Für eine Versöhnung ist es zu spät: Zehn Jahre lang hat Maja Sternberg keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter Lilli gehabt – jetzt ist Lilli tot. Die Polizei in Wien spricht von Selbstmord. Doch daran mag Maja nicht glauben. In der Wohnung ihrer Mutter findet sie deren Geburtsurkunde: Der Name des Vaters fehlt. Als Geburtsort ist Hohehorst eingetragen. Ein Foto zeigt Großmutter Charlotte mit einem Baby, doch dieses dunkle Baby hat keinerlei Ähnlichkeit mit der hellblonden, blauäugigen Lilli. Von Schuldgefühlen und Neugier getrieben, begibt Maja sich auf die Spurensuche und stößt auf ein dunkles Familiengeheimnis, das alle Gewissheiten in ihrem Leben mit einem Schlag zunichtemacht ...
Einmal reingekommen, konnte ich es gar nicht mehr zur Seite legen. Die beiden Zeitebenen wechseln sich an wirklich passenden Stellen ab und sorgen damit dafür, immer weiterlesen zu wollen. Dabei war es nie so, dass ich eine Zeitebene der anderen über einen längeren Zeitraum vorgezogen habe. Die beiden Frauen auf ihrer Lebensreise zu begleiten, mit ihnen zu leiden, rätseln und Beziehungen aufzubauen war wunderbar. Die Ich-Perspektive führte dazu, dass ich mich wirklich mit den beiden Figuren verbinden konnte (ist nicht immer so) und neue Bekanntschaften gemeinsam erkunden konnte. Auch war der Einblick in die Vergangenheit eine neue Perspektive auf eine Zeit, in der ich imer wieder gerne lese.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Die Suche von Maja nach ihrer Vergangenheit, dessen Entwicklung sich zu einem Krimi entwickelt und Auszüge eines Manuskriptes ihrer Oma Charlotte aus den vierziger Jahren, als sie hochschwanger in ein Heim für Entbindungen der NS aufgenommen wird. Das Buch hatte mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Atmosphäre ist teils sehr bedrücken, besonders die Einschübe aus der NS Zeit. Aber durch den Wechsel in die Gegenwart wurde man immer wieder etwas aus diesem beklemmenden Gefühl herausgeholt bis man wieder neu eintauchte in die Vergangenheit. Auch wenn es keine leichte Kost war, fand ich diesen Roman sehr gut.
„Noch bevor ich näher darüber nachdenken konnte, sagte ich: ‚Meine Mutter hätte sich niemals umgebracht.‘“ (Zitat Seite 27)
Inhalt: Seit zehn Jahren besteht der Kontakt zwischen Lilli Sternberg und ihrer Tochter Maja nur mehr aus Grußkarten zum Geburtstag und zu Weihnachten. Nun bittet Lilli ihre Tochter, zu ihr nach Wien zu kommen, sie müsse ihr etwas Wichtiges mitteilen. Als Maja eine Woche später in Wien vor dem Wohnhaus ihrer Mutter steht, ist diese tot, am selben Morgen von der Terrasse gesprungen. Für Maja passt das absolut nicht zum Charakter ihrer Mutter. Für das Begräbnis benötigt sie die Geburtsurkunde und das Geburtsdatum stimmt nicht mit der bisher bekannten Familiengeschichte überein. Dazu ein Foto, das die Großmutter Charlotte mit einem Baby zeigt, das nicht Lilli sein kann, und Maja beschließt, den Spuren nachzugehen, vorerst ohne genau zu wissen, wonach sie sucht.
Thema und Genre: In diesem Familienroman geht es um den Umgang mit der Vergangenheit, um die Lebensborn-Kinderheime des Nationalsozialismus, vor allem aber um schwierige Mutter-Töchter-Beziehungen.
Charaktere: Es ist ein Frauenroman, der von zwei Protagonistinnen erzählt wird. Charlotte, die Großmutter von Maja, muss sich den Gegebenheiten in der Lebensborn-Einrichtung fügen, bleibt jedoch aufmerksam und als sie eine gefährliche Entscheidung treffen muss, tut sie dies mit allen Konsequenzen. Maja dagegen wird durch Selbstvorwürfe, ihr Verhältnis zu ihrer Mutter betreffend, oft blockiert und ihre Recherchen und Erfahrungen machen sie nicht stärker, was logisch wäre, sondern eher unsicher und für eine Vierzigjährige erstaunlich hilflos.
Handlung und Schreibstil: Die Geschichte wird in zwei Erzählsträngen erzählt: die Vergangenheit wird durch Charlottes Aufzeichnungen von ihrer Zeit in Hohehorst geschildert, wodurch sich auch die „Ich“-Form ergibt, während die Gegenwart aus der Sicht von Maja, somit ebenfalls in der ersten Person, wiedergegeben wird. Beide Erzählstränge wechseln einander ab. Die aktuelle Geschichte spielt vorwiegend in Wien und an der ligurischen Küste. Beide Handlungen sind packend aufgebaut, doch wird die Geschichte in der Jetztzeit zu oft mit vorausdeutenden Hinweisen abgebrochen, was die Spannung erhöht, aber leider den Lesefluss hemmt.
