg den Leser mit ins Jahr 1969, als in Düsseldorf ein Versuch startet. Sechs junge Frauen dürfen als Quereinsteiger zur Kriminalistin ausgebildet werden. Die 22 jährige Lucia Specht ist gelernte Sekretärin und hat ihre ganz persönliche Motivation aus diesem Leben auszubrechen und Kriminalistin zu werden .

Für Frauen war vieles noch nicht so selbstverständlich wie heute. Sie hatten in den Augen vieler Männer ihren Platz in der Küche, bei der Kindererziehung oder wenn der Ehemann es erlaubte , eine Arbeit z. Bsp. als Sekretärin, Verkäuferin oder Friseurin. Doch die Flower-Power - Bewegung ist auch in Düsseldorf angekommen, kritsch beäugt.

Die jungen Frauen werden in ihrer ersten Praxisphase auf die verschiedenen Bereiche der Kriminalpolizei verteilt. Lucia kommt zur Mordkommission, wo sie dann auch gleich am ersten Tag zu einem Fall gerufen wird. Mit ihrem Vorgesetzten Potthoff, der mit Frauen in ,, seiner " Domäne " gar nicht einverstanden ist., wird sie in die Wohnung der toten Lena gerufen. Schnell soll der Fall als Suizid oder Raubüberfall mit Todesfolge abgeschlossen werden. Doch Lucia spürt, daß hinter der toten jungen Frau, die der Hippie-Szene angehört, mehr steckt. Sie beginnt ,ihre Sinne zu schärfen und traut sich, hinter dem Rücken ihres Vorgesetzten alleine Ermittlungen durchzuführen, sie entdeckt Verstrickungen und hat manches Hindernis zu überwinden. Trifft auf Menschen, die es ehrlich mit ihr meinen ? Wird sie erfolgreich sein? Kann sie die Vorurteile der Männer widerlegen und sich in ihrem neuen Beruf behaupten?

Für mich hat Mathias Berg den Zeitgeist der damaligen Zeit perfekt eingefangen. Der Leser erhält durch Schilderungen des privaten Lebens der jungen Frauen Einblick in verschiedene Gesellschaften. Man ging in Bars, zum Tanzen, Mittagessen in der Gaststätte bei Rosi. Die 6 Anwärterinnen werden schnell auch Freundinnen, so daß man auch aus dem privaten Bereich einiges erfährt.

Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und bildhaft. Ich sehe Lucia vor mir, wie sie sich Kleid zum Ausgehen kauft oder mit einem Verehrer zum Essen ausgeführt wird. Ebenso höre ich den Dienstwagen, einen VW- Käfer, über die Straße düsen. Besonders gut hat mir der Besuch der Hippie- Veranstaltung gefallen. Blumenketten und eine besondere Atmosphäre mit speziellem Geruch und Getränk.

Der Autor hat die Vorurteile gegenüber Frauen , sowohl gesellschaftlich , beruflich als auch im privatem Umfeld, authentisch dargestellt. Auch der Gegenwind, den die jungen Frauen ertragen müssen, ist realistisch beschrieben und spürbar.

Mich hat diese Geschichte über die Anfänge von Kriminalbeamtinnen durchgehend gefesselt, die Spannung steigerte sich zum Ende nochmals. Es war so spannend, daß die Seiten nur so flogen und ich das Buch nicht weglegen konnte , bevor ich das Ende kannte.

Ich freue mich schon auf einen neuen Fall , den Lucia mit ihren Kolleginnen und Kollegen hoffentlich aufklären darf.

