Im 4. Band der Anthologieserie um das Ingenieurs-Corps der Sternenflotte sind einige interessante Novellen vorhanden.
Niemals aufgeben! von Jeff Mariotte:
Das S.C.E.-Schiff da Vinci unter dem Kommando von Captain Gold wird ins Kursikanische System gerufen, weil eine Gefängnisstation ihre Position um den Planeten verlassen hat und offenbar die Steuerung verloren hat. Das Sternenflotten-Kommando schickt auch deshalb Captain Gold dort hin, weil ein früherer Freund von ihm dort inhaftiert ist, es wird vermutet, dass er hinter der Sache steckt.
Nach einigem hin und her wird das Problem bereinigt, eine unspektakuläre Geschichte, ohne großen Tiefgang aber dennoch unterhaltsam...
Gewährleistungsauschluss von Ian Edginton & Mike Collins:
Die da Vinci findet nach dem Abflug aus dem Kursikanischen System eine Ferengi-Fluchtkapsel, darin befindet sich der Ferengi Phug, der nicht gerettet werden will und die Menschen verflucht, als er doch noch in den Medo-Bereich gebeamt wird. Es stellt sich heraus, dass sich sein Raumschiff im Besitz einer KI befindet, der schon Captain Kirk vor 100 Jahren begegnet ist...
Eine humorvolle Erzählung, bei der die Ferengi-Sitten (weibliche dürfen keine Kleidung tragen etc.) und die Erwebsregeln durch den Kakau gezogen werden; witzig und gleichzeitig eine schöne Reminizenz an eine TOS-Folge, in der Spock und Kirk gegen den Landru-Computer gekämpft haben.
Ferne Vergangenheit von Robert Greenberger:
Die da Vinci wird in eine diplomatische Mission in ein System geschickt, dessen Bewohner kurz vor der Aufnahme in die Förderation stehen und die kurz zuvor die interstellare Raumfahrt entwickelt haben. Es ist eine streng religiöse Gesellschaft, die Schwierigkeiten damit hat zu aktzeptieren, dass es Leben außerhalb ihres Planeten gibt, sie denken in der Mehrheit, dass das Leben auf ihrem Planeten entstanden ist, so ist es ein riesiges Problem, als man ein Artefakt findet, das älter ist als die Zivilisation, die sich dort entwickelt haben soll. Wenn diese Tatsache an die Öffentlichkeit käme, würde es wohl einen verheerenden Bürgerkrieg entfesseln. Deshalb hat man sich an die Sternenflotte gewendet um das Problem zu lösen, zu diesem Zweck wurde die da Vinci geschickt. Captain Gold und seine Offiziere konnten das Problem zur Zufriedenheit aller lösen. Eine spannende und nachdenkliche Geschichte, die wieder einmal zeigt, was fanatische Religiosität anrichten kann.
Der hippokratische Eid von Glenn Hauman:
Für mich ist dies die beste Geschichte in diesem Band; m.M. nach sogar die bisher beste Novelle der ganzen Reihe.
Die da Vinci wird zu Shermans Planet gerufen, weil dort eine Seuche ausgebrochen ist. Während des Fluges dorthin stellt Captain Gold die Chefärztin der da Vinci Dr. Elizabeth Lense zur Rede, weil sie sich der Kommunikation und des geselligen Zusammenseins mit der Besatzung verweigert. Schließlich verpflichtete er sie, sich regelmäßig bei ihm zu Gesprächen zu treffen, Gold macht hier den Counselor.
Die Seuche auf Shermans Planet ist dermaßen virulent, dass alle Bewohner infiziert sind, die Todesrate ist 100%, auch die Besatzungsmitglieder, die von Bord gegangen sind, wurden angesteckt.
Lense findet schließlich eine Lösung, die aber zu einem schweren Konflikt mit Captain Gold führt...
Die Novelle ist deshalb so großartig, weil der Stil flüssig, humorvoll und abwechselnd ist. Einige Passagen sind in einem Interview-Stil verfasst. Weiterhin dreht sich die Quintessenz der Story um das Mantra der Förderation, dass man Genetische Manipulationen um jeden Preis verbietet und jegliche Arbeit daran mit einem Tabu belegt. Grund hierfür sind die genetischen Kriege auf der Erde im 20. Jahrhundert (Star Trek Kanon) und dem Wirken von Khan Noonien Singh.
Elizabeth Lense war Mitstudentin von Julien Bashir, der von seinen Eltern genetisch aufgewertet wurde, dafür kam sein Vater auch ins Gefängnis (siehe DS9).
In DS9 gab es eine Folge, bei der Dr. Bashir auf Elizabeth Lense an Bord von Deep Space Nine trifft, weil er es nicht verwinden konnte, dass sie die beste Studentin war und er nur der zweitbeste.
Als Elizabeth von Bashirs Aufwertung erfuhr, bekam sie selbst Probleme, weil jedermann vermutete, dass sie selbst genetisch aufgewertet wäre, weil sie besser als Bashir abgeschnitten hat. Sie verlor ihren Job auf der Lexington und kam daraufhin auf die da Vinci.
Aus diesem Grund vermutete Captain Gold eine Depression bei Elizabeth Lense.
Dr. Lense konnte die Seuche auf Shermans Planet nur mittels Genetische Manipulation besiegen, die Tatsache, dass sie damit Millionen Leben gerettet hat, konnte sie jedoch nicht vor einem Verweis der Förderation retten, das Tabu ist in der Förderation noch immer stärker.
Ich fand das eine der nachdenklichsten Novellen, der ob ihrer leichten Art sehr unterhaltsam, humorvoll und spannend war; so liebe ich Star Trek !