Fazit: Die Handlungen der Protagonistin Maja sind nicht immer nachvollziehbar und ihre teilweise Hilflosigkeit nervt. Unterbrüche und Hinweise sollen die Spannung erhöhen, unterbrechen aber den Lesefluss. Sehr gut und stimmig ist dagegen der Erzählteil, der in der Vergangenheit spielt. Das macht das Buch insgesamt zu einem interessanten, lesenswerten Frauenroman.
I definitately recommend this crime/historical drama. I just read the Norwegian translation of this book, titled "glemt av høsten"- forgotten by the autumn -would be the litteral translation. I fully enjoyed this book which is telling two parallell stories. Maja's mother dies and she finds herself at a crossroad in her own life. In the process of dealing with the death and practicalities, Maja discovers that the past history from her grandmothers life catches up with her. The story involves the Lebensborn programme during WW2 Germany. The pace of the story is not rushed, yet it builds up to be a page-turner. On a practical note, the e-book version is sometimes a bit hard to see where the skips between the parallel stories start and I would have preferred more chapter-splits for a better reading experience.
Kurzbeschreibung: Für eine Versöhnung ist es zu spät: Zehn Jahre lang hat Maja Sternberg keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter Lilli gehabt - jetzt ist Lilli tot. Die Polizei in Wien spricht von Selbstmord. Doch daran mag Maja nicht glauben. In der Wohnung ihrer Mutter findet sie deren Geburtsurkunde: Der Name des Vaters fehlt. Als Geburtsort ist Hohehorst eingetragen. Ein Foto zeigt Großmutter Charlotte mit einem Baby, doch dieses dunkle Baby hat keinerlei Ähnlichkeit mit der hellblonden, blauäugigen Lilli. Von Schuldgefühlen und Neugier getrieben, begibt Maja sich auf die Spurensuche und stößt auf ein dunkles Familiengeheimnis, das alle Gewissheiten in ihrem Leben mit einem Schlag zunichtemacht... *Quelle*
Zur Autorin: Anja Jonuleit wurde in Bonn geboren, lebte einige Jahre im Ausland und studierte Italienisch und Englisch. Sie arbeitete als Übersetzerin und Dolmetscherin, bis sie anfing, Romane und Geschichten zu schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Friedrichshafen.
Meinung: Die 41-jährige Maja Sternberg hat seit Jahren nur sporadischen Kontakt zu ihrer in Wien lebenden Mutter Lilli, der aus nichtssagenden Weihnachts- und Geburtstagskarten besteht. Doch eines Tages ruft Lilli, die als Dolmetscherin eine große Karriere gemacht hat, ihre Tochter mit der Bitte an, sie möge sich mit ihr treffen, da sie ihr einiges zu erzählen habe. Maja macht sich eher widerwillig auf den Weg nach Wien, doch da ist Lilli schon tot. Angeblich hat sie Selbstmord begangen, sich von ihrer Terrasse hinuntergestürzt.
Doch Maja glaubt nicht an diese These, auch wenn Lilli eine schwere Krebserkrankung hatte. Bald erreicht Maja ein Brief von einer alten Freundin ihrer Mutter, in dem sich ein Schlüssel und ein Foto ihrer Großmutter Charlotte mit Tochter Lilli auf dem Arm befindet. Aber Maja muss erkennen, dass es gar nicht ihre Mutter als Baby auf dem Foto sein kann, denn sie wurde erst 2 Monate später geboren als das angegebene Datum auf dem Foto ausweist. Hatte die Großmutter noch ein Kind? Und wenn ja, was ist aus ihm geworden? Maja deckt nach und nach ein Familiengeheimnis auf, das ein größeres Ausmaß annimmt, als sie sich jemals hätte vorstellen können.
Anja Jonuleit hat mit Herbstvergessene einen Roman geschrieben, den ich nur jedem Leser von Familiengeschichten und -geheimnissen ans Herz legen möchte, vor allem für Fans von Lucinda Riley könnte dieses Buch auf jeden Fall etwas sein.
Maja Sternberg ist eine äußerst sympathische Protagonistin, in die ich mich sofort hineinversetzen konnte. Ihre Beziehung zur Mutter Lilli ist von jeher sehr angespannt, die beiden haben nichts gemeinsam und Lilli null Verständnis für die Berufswahl ihrer Tochter, die sie so gerne auch als Dolmetscherin gesehen hätte.
Erst mit dem Tod der Mutter nähert sich Maja ihr ein wenig an und erfährt durch Gespräche mit Lillis Nachbarin Erna Buchholtz, das es auch eine andere Seite an ihr gab, vor allem, als sie die Krebsdiagnose bekam, stellte Lilli wohl ihr Verhalten gegenüber der Tochter in Frage, doch leider fehlte die Zeit für eine Aussöhnung.
Eine große Rolle spielt auch Charlotte, die Großmutter Majas. Ihre Geschichte wird abwechselnd mit Majas Erlebnissen erzählt. Diese ist im 2. Weltkrieg angesiedelt und erzählt von ihrer großen Liebe Paul und ihrer Zeit in einem Lebensborn-Heim, denn sie war schwanger und Paul der Mann ihrer Schwester Leni.
