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Puberté

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Troisième oeuvre d'une jeune écrivain allemand, la première à être traduite en français, ce livre est à la fois un roman et un essai sur l'homosexualité. À la fois oeuvre d'art et explication, ce texte frappe par sa violence, son ironie, ses aspects baroques, son écriture tantôt analytique, tantôt incantatoire.

360 pages, Paperback

First published January 1, 1974

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Hubert Fichte

56 books10 followers

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Hendrik.
440 reviews111 followers
June 5, 2017
Zu Beginn von "Versuch über die Pubertät", begibt sich der Ich-Erzähler in das Leichenschauhaus von Salvador de Bahia. Der Blick auf die sezierten Körper – Verunfallte, Gefolterte der Militärdiktatur, Opfer von Ritualmorden – beschwört die Bilder der Jugend in Hamburg herauf. Riten des brasilianischen candomblé und des haitianischen voodoo, verschmelzen in der Vorstellung des Erzählers, mit dem analytischen Sektionsvorgangs des Gerichtsmediziners.
Teil um Teil fällt jedes Organ, das ich mir in Halbträumen einverleibt hatte zu dem rituellen Körper meines sinnlichen Bewußtseins, wieder ab und heraus.
Gleich den einzelnen Organen auf dem Sektionstisch, reiht der Erzähler, aus der Erinnerung, Szene um Szene seiner Pubertät aneinander. Der vierzigjährige Mann blickt zurück auf sein früheres Ich, auf Wünsche, Erwartungen, Zwänge und Nöte eines homosexuellen Jugendlichen im Deutschland der 1950er Jahre.

Wie bereits in Das Waisenhaus ist die Geschichte eng an die Biographie von Hubert Fichte angelehnt. Hinter der Figur des alternden Schriftstellers und Päderasten Pozzi, mit dem der Erzähler eine seltsame Beziehung eingeht, verbirgt sich wohl der Schriftsteller Hans Henny Jahnn. Sowohl diese Verbindung, als auch die Zeit als Kinderdarsteller finden sich neben weiteren Bezügen in der Vita des Autors. Vergleichend wird in zwei Einschüben über die Jugend anderer Männer berichtet. Im Interviewstil geben sie Auskunft über ihre Entwicklung und ihre Erlebnisse in der homosexuellen Szene (teilweise sehr brutal).

Im Text finden sich mehrfach Verweise auf Marcel Proust. Seinem Werk folgend, beschreibt auch der Ich-Erzähler letztlich sein eigenes Werden zum Schriftsteller.
Ich entschließe mich […] mein schönes Buch zu schreiben, Gesichter zu vergößern, Litaneien aufzuzeichnen – Schichten statt Geschichten, Kiesel, Zeitraffer, Zeitlupe, die Uhrzeit verlieren und auch die wiedergefundene Zeit wieder verlieren.

Und schließlich frage ich mich, ob ich nicht ein lyrischer Reporter werde, der die Methoden der ethologischen und ethnologischen Feldstudien auf das Lokstedter Innenleben anwendet und Melopoeia, Phanopoeia, Logopoeia auf Youruba, Ewe und Fon
Ein vielschichtiger und intensiver Roman – meine Neugier, auf die anderen Bücher von Hubert Fichte, ist auf jeden Fall geweckt.
Profile Image for Klaus Mattes.
733 reviews10 followers
August 31, 2025
Hamburg, zirka 1950, einige Einsprengsel spielen auch in den sechziger und siebziger Jahren in Hamburg, Haiti, Brasilien und Süd-Frankreich; Genre: autobiografischer Rückblick auf die Jugend eines bisexuellen Kulturmenschen, Collagetechnik, Avantgardeliteratur, extrem viele Lyrismen und Bildungszitate.

Das Buch ist ein gutes Beispiel für die Art literarischer Technik, für die der Hamburger Hubert Fichte in den siebziger Jahren in West-Deutschland berühmt und wohl auch einigermaßen berüchtigt gewesen ist. Fichte beschäftigt sich immer wieder mit sich selbst und gibt Splittereinblicke in seine Lebensgeschichte frei, hin und wieder sogar ziemlich Intimes und Privates. Das zweite große Interessensgebiet des ewig Reisenden, des Rundfunkfeuilletonisten und Selbstdarstellers waren seine Forschungen über den Einfluss afrikanischer Kulturen und Kulte in den Ländern Mittel- und Südamerikas, namentlich Haitis und Brasiliens. Stichworte: Voodoo und Candomblé. Die meisten Schriften zu diesem Komplex sind erst später geschrieben worden, Elemente davon scheinen aber auch beim „Versuch über die Pubertät“ schon auf, obwohl es kaum eine Brücke zwischen dem 14-jährigen Hamburger Gymnasiasten vom Ende der vierziger Jahre und den mystischen Praktiken schwarzer Arme-Leute-Priester in der Karibik gibt.

