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360 pages, Paperback
First published January 1, 1974
Teil um Teil fällt jedes Organ, das ich mir in Halbträumen einverleibt hatte zu dem rituellen Körper meines sinnlichen Bewußtseins, wieder ab und heraus.Gleich den einzelnen Organen auf dem Sektionstisch, reiht der Erzähler, aus der Erinnerung, Szene um Szene seiner Pubertät aneinander. Der vierzigjährige Mann blickt zurück auf sein früheres Ich, auf Wünsche, Erwartungen, Zwänge und Nöte eines homosexuellen Jugendlichen im Deutschland der 1950er Jahre.
Ich entschließe mich […] mein schönes Buch zu schreiben, Gesichter zu vergößern, Litaneien aufzuzeichnen – Schichten statt Geschichten, Kiesel, Zeitraffer, Zeitlupe, die Uhrzeit verlieren und auch die wiedergefundene Zeit wieder verlieren.Ein vielschichtiger und intensiver Roman – meine Neugier, auf die anderen Bücher von Hubert Fichte, ist auf jeden Fall geweckt.
Und schließlich frage ich mich, ob ich nicht ein lyrischer Reporter werde, der die Methoden der ethologischen und ethnologischen Feldstudien auf das Lokstedter Innenleben anwendet und Melopoeia, Phanopoeia, Logopoeia auf Youruba, Ewe und Fon
Bumms! Bi! Und Schicksalssinfonie! Ich bin fiftyfifty! Bumms! Bi! Tüten! Fünfte Sinfonie! Fiftyfifty – das heißt homosexuell. Fiftyfifty. Fünfe gerade sein lassen. Wenn schon fünfzig, dann auch das ganze Hundert. Bumms! Schwul! Gong! Posaunen von Jericho! Die Mäuse scheißen in die Orgel – der Schwule orgelt in die Scheiße! Tabu! Terrorangriff! Atombombe!
Das ist also Mozart. Nichts ist entblößender, als wenn ein Homosexueller einem Homosexuellen seinen „Mozart“, „Marlon Brando“, „Antinous“ oder „Arthur Rimbaud“ vorstellt. Pozzis „Mozart“ - ein maulender süddeutscher Junge in der Frühpubertät. Aber wie entblößend wäre es, wenn man Mozart, Marlon Brando, Antinous oder Arthur Rimbaud selbst begegnete – denn wer hätte schon Elia Kazans, Hadrians oder Verlaines Augen und Hollywood und das Imperium Romanum als Rahmen? Pozzi hat es erreicht, aus seinem „Mozart“ für mich etwas Mozart zu drechseln, und es stand für mich fest, daß Mozart und ich uns lieben würden, und das hieß für mich, da irgendwie rein. Unter den Augen von Anna und Manfred gelüstet es Kinderstar Mozart auf dem Scheitelpunkt seiner Laufbahn mit mir, dem stimmgebrochenen Kinderstar, der gerade versucht, sich durch das tägliche Ermordetwerden wieder aufzurappeln, in den Park zu gehen. Ein Hund beißt Mozart ins Bein und Mozart bemerkt es nicht – aus Liebe, wie es später in der Sage heißt. Pozzi hat Mozart seiner Mutter abspenstig gemacht und wenn Mozart die Aufnahmeprüfung in die Hamburger Musikhochschule besteht, wird er in Hamburg bleiben. - Mit Pozzi, sagt Mozart, gehe ich selbstverständlich nie ins Bett.