Postbote. Busfahrer. Rentner. Sachbearbeiterin. Architekt. Fünf Menschen, in deren Leben irgendwann mal was richtig schiefgegangen ist. Fünf ganz normale Verrückte und ihr ehrgeiziger Arzt. Dem die Behandlung langsam aus dem Ruder läuft. Bis die fünf eines Tages ausbrechen und sich an der Gesellschaft rächen ...
Zufallsfund im Bücherschrank, der mir überraschend gut gefallen hat. Zwar mit einigen Längen, aber aufgrund der enthaltenen Gesellschafts- und Medienkritik (ca. S. 90f gibt fast wörtlich mir sehr vertraute Gedanken wieder) und ungewöhnlichen Erzählweise (ein Ich-Erzähler, später eine schriftliche Aussage und zum Schluss ein Presse-Spiegel) doch so gestaltet, dass man wissen will, wie's weitergeht.
Ein Roman, der mit einer Beschreibung eines Selbstmordversuch beginnt ist sicherlich keine leichte Kost.
Fünf Menschen finden sich zu einer Therapie im Sanatorium des ominösen Doktor Zens ein. Sie haben eines gemeinsam: sie alle sind Aussenseiter der Gesellschaft und haben in irgendeiner Form die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gelenkt. Dr. Zens hat es sich zur Aufgabe gemacht diese Menschen zu heilen, sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Doch, soviel sei verraten, sein Plan geht nicht auf und die Sache läuft gefährlich aus dem Ruder.
Soviel zum Plot. Jan Weiler schafft es den Leser dazu zu bringen, Mitgefühl mit diesen wirklich seltsamen Typen zu haben. Sein Schreibstil ist klar und einfallsreich, man liest das Buch ohne vom Autor irritiert oder unterbrochen zu werden. Vielleicht liegt es daran, dass ich keine großen Ansprüche mehr an deutschsprachige Autoren stelle seit ich David Safiers künstlich anmutende und Witze-erklärende Schreibweise habe über mich ergehen lassen, aber Jan Weiler kann schreiben!
Eine Besonderheit dieses Romans ist das er aus drei Teilen besteht. Der erste Teil ist aus der Sicht eines der "Bewohner" des Sanatoriums erzählt. Der Leser erhält einen Einblick in das Innenleben der fünf "Verrückten" und beginnt sie zu verstehen. Der zweite Teil ist eine Aussage für die Ermittlungen der Polizei. Von wem diese Aussage stammt sei hier nicht verraten um der GEschichte ihre Spannung zu lassen. Der dritte Teil setzt sich aus verschiedenen Medienberichten zusammen, imitiert die BILD-Zeitung oder die Süddeutsche und zeigt den Umgang der Medien mit kriminellen Ereignissen.
Auch wenn Teil 2 und 3 an manchen Stellen etwas zäh zu lesen sind hat Weiler mit diesem Erzählstil ein gelungenes Werk erschaffen.
Es handelt sich bei diesem Roman sicherlich um mehr als nur eine Geschichte über ein paar Verrückte. "Drachensaat" ist Medien- und Gesellschaftskritik.
Dem Anderssein in dieser Gesellschaft wird häufig mit Ignoranz, Gleichgültigkeit und manchmal auch mit Bösartigkeit und Gewalttätigkeiten begegnet, was den Meisten wohl bewusst ist. Doch was soll's? Man selbst ist ja glücklicherweise nicht davon berührt. Und die Betroffenen halten still - noch. Was passieren könnte, wenn sie dies einmal nicht mehr tun, schildert Jan Weiler in seinem Roman bzw. Hörspiel Drachensaat. Vier Personen, die aufgrund ihrer Handlungen außerhalb der Gesellschaft stehen, finden sich in einer Klinik wieder, in der sie nach dem Wunsch des Psychotherapeuten Zens sich klarmachen sollen, dass nicht sie, sondern die Gesellschaft das Problem ist. Seine Behandlung funktioniert - doch völlig anders als von ihm geplant. Ich kenne das Buch nicht, fand aber die Darstellung als Hörspiel (keine Lesung!) sehr gelungen. Die Charaktere ebenso wie die kleineren Rollen sind wunderbar besetzt, nicht zuletzt auch Jan Weiler als Erzähler Bernhard Schade, einer der Patienten. Ab ungefähr der Mitte des Buches spielen auch die Medien eine nicht unwichtige Rolle, deren Artikel von verschiedenen Personen vorgetragen werden. Diese Beiträge gehen direkt ineinander über, sodass man sofort erkennt, wie völlig gegensätzlich ein und derselbe Sachverhalt dargestellt werden kann. Ein wirkliche empfehlenswerte 'Hörlektüre', das alles bietet: Ein durchaus ernstes Thema, das durch (nicht übertriebene) Überzeichnung auch amüsant und bis zum Ende spannend ist. Und vielleicht nimmt man die nächsten Nachrichten etwas skeptischer zur Kenntnis...