Im Grunde, das muss ich gleich offen gestehen, mochte ich diesen Autor und seine narzisstische, verrätselte, willkürliche Text-Verschnitzelung ja noch nie. Man darf immerhin sagen: Hubert Fichte ist ein schwieriger Autor, dessen Bücher erarbeitet sein wollen, und zu dem man vielleicht nie Zugang finden wird. Er hat Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre gerne vor studentischem Publikum jener bewegten Zeit gelesen und trat kalkuliert als arroganter Dandy mit Vollbart, langem Pelzmantel und hoher, norddeutsch näselnder Stimme auf, der mit dem Outsider-Status als sogenannte „Tunte“ kokettierte und zu verstehen gab, die allermeisten wären nicht belesen genug, seine Werke zu entschlüsseln. Er musste aber auch nie von seinen Buchauflagen leben, die immer schon klein waren (und nach dem Tod eher noch kleiner wurden), sondern war damals so etwas wie heute Influencer und Social-Media-Promis: Man scharte sich um ihn, man engagierte ihn, weil er so ausgefallen in der provinziellen Landschaft der BRD-Literatur wirkte. Faktisch hat er meistens von Rundfunkhonoraren gelebt, die Reihe der Features und Hörspiele ist lang. Fast jede ARD-Anstalt war dabei. Dieser Typ war einmalig. Für all dies war es gewiss hilfreich, dass er als Kind ein „Kinderstar“ auf Hamburger Theaterbühnen gewesen war, ein Begriff, mit dem er hier im Buch flirtet. Und dass er später eine ordentliche Ausbildung zum professionellen Sprecher durchlaufen hat. Er wollte Diva sein. Zurzeit mag man so was ja, sobald sich jemand als queer oder Trans-Person vorstellt. Trans war Fichte noch nicht, doch immerhin hielt er sich weibliche Kultmasken vors bärtige Gesicht.

Übrigens legte er Wert darauf, nicht etwa „schwul“ zu sein, obwohl er sich ein paar Mal in diesem Buch schon auch so bezeichnet, vielmehr „bisexuell“. Er lebte mit einer Frau zusammen, Leonore Mau, die Fotografin, die ihn auf den Reisen nach Afrika und in die Karibik begleitete, eine wesentlich ältere Frau, die man als Mutter-Ersatz bezeichnen kann, ohne unfair zu werden.

Fichtes Schreiben ist oft seinem Wesen nach ein journalistisches, eine Art Reisebericht. Wie er zur Erkundung der schwarzen Trance-Kulte nach Haiti reist, so reist er mit diesem Buch in seine Teenagerjahre, als er gewiss kein normaler Junge war, sondern das halb-jüdische Kind einer allein erziehenden Beamtentochter, die, soweit sie nicht von allerkümmerlichster Arbeitslosenhilfe dahin vegetierte, ihr Brot als Souffleuse im Theater verdiente, woraus sich ergab, dass sie den hochbegabten, femininen Sprössling im Lauf der Jahre an mehrere mehr oder weniger schwule Theater- und Literaturmänner „auslieh“, damit die ihm was beibrachten, was die normalen Lehrer damals noch nicht kannten.