Diesen äußerst gelungenen Roman empfehle ich von ganzem Herzen weiter, denn mich hat die Geschichte begeistert.
Profile Image for Tinstamp.
1,149 reviews
April 7, 2024
Ich muss zugeben, dass mich bereits das tolle Cover richtig gecatcht hat. Man erkennt sofort, dass der Kriminalroman in den späten sechziger und siebziger Jahren spielt. Die sehr untypische Farbgebung hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt, genauso wie der Klappentext. Die Düsseldorfer Polizei wagt im Jahre 1969 ein "Experiment". Erstmals werden Frauen als Kriminalbeamtinnen ausgebildet.
Lucia Specht ist eine der sechs Anwärterinnen. Sie landet im Morddezernat bei Potthoff, dem erfolgreichsten, aber auch gefürchtesten Chef. Dieser zeigt Lucia auch sofort, dass er mit der neuen Konstellation nicht zufrieden ist. Frauen hätten im Polizeidienst nichts verloren. Kaum angekommen, wird Lucia gemeinsam mit ihrem Kollegen Otto zu ihrem ersten Einsatz gerufen. Die junge Studentin Lena Malberg ist bei einem Wohnungsbrand ums Leben gekommen. Der Fall erregt wenig Aufmerksamkeit, doch Lucia glaubt nicht an Selbstmord oder einen Raubüberfall. Sie ist entschlossen den Tod des Blumenmädchens aufzuklären.

Matthias Berg hat die historische Tatsache, dass erstmals Frauen für den Kriminaldienst zugelassen werden, zum Anlass für seinen Kriminalroman genommen. Der Schreibstil ist sehr bildhaft. Man spürt die Zeit, die er beschreibt, in allen Bereichen. Die bunte Kleidung (die im Moment teilweise wieder in Mode ist), Kommunen, Studentenstreiks, Musik, die Pille, Demonstrationen auf der einen Seite und die Stellung der Frau als unmündige Person, die nur mit der Genehmigung ihres Ehemannes einen Beruf ausüben darf und für die im Kopf der Männer noch immer Kinder, Küche und Kirche an erster Stelle stehen.
Umso spannender ist es auch, wie sich Lucia und ihre Kolleginnen in ihrem neuen Job als Kriminalbeamtinnen fühlen. Die meisten sind engagiert und man spürt auch den Zusammenhalt untereinander. Befremdlich fand ich, dass die Damen alle noch in ihrer eigenen Kleidung ermitteln mussten und deshalb oftmals von den Menschen noch weniger respektiert wurden. Wie anders dies heute ist - Gott sei Dank!

Der Autor baut einige falsche Fährten ein, in die ich getappt bin. Die Figuren sind bis hin zum kleinsten Nebencharakter sehr authentisch dargestellt. Wir erfahren einiges über Lucias Familiengeschichte, ihr Liebesleben und Freundschaften, die sie am Arbeitsplatz schließt. Dadurch rückt der Kriminalfall allerdings etwas in den Hintergrund. Ich denke, Matthias Berg hat mit dem Tod des Blumenmädchen den Beginn seiner Buchreihe angelegt und lässt uns Lucia deshalb auch besser kennenlernen, als oftmals bei Krimis üblich ist. Allerdings hat mir Lucia zuviel eigenmächtig ermittelt, was leider sehr oft in Thriller und Krimis vorkommt und mich immer wieder stört.
Trotzdem war dieser Krimi aus den späten Sechziger Jahren richtig interessant und vorallem zum Schluss hin wird es sehr spannend. Das Ende schreit nach einer Fortsetzung, die ich auf jeden Fall wieder lesen möchte!

Fazit:
Matthias Berg hat mit "Der Tod des Blumenmädchens" eine tolle Mischung aus Zeitreise und Kriminalfall geschrieben, die mir sehr gut gefallen hat. Ich hoffe der Autor plant wirklich eine Reihe, denn diese möchte ich sehr gerne weiter verfolgen.
37 reviews2 followers
October 14, 2024
Inhalt: Düsseldorf 1969. Lucia Specht, 22 J., gehört zu den ersten Frauen, die zu Kriminalbeamtinnen ausgebildet werden. Als ein Hippiemädchen ermordet wird, nimmt sich Lucia mit Hilfe ihrer Kolleginnen des Falls an. Schnell stößt sie auf Ablehnung gegen das Novum weiblicher Ermittler sowohl innerhalb der Behörde als auch in der Bevölkerung. Wird es ihr gelingen, sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen und den Mörder zu finden?

