Achtung: SPOILER!
Bewertung: 4,25/5 ⭐️
Worldbuilding: 5/5 ⭐️
Schreibstil: 5/5 ⭐️
Plot: 4/5 ⭐️
Charaktere: 3/5 ⭐️
Dies ist mein erstes Buch von Arianne L. Silbers und ich bin vor allem durch das geniale Marketing von ihr auf TikTok darauf gestoßen, da sie sofort mein Interesse geweckt haben. Sie macht was das angeht einfach einen richtig guten Job und die Idee einer Plus Size Prinzessin, welche sich durch einen Hof voller Intrigen und Schönheitsideale kämpft, erschien mir ebenso spannend. Als ich mir jedoch die Bewertungen durchgelesen habe, erkannte ich schnell, dass Enemies to Lovers hier auf ein völlig anderes Level gebracht wurde. Ich möchte alle, die das Buch in die Hand nehmen und lesen wollen, um sich möglicherweise durch die Protagonistin oder die Geschichte repräsentiert zu fühlen, warnen: Es ist grausam. Die Welt dieses Buches ist grausam, die Charaktere sind grausam und die Enemies sind hier wirklich das: Enemies. Es erinnert an eine Bully Romance und wer dieses Buch lesen möchte, sollte gewarnt werden: Sowohl psychische wie auch physische Gewalt kommt hier vor. Wenn ihr Probleme mit eurem Gewicht oder mit Essstörungen habt, dann passt auf euch auf, denn nicht wenige Szenen in diesem Buch könnten euch triggern. Die Protagonistin wird wegen ihres Gewichtes fertiggemacht, macht sich selbst fertig und solltet ihr nicht damit klarkommen oder euch bei dem Thema unwohl fühlen, ist es vielleicht das Beste, die Finger von dem Buch zu lassen oder es nur mit Vorsicht zu genießen.
Inhalt:
Auf dem Festland herrscht Krieg: Der magische Norden gegen den eindringenden Süden. Währenddessen haben sich die Lords und Ladys auf der Insel Beli in ihre prunkvollen Schlösser zurückgezogen und genießen rauschende Feste und viel Wein. Doch nicht alles ist so wunderschön, wie es scheint: Nachts verwandeln sich die Edelmänner in umherstreifende Monster, und böse Geister jagen die Menschen heim. Neben anderen magischen Wesen gibt es da auch die Miroschwäne, welche auf ewig schlafend in einem gefrorenen See umhertreiben und Lords mit ihrer wahren Gestalt in den Wahnsinn treiben, sowie einen anscheinend toten Rosenkönig und die Frostmutter, welche die Insel verflucht haben. Magische Sommerrosen drohen die Magie zu zerstören und auch Zauberer streifen durch das kalte, magische Land.
Zusammenfassung:
Marens Rat erhält einen Brief, in dem der Großvaters ihres ehemaligen besten Freundes um eine Heirat zwischen den beiden bittet. Dies wird Prinzessin Maren jedoch verschwiegen und anders berichtet (Sie wollen, dass sie Belis Geld erhält und den Norden im Krieg unterstützt). Als Maren sich der Hochzeit verweigert, bekommt sie in ihren Kelch ein Schlafmittel gemischt und verliert das Bewusstsein. Auf Beli trifft sie dann Will - ihren Kindheitsfreund und Verlobten. Vor drei Jahren ist jedoch ein schrecklicher Unfall passiert, welcher ihr Bein verletzt und eine Kluft zwischen sie getrieben hat. Zuerst weigert sich Will gegen die Heirat, stimmt dann jedoch zu (sein Großvater droht, ihn sonst an einen Kriegszauberer zu verkaufen) und Maren erhält Unterricht in Belis Sitten. Währenddessen denkt Will nur an die weiße Frau, die er in seinem Träumen sieht und fürchtet sich vor der Reaktion der anderen Adeligen auf Maren. Sie reisen dann ins Winterschloss und dort kündigt Will seine Anteilnahme am Wettkampf um den Thron an (er und Cedric bekommen zwei Inselhälften, welche sie dann regieren müssen und wer es besser tut, gewinnt). Die anderen Adeligen kommen und sehen Maren, woraufhin sie von ihnen ausgelacht und in den Brunnen gestupst wird. Die Schneiderin Spinne ist ebenso unfreundlich zu ihr - unter anderem, weil sie etwas mit Will hatte. Dieser