Allerdings bekommt man nichts davon als „Geschichte“ serviert. Wie der in etwa gleich alte und in erstaunlich vielen Aspekten Fichte sogar wesensverwandte Thomas Bernhard, der stolz darauf war, ist auch Hubert Fichte ein „Geschichtenzertrümmerer“. Wo wir uns heute Filme und Memoirenbücher als kontingente, unmittelbar einsichtige Fäden, Plots oder Storys vorstellen, hat Hubert Fichte, damals schon, alles in kleinste Bestandteile, Atome, Pixel zerlegt und diese willkürlich verrätselnd dann neu organisiert. Er sagt sehr viel aus seiner Jugend, aber er sagt nahezu keinen einzigen Satz so, dass man den Gehalt „auf der Hand liegen“ sieht. Er macht aus den einfachsten Sätzen seine Pirouette, die bildungsgesättigte Anspielung, den Verweis auf andere Stellen im Buch, die mal vorher gewesen sein können, ein ander Mal später erst noch kommen. Meistens stehen die Sätze nicht mal am Stück da, sondern werden auf mehrere Zeilen verteilt, als wären es Gedichte. Gedichte in Prosa. Allerdings fand ich selten ein Versmaß. Wenn ich dieses Buch mit meinem Etikett „gay“ versehe, so bitte ich das einschlägig interessierte Publikum, von der Erwartung Abstand zu nehmen, es kämen schwule Bettszenen vor. In der Tat kommen Sex und sogar Schwänze darin vor. Aber weder die Worte Schwanz noch Penis, ein Fichte hat sein eigenes Wort: der Oymel. Soundsos Oymel soll furchteinflößend gewesen sein. Wurde Jäcki geflüstert. Jäcki ist der Junge Hubert. Das wird nicht Dschäcky ausgesprochen, wie bei Jacques Brel oder Scott Walker, sondern: Jecki.

Das Buch zerfällt in fünf große Abschnitte, wie Akte fast. Von denen sich einige anderen Personen widmen. Die meisten Seiten beschäftigen sich allerdings mit Fichtes Jugend, als er schon wusste, dass er schwul, Pardon, bi war, aber noch keine erwachsenen Beziehungen hatte. Gewisse Situationen dieser Zeit tauchen immer wieder auf, gewisse Personen kommen öfter vor, dennoch wird man eine „Handlung“ bis zur Verzweiflung vergeblich suchen. Wenn euch andere Rezensenten sagen: „Er erzählt uns die Geschichte seiner Jugend.“ Dann schicken sie euch in die Irre. Was er eher tut: Er orgelt über ein paar Punkte aus den Jahren seiner Jugend. Er variiert und transponiert sie, verrätselt und symbolisiert sie. Er zerpixelt und arrangiert einen bunten Schneesturm aus Anspielungen, vor allem auch auf Mythen und Kulturgüter, die der Normalsterbliche heute nicht mehr kennt. Man hat Fichte seinerzeit als den deutschen Beatnik gelesen. Die Beats waren die nonkonformistischen US-Autoren der fünfziger und frühen sechziger Jahre, Kerouac, Ginsberg, Burroughs, Ferlinghetti. Und mehrere von ihnen sind wenigstens bi gewesen.

Dieser Beat-Autoren-Aspekt ist aber nur die Hälfte der Wahrheit. Fichte war schon immer, schon vor seiner Geburt, durch Großeltern und Mutter, zutiefst deutsch-bildungsbürgerlich geprägt. Das waren Menschen, die sich ein Leben ohne George, Rilke, Nietzsche, Goethe, Schiller, Lessing überhaupt nicht denken konnten. Und für den jungen Fichte kamen die evangelischen Barocklyriker hinzu. Vor allem, darum auch das Wort Orgeln, ist Fichte schon als Kind an das bisexuelle Hamburger Unikum Hans Henny Jahnn geraten, den als Expressionisten berühmt gewordenen, immer noch kaum gelesenen Autor mehrerer Theaterstücke und riesiger, nordischer Männer-Liebespaar-Romane, den man in seiner Heimatstadt vor allem als Restaurator von Barockorgeln verehrte. Jahnn, verheiratet, mit jungen Genieknaben, seiner Frau, deren Schwester und deren Kindern zusammenlebend, verstand sich als Renaissance-Mensch. Dazu gehörte sein Engagement für den Weltfrieden, gegen die Atombombe, gegen die NATO. Und für die Entwicklung eines mysteriösen Verjüngungselixiers, das er aus dem Urin von Pferden oder Jungen gewinnen wollte. Von daher musste der kleine Hubert Fichte ihm regelmäßig Urin abliefern. Lachen Sie nicht! Das steht so deutlich im Buch, dass sogar Sie es verstehen werden. Auch ist Jahnn, den Fichte im Buch allerdings Pozzi nennt, wobei zur Zeit der Veröffentlichung keine Zweifel mehr bestanden, wer da gemeint war, der Erste gewesen, der aus den Säften des Jungen deduziert hat, dieser sei bisexuell veranlagt.

