Gegenwärtig erlebt die Europäische Union die Erosion ihrer die gemeinsame Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, der geopolitische Pakt in Abgrenzung zur Sowjetunion sind nicht mehr von entscheidender Bedeutung. Mit der Verringerung des allgemeinen Wohlstands verliert die Europäische Union scheinbar ein weiteres Kernstück ihrer politischen Legitimität. Doch "Schlicht anzunehmen, dass die Union gar nicht zerfallen könne, weil das die Beteiligten teuer zu stehen käme“ ist für Ivan Krastev kein Argument einer tragfähigen Diskussion. Die Artikel des zweiten Teils widmen sich der Rolle des Balkans, im Kontext der Entwicklung Gesamteuropas im 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die eigentümliche, manchmal paradoxe Kombination normativ unvereinbarer Positionen und ideologischer Hybride - so Diana Mishkova - verleiht dem Balkan eine Originalität und Kreativität im Prozess des Transfers der Moderne, die im Guten wie im Schlechten, etwas über das Wesen der Moderne selbst sichtbar werden läßt. Webb Kean spricht in seinem Beitag zu dem von Charles Taylor geleiteten IWM-Forschungsprojekt 'Religion und Säkularismus' von einem "moralischen Narrativ der Moderne“, in dem der Säkularismus als wichtiger Aspekt enthalten ist. Auch David Martin sieht dem Kampf gegen die Religion eine säkulare Meistererzählung zugrunde liegen, "die der Idee des Fortschritts verpflichtet ist und Umstände und Entwicklungen übergeht, die ihr widersprechen.“ Gemeinsam ist diesen beiden Beiträge eine Untersuchung der bisher undurchschauten, normativen Voraussetzungen der Säkularisierungsprozesse.
Ivan Krastev (Bulgarian: Иван Кръстев, born 1965 in Lukovit, Bulgaria), is a political scientist, the chairman of the Centre for Liberal Strategies in Sofia, permanent fellow at the IWM (Institute of Human Sciences) in Vienna, and 2013-14-17 Richard von Weizsäcker fellow at the Robert Bosch Stiftung in Berlin.
He is a founding board member of the European Council on Foreign Relations, a member of the board of trustees of the International Crisis Group and is a contributing opinion writer for The New York Times.
From 2004 to 2006 Krastev was executive director of the International Commission on the Balkans chaired by the former Italian Prime Minister Giuliano Amato. He was Editor-in-Chief of the Bulgarian Edition of Foreign Policy and was a member of the Council of the International Institute for Strategic Studies, London (2005-2011).
His books in English include "After Europe" (UPenn Press, 2017), "Democracy Disrupted. The Global Politics on Protest" (UPenn Press, May 2014), "In Mistrust We Trust: Can Democracy Survive When We Don't Trust Our Leaders", (TED Books, 2013); "The Anti-American Century", co-edited with Alan McPherson, (CEU Press, 2007) and "Shifting Obsessions: Three Essays on the Politics of Anticorruption" (CEU Press, 2004). He is a co-author with Stephen Holmes of a forthcoming book on Russian politics.