begnügt sich dann in der Nacht mit Spinne und als er und Maren am nächsten Tag heiraten, stellt er sie vor allen bloß und lässt sie in seinem Zimmer von Spinne ausziehen, ehe beide Maren runtermachen und er vor Maren etwas mit seiner Mätresse anfängt. Sie rennt davon und wird von Monstern angegriffen, welche nachts durchs Schloss streifen. Maren wird jedoch von Anuaq - einem magischen Wesen - gerettet und er erzählt ihr mehr über die Legenden der Insel. Eines dieser Monster schleicht sich dann durch die Gänge und bringt Spinne um, da sie eine Seelenhaut voller Lügen und Grausamkeit besitzt. Als es Maren entdeckt, sieht das Monster jedoch nur Juwelen und ehe das Monster sie haben kann, kommt die Sonne zurück und es verschwindet. Am Tag darauf geht Maren mit Wills Freundin Ilisil Blumen pflücken, um der Jagd mit der grausamen Adeligen Erika nicht beiwohnen zu müssen und sie werden im Wald von Monstern angegriffen. Ilisil holt dann die schwarzen Witwen - Frauen, welche Monster töten können - und sie werden gerettet. Als Maren Will davon erzählt, verweigert dieser jedoch eine Zusammenarbeit mit ihnen. In der Nacht findet sie dann der Weiße (eines der Ungeheuer) und tötet ein anderes Monster, das sie beanspruchen möchte. Als Anuaq kommt, sagt sie dem Weißen er solle sich verstecken und dieser tut es tatsächlich. Später bricht sie mit Lord Rorik und Ilisil zu einer Ruine auf, um mehr über die Magie und die Monster von Beli zu erfahren, die auf Wills Inselseite umherstreifen. Cedric und seine Freunde finden sie jedoch und Maren wird angeschossen, während man Lord Rorik tötet. Will versucht sie im Schloss zu trösten und sie begraben am nächsten Tag Lord Rorik, ehe sie zu den schwarzen Witwen reisen und Will der Abmachung zustimmt. In der Nacht sieht der Weiße dabei zu, wie Anuaq Erika und ihre Freundin Ined tötet, weil diese Maren für Cedric ausspionieren wollten. Sie wollen daraufhin ihn ausspionieren und auf Cedrics Inselseite erkennen sie, dass die Edelmänner in Wahrheit die Ungeheuer sind - auch Will, obwohl er sich im Gegensatz zu Cedric nicht erinnern kann. Dieser will ihn und Maren töten und als Will flieht, taucht Anuaq auf, um Maren zu retten. Sie fällt jedoch in den Fluss und verliert das Bewusstsein. Anuaq rettet sie aber und sowohl Will als auch Maren erholen sich bei den schwarzen Witwen in der Glaserei von ihren Wunden. Auf einem Ball dann lässt sie Will wieder allein, doch Anuaq taucht auf und gibt ihr das magische Geschenk - eine Hülle. Der Sommerrosenkamm in ihrem Haar, welcher Marens Magie unterdrückt, zerfetzt diesen Zauber jedoch und wilde Sommerrosen sprießen aus dem Boden. Man findet sie und Anuaq, welcher sich ohne Magie als ihr alter Freund Vatoq herausstellt, zusammen und bezichtigt sie des Ehebruches, woraufhin die beiden in den Kerker kommen. Bei ihrem Prozess wird Maren nackt dem Hofadel vorgeführt und geschlagen und nachdem man auch Vatoq holt, nutzt er Magie, um die Fenster zu zerstören. Die Edelmänner verwandeln sich daraufhin in den Nordlichtern in Monster und wütende Sommerrosen wuchern durch das ganze Schloss. Vatoq und sie fliehen, doch Will verfolgt sie und will sie nicht gehen lassen. Daraufhin zeigt Vatoq Maren, was wirklich vor all den Jahren geschah und dass sie damals fast wegen Will starb. Als dieser Will auch töten will, hält Maren ihn mit ihren Sommerrosen auf, doch das Eis unter ihm gibt nach und Vatoq reist sie mit sich in die Tiefe. Will rettet sie jedoch (auch einen Miroschwan) und erfährt, dass Vatoq einen Miroschwan auf ihn gehetzt hat. Dieser überlebt sogar - und schwört Rache, während Maren und Will denken, endlich die Krone und ihren Frieden gewonnen zu haben.