Im Gegensatz zu einigen recht bescheidenen Bewertungen hier auf Goodreads: ich fand das Buch Klasse. 5 angeblich Verrückte werden von einem angeblichen Psychiater zu der Entführung eines Wirtschaftsbosses angestachelt. Die Erzählung erfolgt erst aus der Ich-Perspektive eines Täters, dann in Form eines Gerichtsprotokolls und dann abschließend in Form eines Pressespiegels. Lustig, spannend und zum Teil auch etwas tiefgründiger. Hier sind gewisse Parallelen zur verlorenenen Ehre der Katharina Blum nicht zu bestreiten.
Gute Hörspielumsetzung aus 3 CDs. Die ersten beiden sind sehr spannend und regen wirklich zum Nachdenken an.
Das Ende ist aber eine Katastrophe. Das Opfer hat eine gedankliche 180°-Wendung hingelegt, alles Friede Freude Eierkuchen. Nicht ein Patient hat wegen seiner Krankheit ein vermindertes Strafmaß bekommen.
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Keine Ahnung, das habe ich nicht erwartet und ich hätte zu keinem Zeitpunkt sagen können, wie es weiter geht Fand den Anfang und vor allem das Ende etwas zäh Teilweise Fiebertraum Aber auch spannend, weil wie kommt jemand auf sowas??? Nicht schlecht aber jetzt auch kein Buch zum entspannen
Wie wandelbar ist Jan Weiler denn bitte? Kurzweiliges Buch mit tiefgehender Story (das leider nicht für jeden so ausgeht, wie ich es mir gewünscht hätte...). Ich wünsche mir bitte ein eigenes Buch mit dem Freizeit-Anwalt als Hauptfigur, dankeschön :)
Der Anfang des Buches hat mir sehr sehr gut gefallen. Es gab so viele Situationen, wo ich laut auflachen musste, weil der Schreibstil einfach köstlich war, und die Groteskität mancher Momente herrlich hervorgehoben hat. Die Beschreibung der einzelnen Mitglieder und ihrer Lebensverläufe fand ich sehr interessant, ebenso wie die ganze Geschichte, eine Gruppe Außenseiter gegen die Gesellschaft zu stellen. Natürlich ist das alles skurril, aber doch irgendwo auch nachvollziehbar und ehrhaft, welche Beweggründe die fünf zu Handlungen angetrieben hatten. Was mir auch gut gefallen hat, war die Idee, die Handlung aus Sicht von Medienberichten zu erzählen. Das hat zwar meistens den Punkt ganz gut getroffen, was für die einzelnen Medien wie BILD oder Süddeutsche charakteristisch ist, grob gesehen, allerdings hat sich da der Schreibstil kaum geändert und konnte mich nicht überzeugen. Da muss ich einfach so kritisch sagen, dass mir die Umsetzung nicht so gut gefallen hat. Insgesamt finde ich das Buch aber dennoch lesenswert, einerseits weil es manchmal einfach nur zu lustig geschrieben ist, sehr trocken, andererseits auch die Mängel, die an der Gesellschaft geübt werden, durchaus realitätsnah sind.
Enttäuschend. Die Geschichte wurde immer wirrer und wollte soviele soziale, politische und psychologische Themen berühren, dass ich gegen Ende nicht mehr verstand, was das Ganze eigentlich sollte. Ehrlich gesagt bin ich mir heute gar nicht mehr sicher, ob ich bis ans Ende gelangt bin oder schon vorzeitig ausgestiegen bin. Schade.
Für mich war das Buch ein Reinfall, obwohl es ja einige positive Stimmen dazu gab. Aber ich habe schon im ersten Teil angefangen mich zu langweilen und es wurde bis zum Ende hin nicht wirklich besser (eher im Gegenteil). Irgendwie konnte ich auch keine richtigen Sympathien entwickeln...
liest sich gut; die Idee die Geschichte aus 3 Blickwinkeln zu erzählen ist auch interessant ("Täter", "Opfer", Presse); aber irgendwie packte mich die Geschichte nicht so richtig... Dem (und das) "Opfer" glaub' ich nicht; Insbesondere den letzten Teil (Presse) fand ich zu technisch.
Boken är jättebra, jag har läst den en gång och lyssnat tre gånger!!! Rolig och samhällskritisk; beskriver vår tids absurditeter. Lättläst med fyndig språk och uttryck.