Schreibstil: Ich-Perspektive (Lucia), Präteritum - gradlinig, unkompliziert, gespickt mit schönen Sprachbildern

Meine Meinung: Im Mittelpunkt dieses Krimis steht für mich nicht der Mordfall und die Ermittlungsarbeit der Kripo, sondern die Entwicklung einer jungen Frau, die fest entschlossen ist, die Enge ihrer Heimatstadt zu verlassen und sich zu einer der ersten Kriminalistinnen Deutschlands ausbilden zu lassen. Der vom Autor gewählte Ich-Erzähler ist glaubwürdig und lässt mich in Lucias Gedanken und Gefühle eintauchen. So wird die junge Frau mir sehr sympathisch, denn in der Männerdomäne (Kripo) stößt Lucia auf Vorurteile, Ablehnung und Diskriminierung, lässt sich jedoch nicht von ihrem Ziel abbringen und wächst an den Herausforderungen.

Mit Lucias Kolleginnen vertieft der Autor das Frauenbild der 60er/70er Jahre und erinnert die Leserschaft an die Stellung der Frau in dieser Zeit, z. B. schrieb das Bürgerliche Gesetzbuch vor, dass Frauen eine Erlaubnis von ihren Männern benötigten, um einer Arbeit nachzugehen.

Das Setting in diesem Krimi hat mich besonders eingenommen. An passenden Stellen streut der Autor Hinweise auf zeitgenössische Stars und Schlager, Mode, Mörder, Marken und mehr ein und kreiert so ein wundervolles Retro-Ambiente, ohne das Erzähltempo und die Spannung zu drosseln. Auch die Liebe hat ein wenig Raum erhalten, und zwar mit dem Love Interest Eric. Die Szenen tragen zwar nicht zur Lösung des Falls bei, sind aber Lucias Charakterentwicklung dienlich.

Der Spannungsbogen ist anfangs sanft gespannt und zieht im ca. letzten Drittel des Krimis an. Nun ermittelt Lucia intensiv in einem Wettlauf gegen die Zeit. Zusätzliche Spannung bringt der Fall ihrer Mutter ins Spiel. Lucias Mutter wurde ermordet, der Täter nicht gefasst, die Akte geschlossen. Lucia ist jedoch fest entschlossen, den Mörder zu finden. Dies geschieht nicht in diesem Krimi und wird hoffentlich in Band 2 fortgesetzt.

Sprachlich kommt der Roman gradlinig daher und hat mich oft mit schönen Sprachbildern wie Vergleichen, z. B. „… ich sah, wie sich in seinem Gesicht die Erkenntnis ausbreitete wie verschüttete Tinte.“ (S. 103) erfreut.

Eine kleine Frage blieb für mich offen, was aber an meiner eigenen Unzulänglichkeit liegen mag..

Fazit: Zeitgeschichtlicher Krimi mit sanfter Spannung, der durch sein einzigartiges Setting besticht.

Empfehlung an Krimi-Leser, deren Hauptaugenmerk nicht auf brutalen Morden und der Ermittlungsarbeit der Kripo liegt, sondern die bereit sind, sich vom Retro-Flair verführen zu lassen und Freude daran haben, in die Geschichte der späten 60er Jahre einzutauchen.
Profile Image for Wal.li.
2,646 reviews73 followers
April 21, 2024
An die Arbeit

Das ist kein Spruch, den junge Frauen im Jahr 1969 allzu oft zu hören bekamen. Und so sind Lucia Specht und ihre Kolleginnen die ersten, die in Düsseldorf eine Ausbildung bei der Kriminalpolizei beginnen. Nicht alle ihre männlichen Kollegen sind von den Azubis begeistert, obwohl diese mit Feuereifer bei der Sache sind. Lucia ist gerade dem Mord zugeteilt. Als eine junge Frau tot in ihrer Wohnung gefunden wird, kommt Lucia mit an den Start. Lucia merkt, dass ihre Arbeit nicht so einfach ist. Die Verstorbene ist die erste Leiche, die sie in der Ausbildung zu sehen bekommt. Sie wird aber nicht schlappmachen.