Meinung:
Ich bin von dem Buch auf viele Arten überrascht. Erstens finde ich das Worldbuilding wirklich phänomenal - es steckt hier so viel Liebe zum Detail drinnen, wo viele Legenden und Geschichten, welche ihren Kern in der Wahrheit haben. Die Miroschwäne, die Sommerrosen und die kalte Insel haben einfach eine wunderbare Stimmung aufkommen lassen, wodurch das Buch unglaublich atmosphärisch war. Auch die Schmetterlinge und die anderen Wesen haben super zum Vibe dazu
getragen und das Buch vieeeel lebendiger wirken lassen.
Auch den Schreibstil finde ich klasse. Er war so märchenhaft schön und grausam und hat ebenfalls super zu dem Buch gepasst. Ich finde, die Autorin kann unglaublich gut schreiben und hat die Geschichte wirklich wunderbar rübergebracht. Die Sätze waren detailverliebt und ausschweifend, wodurch ich das Gefühl hatte, mittendrin zu sein und unglaublich bildhaft gelesen habe.
Der Plot war ebenso spannend. Ich konnte kaum erwarten wie es weitergeht, doch hier fängt an, was viele an dem Buch stört: Die Geschichte mit ihren Charakteren. Denn diese sind grausam und kalt wie die Insel selbst. Außer Maren und Ilisil sowie Lord Rorik gab es in dem Buch niemanden, der mir wirklich sympathisch war. Es waren alle so grausam zu Maren, haben sie auf die ein oder andere Weise körperlich oder geistig verletzt, dass ich oft nach jedem zweiten Kapitel eine längere Pause einlegen musste. Ich mag niemanden außer den beiden und hoffe ehrlich, dass wir viel mehr von ihrer Freundschaft zu sehen bekommen werden als von der Liebesgeschichte.
Kommen wir nun zu dieser. Die Liebesgeschichte zwischen Maren und Will ist toxisch. Für mich kann man nicht wiedergutmachen, was er ihr angetan hat. Maren ist so ein herzensguter Mensch, der einfach etwas Besseres verdient hat und ich hoffe ehrlich, dass Will zu seinen am Ende aufkommenden Gefühlen (er gesteht sich ein, Maren zu mögen und küsst sie sogar, aber erst, nachdem sie sich abgemagert hat) steht und an diesen festhält und gleichzeitig dabei zusieht, wie Maren jemand Besseres, jemand Netteres findet. Ja, er selbst ich auch zu einem kleinen Teil Opfer, aber das ändert nichts an seinen Taten. Er hätte von Anfang an zu Maren stehen können, aber er wollte es nicht. Ich wünsche mir wirklich, dass Maren einen neuen Love Interest bekommt - denn obwohl ich den Plot wirklich gut finde, kann ich diese Liebesgeschichte zwischen den beiden nicht gutheißen und mein Herz blutet jedes Mal aufs Neue, wenn Maren ihm verzeiht. Um Wills Fehler wiedergutzumachen, müsste die Autorin wirklich Wunder bewirken - was mich ehrlicherweise noch gespannter auf Teil 2 macht.
Einige Szenen waren schwere Kost, und das sage ich, obwohl ich kein ernsthaftes Problem mit Essen oder meinem Körper habe. Es war wirklich grausam und kann dennoch als wertvolle Gesellschaftskritik gesehen werden, denn diese Ideen stammen nicht nur aus dem Kopf der Autorin - sie sind ebenso in der echten Welt verankert. Für mich hat sich Marens Darstellung als realistisch angefühlt und es war manchmal schwer, ihre hasserfüllten Gedanken zu lesen, doch gleichzeitig hoffe ich, dass es da irgendwo in weiter Ferne ein Happy End für sie gibt. Auch, wenn es von Schnee verweht, zugefroren, unter Rosendornen vergraben und verflucht ist. Ich hoffe, dass es existiert, und ich hoffe, dass sie stark genug ist, um es zu finden.