Hieran schließt sich jene, spätestens seit der Platte, auf der die Hamburger Band Tocotronic zum Oszillieren zwischen den Polen Bumms und Bi aufrief, legendäre Passage an, die Sie sich kopieren sollten, damit Sie künftig so tun können, als hätten Sie das vielfach gepriesene, aber sehr selten gelesene Buch, selbst gelesen.
Bumms! Bi! Und Schicksalssinfonie! Ich bin fiftyfifty! Bumms! Bi! Tüten! Fünfte Sinfonie! Fiftyfifty – das heißt homosexuell. Fiftyfifty. Fünfe gerade sein lassen. Wenn schon fünfzig, dann auch das ganze Hundert. Bumms! Schwul! Gong! Posaunen von Jericho! Die Mäuse scheißen in die Orgel – der Schwule orgelt in die Scheiße! Tabu! Terrorangriff! Atombombe!

Wenn man irgendwo was liest über dieses Buch, werden jedes Mal nur die Teile 1 und 3 beschrieben, eben diese langen Teile, in denen es um den musisch begabten Sohn der unverheirateten Souffleuse und diesen skandalösen älteren Schriftsteller geht, sowie auch noch um ein paar weitere, mehr oder weniger bisexuelle, mehr oder weniger verheiratete, schwuchtelige, päderastische Herren von den Theatern, die Jäcki schöne Augen machen, als er 14 oder 15 ist.

Höchst interessant fand ich aber auch Teil 2, die wohl journalistischsten Seiten. Hier collagiert Hubert Fichte Sätze aus einem Interview, das er mit einem vereinsamten, älteren Hamburger Freier, der Sex nur noch mit Strichern hat, die er aus der Szene um den Hauptbahnhof holt, zum (ausnahmsweise) unmittelbar verständlichen und zusammenhängenden Text, zu einer Ich-Erzählung macht. Man hat den Eindruck, den echten Menschen, den Fichte getroffen hat, zu hören. Der Mann war früher verheiratet, hat ganz gut verdient, als Rentner aber nicht mehr so viel Geld zur Verfügung. Er geht davon aus, dass er die Jungs, die er zu brauchen glaubt, nie wieder haben kann, wenn er nicht dauernd die Spendierhosen anzieht. Natürlich kann er von Raubüberfällen erzählen, die er natürlich nie angezeigt hat. Wer würde einem wie ihm denn helfen?

Bisweilen macht dieses Buch den Eindruck, als würde man es heute in einer deutlich verkürzten Form publizieren. Als habe Fichte seiner Jugendgeschichte, wie artifiziell er sie auch aufbereitet und stilisiert haben mag, nicht so ganz getraut, also zur Sicherheit noch andere Bonbons in die Kiste eingepackt. So entpuppt sich Teil 5 als Reiseerzählung aus dem bergigen Südosten Frankreichs. Fichte ist erwachsen und weiterhin äußerst bildungshungrig. Er fährt nach Paris und dann weiter nach Süden zu den romanischen Kirchen und römischen Ruinen. Er ist immer noch das arme Kind einer armen Mutter. So muss er gelegentlich Wochen, wenn nicht Monate an einem Ort Halt machen, um Geld zu verdienen. Auf diese Weise gerät er an einen Bauern in der Haute Provence, der ihn nach einer Weile allein als Schäfer in eine Berghütte schickt. Weiter passiert da nicht viel. Ich fand es journalistisch präzise, allerdings nicht wirklich attraktiv als Text. Es kam mir vor, als sei es hier vor allem darum gegangen, noch mal die Weltläufigkeit des Schreibenden unter Beweis zu stellen. (Ihr andern seid in der Universitätsbibliothek gesessen, ich habe die mittelalterlichen Epen zwischen Schafen und Lavendel studiert. In der Tat hat er ja nicht studiert, wie auch Thomas Bernhard.)

Am wenigsten von allem hat mir Teil 4 gefallen, ein Zusammenschnitt aus dem Interviewbuch „Der Ledermann spricht mit Hubert Fichte“, das für sich genommen viel länger wäre. (Und zwar wirklich viel zu lang!) Wie im zweiten Teil äußert Fichte hier nichts, sondern leiht sein Ohr der Ich-Erzählung eines anderen, nämlich dem sadistischen Lederszenen-Schwulen Hans Eppendorfer (eigentlich: Hans-Peter Reichelt), seinerzeit eine Institution in St. Pauli. Als Jugendlicher war er zu einer Haftstrafe verurteilt worden für den Raubmord an einer älteren Frau (einer geradezu alten Frau), mit der er ein sexuellen Verhältnis gehabt hatte. Hinter was der Menschen-Kundler Fichte her war, das war wohl die praktizierte Nähe zum Tod, auch dessen Banalität. Allerdings wird deutlich, dass sich hier zwei ewige Selbstdarsteller gegenseitig geradezu darin übertreffen wollen, dass sie das kennen, was alle ihre Leser eben nicht kennen. Eppendorfer erzählt Ledersex-Orgien, als habe Bild ihn gefragt.