Die Nebenfiguren wurden allesamt interessant gestaltet. Zu erwähnen wären hier Erna Buchholtz, die hilfreiche Nachbarin von Majas Mutter und Roman Sartorius, der bis zum Ende hin ein wenig mysteriös erscheint. Dessen Vater Heinrich war im Lebensborn als Arzt tätig und mit Majas Großmutter Charlotte bekannt.
Die Handlung gestaltet sich von Anfang an als spannend, denn durch die sich abwechselnden Perspektiven von Majas und Charlottes Erlebnissen möchte man als Leser immer wissen, wie es weitergeht. Eine düstere Stimmung zieht sich hier quer durch die Geschichte hindurch, denn der Selbstmord von Lilli wird hier immer wieder in Frage gestellt und auch Maja fühlt sich immer öfter beobachtet, sodass sich der Roman in manchen Abschnitten schon eher wie ein Krimi liest.
Die Auflösung der ganzen Geschichte wurde von Anja Jonuleit sehr schlüssig aufgedeckt und dank ihres sehr fesselnden Schreibstils fliegt man nur so durch die Seiten dieses gelungenen Familienromans.
Fazit: Herbstvergessene ist ein fesselnder Familienroman, der bis zum Ende hin spannend bleibt und gekonnt die Zeit des 2. Weltkriegs im Lebensborn einfängt. Hier hat Anja Jonuleit sehr gut recherchiert und vermag diese dunkle Zeit dem Leser näherzubringen. Für Leser von Lucinda Riley kann ich diesen Roman uneingeschränkt empfehlen.
Die Autorin Anja Jonuleit ist in den letzten Wochen sehr präsent mit ihrem Roman "Das letzte Bild" auf Instagram. Die vielen positiven Rezensionen überzeugten mich einen Roman von ihr zu lesen. Also griff ich zu ihrem bereits im Jahr 2010 erschienenen Buch "Herbstvergessene". Eine absolut goldrichtige Wahl! 🍂
Nachdem rätselhaften Tod der Mutter findet Maja in ihrem Nachlass ein rätselhaftes Foto. Ihre Großmutter Charlotte ist dort mit einem Baby abgelichtet, was jedoch keinerlei Ähnlichkeit zu ihrer Mutter aufweist. Maja ist verwirrt, hinterfragt und forscht schon bald in ihrer eigenen Familiengeschichte. Wer ist das Kind auf dem Arm ihrer Großmutter?
Der Roman "Herbstvergessene" hat mich wirklich gut unterhalten. Vor allem der beschreibende Sprachstil und die Ausgewogenheit in der Darstellung der verschiednen Perspektiven sind gelungen. Denn hier halten sich sowohl Majas als auch Charlottes Perspektive absolut die Waage. Obwohl die Handlung nicht wahnsinnig spannend ist, fiebert man als Leser:in mit. Das Geheimnis hinter dem omniöse Bild wird Seite für Seite immer weiter aufgelöst. Auch die Hintergründe der Heime "Lebensborn", in dem arischstämmige Schwangere ihre Kinder gebären können, sind informativ. Eine Unterorganisation der SS führte die Lebensborn Heime in ganz Deutschland und in den besetzen Gebieten, um alleinstehende Frauen bei der Geburt und Adoption zu unterstützen. Sehr gerne hätte ich etwas mehr über den Alltag, die Experimente und Strukturen der Lebensborn-Heime erfahren. Das Finale hätte meines Erachtens nicht so dramatisch ausfallen müssen.
📖 In "Herbstvergessener" wird auf den typischen Plot, Frau deckt ein Familiengeheimnis auf, zurückgegriffen. In diesem Fall finde ich es sehr gelungen, da es das Thema ungewollte Schwangerschaft/ ehelose Schwangerschaften während der NS-Zeit und die Lebensborn-Heime in den Fokus nimmt. Feinsinnig, informativ und spannend.
Durch den plötzlichen Tod ihrer, von ihr entfremdeten, Mutter wird Maja, eine Frau Anfang 40, mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert.
Nichts ist, wie es Maja erzählt wurde. Bei der Durchsicht des Nachlasses ihrer Mutter findet sie heraus, dass ihre Großmutter 1944 ein Kind im Lebensborn-Heim Hohehorst geboren hat. Doch das Foto, das sie auch findet, zeigt ein Baby mit dunklen Haaren, das der blonden Mutter so gar nicht ähnelt. Maja beginnt Nachforschungen. Die Geschichte entwickelt sich teils zum Krimi, teils zur schmerzhaften Darstellung einer Vergangenheit voller Schuld und menschlicher Größe.
Der Plot ist stringent, spannend und gut. Die Protagonistin wirkt glaubhaft und als Leserin konnte ich mich gut in sie hineinversetzen. Auch die Nebenfiguren sind durchaus gelungen.
Was mir fehlte war eine gewisse Poetik. Die Sprache war sehr einfach, sehr prosaisch, ja fast journalistisch. Es passte irgendwie nicht zum Thema des Romans. Ich war schlichtweg nicht verzaubert.