Bei ihrem ersten Fall bekommt der neue Ausbildungsgang von weiblichen Kriminalistinnen es mit der rauen Wirklichkeit zu tun. Wer sollte ein Motiv haben, eine junge Studentin zu töten. Lucia, ihre erfahrenen männlichen Kollegen und auch ihre neuen Kolleginnen steigen voll in die Ermittlungen ein. Nicht nur bei der Arbeit ist alles neu. Die jungen Frauen müssen auch feststellen, dass sie nicht immer von allen erstangenommen werden. Sogar einige Kollegen meinen, diese weiblichen Auszubildenden werden der einzige Jahrgang seiner Art bleiben. Doch gerade Lucia, die durch eine besondere Motivation zu ihrer Ausbildung bewogen wurde, macht sich besser als anzunehmen war.

Damals ist noch nicht so lange her. Heute nicht mehr vorstellbar, dass Frauen, die eine Ausbildung machen, eine Ausnahme sind. Es ist beeindruckend zu lesen, wie sich die Mädels durchbeißen müssen mit einer Sache, die heute selbstverständlich ist. Und dann noch das Problem mit den Ehemännern, die - sofern vorhanden - ihnen einen Strich durch die Rechnung machen können. Lucia Specht ist noch nicht verheiratet. Leichtfüßig, aber nicht leichtsinnig, verlässt sie Vater und Bruder, die in erster Line eine Köchin verlieren. Lucia ist sich bald sicher, dass sie die richtige Berufswahl getroffen hat. Sie merkt allerdings auch, dass ihr nicht alles zufällt und auch die Widerstände der anderen sind nicht ohne. Von den Veränderungen, die Lucia, ihre Kolleginnen und Kollegen durchmachen, zu lesen, ist toll. Auch der Fall wirkt sehr realistisch, auch wenn man den Eindruck hat, dass nicht jedes Geheimnis gelüftet wird. Ein sehr stimmiger Start einer neuen Reihe von zeitgeschichtlichen Kriminalromanen.

Das Cover des Hörbuchs ist mehr auf die Kriminalistinnen abgestimmt und unterscheidet sich von Buchcover. Sehr stimmig gelesen wird der Roman von Regine Lange.
108 reviews
May 8, 2023
Der Kriminalroman "Die Kriminalistinnen: Der Tod des Blumenmädchens" von Mathias Berg lädt die Leser:innen auf eine Zeitreise ein. Es geht in die 60er Jahre, eine Zeit, die einerseits ja noch eher nahe ist, ja eigentlich noch Zeitgeschichte, was ja eher früh ist für einen historischen Roman, die andererseits aber doch signifikante Unterschiede aufweist zur Gegenwart. Denn: Für Frauen war vieles noch nicht selbstverständlich, was in dem Buch zum Thema gemacht wird. Die Düsseldorfer Polizei wagt ein Experiment und bildet sechs Frauen im Quereinstieg zu Kriminalbeamtinnen aus - eine historische Tatsache, auf die sich der ansonsten fiktive Roman stützt. Lucia Specht (22) ist eine von ihnen. Während ihre Kolleginnen sich mit Wirtschaftskriminlaität, Drogen und ähnlichem beschäftigen, landet Lucia bei,m Morddezernat. Ihr erster Fall - der Mord der jungen Studentin Lena Malberg - stellt die junge und sympathische Protagonistin und ihre Kolleginnen in der männerdominierten Kriminalpolizei vor viele Herausforderungen und Hindernisse. Lucia hat mit Männern zu kämpfen, die eine Frau lieber hinterm Herd sehen, Frauen, die ihren eigenen Lebensentwurf durch solche Vorstöße bedroht sehen, aber auch vielen Vorbehalten gegenüber der Polizei. Mich hat die Geschichte total in den Bann gezogen. Es blieb spannend bis zum Schluss. Dem Autor gelang es, mich vollends einzulassen auf den Roman und in eine für mich als Kind der 80er fremde Welt einzutauchen. Dies ist ihm nicht zuletzt dadurch gelungen, dass die 60er nicht nur Kulisse sind, sondern das ganze Buch den Geist der Zeit atmet. Das ist zunächst auch durch den Mordfall selbst natürlich schon gegeben, taucht man dadurch regelrecht in die Generation Woodstook ein. Aber auch durch die Charaktere selbst ist das gegeben. Es geht etwa um Frauen, die sich durch die Errungenschaften der Pille auf ein selbstbestimmtes Sexualleben einlassen - und auch an die Grenzen stoßen. Man spürt noch, wie sehr Männer damals noch ihre Welt dominierten, wie sehr die selbstbestimmten Frauen, die sich darauf einlassen, in eine männerdominierte Welt einzutauchen, dennoch auf das Wohlwollen der Männer angewiesen sind - sei es als Chef, dienstliche Parnter, Verlobte.
Das Ende schreit nach einer Fortsetzung - und ich hoffe sehr darauf. Absolute Leseempfehlung für jeden, der Romane mit starken Frauen und spannenden Morden mag!!!
Profile Image for Lisa_V.
776 reviews4 followers
April 25, 2023
Überzeugender historischer Kriminalroman

