Laut Adorno ist Recht "das Urphänomen irrationaler Rationalität". Der junge Hegel meinte, d der Staat "freie Menschen als mechanisches Räderwerk" behandeln muss und deshalb aufhören soll zu existieren. Eugen Paschukanis' Werk ist ein Beitrag zur materialistischen Kritik jener Verkehrsformen, die gemeinhin als unhintergehbar Recht und Staat. Er begreift sie, wie Ware und Kapital, als fetischisierte Formen abstrakter Herrschaft, die nicht emanzipatorisch genutzt, sondern praktisch abgeschafft werden müssen, soll am Ende mehr herausschauen als die Wiederholung des die Unterwerfung des Individuums unter schein-notwendigen gesellschaftlichen Zwang.
4/5- Hat mir gut gefallen! Paschukanis leitet das Recht sehr treffend aus der Warenform ab. Er beginnt beim einfachen Warentausch, in dem Subjekte als Warenbesitzer auftreten, hier wird von ihren konkreten Umständen abgesehen (abstrahiert) und somit stehen sich formal freie und gleiche Subjekte gegenüber. Hier gibt es dann quasi den „Doppelcharakter des Rechtssubjekts“: Einerseits als autonomes - freies - Individuum, andererseits als Resultat der gesellschaftlichen Form Das Recht ist eben kein „Normensystem“, sondern Ausdruck dieses gesellschaftlichen Verhältnisses. Auch sehr treffend und überzeugend fand ich seine Umkehrung vom subjektiven und objektiven Recht. Die Jurisprudenz sagt, die Norm sei der Ausgangspunkt aus dem sich das subjektive Recht herleite, während es umgekehrt deutlich treffender ist. Genauer: Die Rechtsform ist das verallgemeinerte Resultat aus dem gesellschaftlichen Verhältnis (wie oben). Auch seine Ausführungen zu dem Thema Gerechtigkeit, recht zum Ende haben mir gut gefallen. Er sieht auch (Stichwort:) „Gerechtigkeit“ als Resultat aus dem Tauschverhältnis und spricht ihm jeglichen Sinn abseits diesem ab. Fand ich sehr überzeugend. Dann gab es eine sehr spannende Frage bei ihm, recht zum Ende, warum denn die Klassenherrschaft nicht unmittelbar erscheint, sondern die Form einer unpersönlichen Staatsgewalt annähme. Das fand ich sehr stark, sehr gute Frage. Nur leider bleibt er hier m.E. einer guten Antwort schuldig. Er probiert es im Folgenden zu erläutern, doch eine Notwendigkeit eines souveränen Staatsapparates liest man dort nicht raus. Eine weitere Kleinigkeit noch an Kritik: Einige der juristischen Auseinandersetzungen waren sehr dröge für mich, aber gut wo gibt’s die nicht? Alles in allem aber ein sehr taugliches Werk, welches gerade die juristische Herleitung - aus der Warenform - von Freiheit, Gleichheit und Recht gut darstellt.