Zum Abschluss ein Zitat, mit dem wir zu Pozzi alias Jahnn zurückkehren. Der enigmatische Autor bringt den Jugendlichen mit seinem eigenen „Mozart“ zusammen. Das ist ein musikalisches Wunderkind aus Hessen, das er in seine Familie aufgenommen hat, Trygve. Den Jungen hat es gegeben, Jahnn hielt ihn für ein Genie, der Weltkarriere machen würde. (Tatsächlich ist ein Professor an einer Musikhochschule aus ihm geworden.) Er hieß anders, war kein Hesse und spielte auch mehr Bach als Mozart. Aber er sollte zum Ehemann von Jahnns Tochter werden. Trygve, so heißt eine Figur in einem der Werke von Hans Henny Jahnn, der im ersten Weltkrieg in Norwegen untergetaucht war, im zweiten dann in Dänemark. Hier in „Versuch über die Pubertät“ liest es sich, als würde der jugendliche Erzähler systematisch darauf vorbereitet, mit dem wunderbaren Knaben ins Bett zu fallen.

Das ist also Mozart. Nichts ist entblößender, als wenn ein Homosexueller einem Homosexuellen seinen „Mozart“, „Marlon Brando“, „Antinous“ oder „Arthur Rimbaud“ vorstellt. Pozzis „Mozart“ - ein maulender süddeutscher Junge in der Frühpubertät. Aber wie entblößend wäre es, wenn man Mozart, Marlon Brando, Antinous oder Arthur Rimbaud selbst begegnete – denn wer hätte schon Elia Kazans, Hadrians oder Verlaines Augen und Hollywood und das Imperium Romanum als Rahmen? Pozzi hat es erreicht, aus seinem „Mozart“ für mich etwas Mozart zu drechseln, und es stand für mich fest, daß Mozart und ich uns lieben würden, und das hieß für mich, da irgendwie rein. Unter den Augen von Anna und Manfred gelüstet es Kinderstar Mozart auf dem Scheitelpunkt seiner Laufbahn mit mir, dem stimmgebrochenen Kinderstar, der gerade versucht, sich durch das tägliche Ermordetwerden wieder aufzurappeln, in den Park zu gehen. Ein Hund beißt Mozart ins Bein und Mozart bemerkt es nicht – aus Liebe, wie es später in der Sage heißt. Pozzi hat Mozart seiner Mutter abspenstig gemacht und wenn Mozart die Aufnahmeprüfung in die Hamburger Musikhochschule besteht, wird er in Hamburg bleiben. - Mit Pozzi, sagt Mozart, gehe ich selbstverständlich nie ins Bett.

Da habt ihr so ziemlich alles verstanden.
Und es waren wenige „Versumbrüche“ drin, weil ich sie alle weggelassen habe.
Ich hatte euch allerdings erklärt, wer Herr Pozzi ist und wer Trygve, was das soll von wegen Kinderstar und Müttern. Es sollte euch klar sein, ihr betretet ein Buch, das euch mit so was andauernd konfrontiert, ohne es je zu erklären. Ihr werdet euch manches dann schon auch zusammenreimen, wenn ihr ein paar Seiten weiter gekommen seid. Etliches allerdings nie. Und das ist mein Problem: Ich kann Schriftsteller nicht leiden, die es absichtlich darauf anlegen, NICHT verstanden zu werden.
Profile Image for Michael Rapp.
61 reviews2 followers
February 21, 2025
Kann man sicher lesen, vielleicht sogar mit Genuss, für mich war nach 50 Seiten bei denen ich mir keinen Reim auf irgendwas machen konnte Schluss. Wenn man Spaß daran hat sich hinter die Geschichte und in Fichtes Leben einzuarbeiten hat man vielleicht Gewinn daran.
Ich fands prätentiös und enigmatisch
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