„Die Kriminalistinnen. Der Tod des Blumenmädchens“ von Mathias Berg ist sowohl für Fans von Krimis, wie auch von historischen Romanen interessant. Dem Autor ist in seinem Werk nämlich eine tolle ausgewogene Genre-Mischung gelungen! Neben ihren Anfängen im Polizeidienst erleben wir die Kriminalkomissaranwärterin Lucia Specht und ihre fünf Mitstreiterinnen, auch immer wieder sehr privat. Gerade auch in diesen Szenen ist der damalige Zeitgeist besonders stark spürbar, aber auch in der Kriminalhandlung spielen historische Bezüge eine wichtige Rolle. Zu Beginn bleibt relativ viel Raum zur Einführung der Charaktere, der Kriminalfall läuft hier mehr Nebenher. Zum Glück verschiebt sich der Fokus der Handlung dann aber nach und nach und so kam insgesamt die Spannung wirklich nicht zu kurz. Der Schreibstil liest sich angenehm und flüssig, orientiert sich sprachlich aber durchaus auch an der damaligen Zeit. Besonders gerne mochte ich die authentischen Hauptprotagonistinnen und freue mich schon jetzt auf weitere Bände mit ihnen. Aber auch das Eintauchen in unterschiedliche gesellschaftliche Milieus war überaus interessant und stellenweise lehrreich. Auffallend gelungen sind darüber hinaus die Betrachtungen des damaligen Frauenbildes und auch der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Insgesamt hat mich der erste Band der Kriminalistinnen voll und ganz überzeugt, so dass ich gerne begeisterte 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung vergebe!
Profile Image for Kathi.
39 reviews
June 16, 2025
Der erste Teil rund um Lucia Specht bietet einen stimmungsvollen Einstieg in die Ermittlungen zum Tod des Blumenmädchens. Der Fall selbst ist spannend aufgebaut und berührt tiefere Themen – es geht nicht nur um ein Verbrechen, sondern auch um gesellschaftliche Spannungen, Doppelmoral, Milieus mit eigenen Regeln und eine junge Frau, deren Leben mehr verbirgt, als es nach außen hin wirkt.

Besonders positiv überrascht hat mich, dass Lucia und ihre Kolleginnen noch frisch in der Ausbildung nicht platt als unfähig abgestempelt, sondern von den meisten Kollegen, zwar mit Skepsis und leisen Zweifeln, aber auch unerwarteter Offenheit und mit Interesse beobachtet werden.

Die Mischung aus kriminalistischer Spurensuche, im 1960ger Setting zwischen Hippie-Bewegung, der aufkommenden Frauenemanzipation und männlich geprägten (Polizei-)Strukturen funktioniert gut.

Ein Auftakt, der neugierig auf mehr macht – vor allem wegen Lucias ruhiger Entschlossenheit, Dinge zu hinterfragen, statt sie einfach hinzunehmen.
Profile Image for May.
568 reviews2 followers
May 4, 2024
Hörbuch - 3.5
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