Als Zoes beste Freundin ermordet wird, stürzt sie das in eine tiefe Krise. Sie beginnt eine toxische Beziehung mit dem Exfreund der Verstorbenen und verliert sich in ihrer Trauer. Als das Auslandssemester ihrer New Yorker Universität in Berlin ansteht, sieht sie die Reise als Ausweg. Ihre Mitstudentin Hailey kennt sie nicht wirklich, trotzdem versuchen die beiden gemeinsam in Berlin Fuß zu fassen. Als sie Untermieterinnen der Krimiautorin Beatrice Becks werden, scheinen sie die perfekte Wohnung für ihren Aufenthalt in Berlin gefunden zu haben. Doch schon bald häufen sich merkwürdige Situationen in der Wohnung und es verdichten sich die Hinweise, dass Beatrice die beiden Studentinnen zu den Protagonistinnen in ihrem neuen Kriminalroman machen möchte. Zoe und Hailey nehmen ihre Geschichte kurz entschlossen selbst in die Hand und veranstalten die legendärsten Partys Berlins in ihrer Wohnung - mit fatalen Folgen.
"Ruhm für eine Nacht" von Calla Henkel, aus dem Englischen übersetzt von Verena Kilchling, ist ein rauschhafter, düsterer Spannungsroman über zwei junge Frauen in ihren Zwanzigern und die Kunstszene in Berlin in den 2010er Jahren. Die Geschichte wird rasant mit vielen Wendungen erzählt, die Lesenden stolpern von Party zu Party, Alkohol- und Drogenexzesse stehen auf der Tagesordnung. Schauplatz ist zwar Berlin, die Wohnung der Krimiautorin, das Berghain und andere Partylocations stehen aber eher im Fokus, als die Stadt selbst. Mit fast schon thrillerartigen Zügen lässt die Autorin die Ich-Erzählerin von einer Obsession für die Frauen in ihrer Umgebung in die nächste taumeln, Essstörungen und Alkoholsucht inklusive. Durch den Verdacht Zoes und Haileys, als Inspiration für die Protagonistinnen im nächsten Kriminalroman ihrer Vermieterinnen herhalten zu müssen, entsteht eine interessante Metaebene.
Insgesamt hat mich Calla Henkels Debütroman trotz permanent hoch gehaltenem Spannungsbogen nicht durchweg fesseln können, auch der extreme Alkohol- und Drogenkonsum sowie der in meinen Augen leichtfertige Umgang mit Essstörungen haben mir nicht zugesagt. Trotzdem finde ich den Ansatz der Geschichte sehr kreativ und mochte viele Themen, die die Autorin in ihrem Buch unterschwellig anspricht. "Ruhm für eine Nacht" ist für mich kein Must-Read, aber ein unterhaltsamer Spannungsroman mit bizarren Charakteren für Zwischendurch.