Als wir nicht aus dem Land durften, haben wir erst verstanden, wie kostbar das Reisen ist. Wie oft haben wir in Gedanken die Koffer gepackt und sind nach Süden aufgebrochen?
Stefan Ulrich hat sich vorgenommen, das Land, das er von Kindheit an kennt, in dem er gearbeitet hat, dem er seine großen Bucherfolge verdankt, völlig neu zu erleben, zu erschmecken, zu erfahren. Autobahnen sind tabu, Nebenstraßen Pflicht, Zeit spielt keine Rolle, Reisen im elementaren Sinne. Er lässt sich treiben von den Alpen bis zum Ätna, macht Station, wo er noch nie war, trifft Menschen, die ihm dieses uralte Faszinosum Italien noch näherbringen.
"Und wieder Azzurro" ist eine Liebeserklärung an das Sehnsuchtsland von Deutschen, Österreichern und Schweizern.
Eines der schönsten Bücher, das ich bisher über Italien gelesen habe. Als ich den Reisebericht zur kalten Jahreszeit in Deutschland genossen habe, konnte ich kaum eine Seite umblättern, ohne mit Sehnsucht und Wehmut an das schöne, warme Land im Süden zu denken. So geht es auch dem Autor, der sich allein auf eine Tour vom Brenner bis ganz ans Ende des Landes nach Sizilien begibt. Dort trifft er interessante Menschen, erlebt beeindruckende Landschaften und genießt das famose Essen, immer mit dem Ziel, zu ergründen, was den Zauber des Landes ausmacht.
Die Erkenntnis des Autors will ich hier nicht spoilern, insgesamt gelingt es dem Journalisten aber überaus gut, die Essenz dieses südlichen Sehnsuchtsorts zu ergründen, ohne dabei seine dunklen Seiten völlig außen vor zu lassen. Das Werk ist mit Witz geschrieben und gut zu lesen, manchmal ist der Autor sympathisch träumerisch und am schönsten ist das Buch immer, wenn er komplett in der Szenerie versinkt, sei es in einer lärmenden Pizzeria in Neapel oder an Bord einer Fähre ins Ungewisse. Doch lassen wir zum Schluss einfach Stefan Ulrich sprechen:
"Dazu die grünen Fensterläden, die aufgemalten Bögen und Pilaster, die schlanken Palmriesen der Uferpromenade und dahinter, wie ein Kulissenvorhang einer Theaterbühne, immergrüne Berghänge mit Pinien, Zypressen, Zedern, Oliven, Steineichen, die keine Jahreszeit kennen und damit auch kein Sterben. Die kleinen Bars und Eisdielen. Ein paar Fischer, die auf ihren bunt lackierten Holzbooten Netze flicken. Die weiche, feuchte Luft. Und all das eingebettet, umhüllt, beschützt vom Blau eines endlosen Himmels und eines endlosen Meeres. Azzurro eben."
Ich hab ziemlich lange gebraucht um dieses Buch zu beenden. Das liegt daran, dass Leser hier nur wenig neues über das Sehnsuchtsland der Deutschen erfahren. Auch der Schreibstil machte es mir schwer, das Buch zu genießen. Oftmals waren Sätze nur eine Aneinanderreihung von Worten, was das Leseerlebnis zu trocken machte und auch meinen Lesefluss störte. Zudem wurden eine Begriffe erwähnt, die ich zuvor noch nie gehört habe, welche schlussendlich (zum Beispiel) italienische Organisationen sind. Hier hätte ich gerne Erklärungen gehabt, da der Autor von einer Selbstverständlichkeit ausgeht, als hätte man Ahnung von all diesen Begrifflichkeiten.