In Neuseeland kennt jeder den Film "Once were warriors", der auch international einiges an Aufmerksamkeit und sogar mehrere Preise erhielt. Im Film, wie im gleichnamigen Roman von Alan Duff, steht die Familie Heke im Vordergrund, die als Maori Familie unter prekären Umständen lebt.
Der Alltag ist geprägt von Gewalt - auch innerhalb der Familie - Alkohol, Gangs und Arbeitslosigkeit. Jake Heke, der Vater, ist ein Prototyp toxischer Männlichkeit, der leider meinem Eindruck nach von Jugendlichen nach Erscheinen des Films heroisiert und als cooler Typ angesehen wurde. "Cook the man some eggs" ist immer noch ein geflügeltes Wort, das Leute lustig finden anstatt als erschreckendes Beispiel häuslicher Gewalt wahrnehmen (Beth weigert sich, dem Trinkkumpanen des Mannes Eier zu braten und wird dafür verdroschen).
Ich selbst war 3 Jahre mit einem maoristämmigen Kiwi zusammen und hatte engen Kontakt mit der "whanau" - das Maori Wort für Familie, das aber vielmehr die ganze Verwandtschaft umfasst. In diesem Buch habe ich unfassbar viel wiedererkannt, das ich dort kennen gelernt habe. Glücklicherweise hat sich meinem Empfinden und der Aussage meiner damaligen Schwiegerfamilie nach in Neuseeland in den letzten Jahrzehnten einiges getan - die Maori-Kultur wird immer mehr in den Lehrplänen und im öffentlichen Leben integriert und sowohl Maori als auch Pakeha (europäischstämmige Neuseeländer) haben mehr Zugang zur einheimischen Kultur und größeres Bewusstsein der Historie gegenüber. Dennoch ist dieses Buch ein großer Reminder, sich nicht auf halber Strecke zufrieden zu geben und auch für uns - sich seiner Wurzeln bewusst zu sein und sich derer zur bemächtigen.
Ich kann kaum in Worte fassen, was ich für dieses Buch empfinde und kann nicht glauben, dass ich es jetzt erst lese. Alan Duff erfasst mit unglaublich authentischen Stimmen das furchtbar trostlose Umfeld einer sozial benachteiligen Ethnie und Bevölkerungsschicht. Die Kapitel werden aus verschiedenen Sichtweisen erzählt - mal aus Beths oder Jakes Sicht, aber auch die Tochter Grace und der Sohn Nig kommen zu Wort. Der Ton ist sehr mündlich und fließend, was einen direkt in die Figuren springen und deren Gedankenmuster ergründen lässt. Diese Lähmung, dieser Selbstbetrug, diese Verzweiflung, alles wurde von Alan Duff so meisterhaft eingefangen, nur um ganz allmählich einen Hoffnungsschimmer einzuweben, eine Geschichte von weiblichem Empowerment und der Verbindung zu den eigenen Wurzeln. Was bedeutet es Maori zu sein, ein wahrer Krieger wie die Vorfahren einst? Eins ist sicher: In McClutchy's Pub ist die Antwort auf diese Frage nicht zu finden.
Zuerst habe ich mit der deutschen Übersetzung angefangen und muss der Übersetzerin Gabriele Pauer Respekt zollen, eine so regional und slanggefärbte Sprache überhaupt irgendwie lesbar ins Deutsche zu bringen. Für diejenigen, die es sich zutrauen, würde ich aber unbedingt das Original empfehlen. Duff setzt keine Anführungszeichen, die wörtliche Rede ist in einer Art Stream of Consciousness eingewoben, was nicht jedem taugt. Ich fand es jedoch brillant und habe mich gut zurechtgefunden.
Wer sich für Neuseeland, für die Folgen von Kolonialisierung, für Klassismus und Rassismus, und für mitreißende Schicksale interessiert, der sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Sicherlich mein persönliches Jahres- und Lebenslesehighlight!
For us, Jake, punch his fuckin lights out. They. They, The People - (the bereft, the broken of heart and spirit from all them dirty rotten homes with no love inem. Oh, Jake unnerstans, Jakey'd never leave you, People.) So Jake not budging. Not one inch. And the crowd, the grown up leftovers from the wrecked, ruined chidhoods, just one big collective thought of: PUNCHIM, JAKE. PUNCHIM. (S. 78)