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So kompliziert Tony Early seinen Roman beginnen lässt, so schnörkellos und schön erzählt er ihn dann weiter: An seinem zehnten Geburtstag bekommt der "richtige" Jim Glass einen Baseball nebst Handschuh geschenkt und darf seinen drei Onkeln auf den weiten Feldern North Carolinas beim Maishacken helfen. Aus dieser Situation entwickelt sich eine Handlung, die den allmählichen Reifeprozess des Jungen schildert. Dabei beschreibt Early den Alltag der Farmer, den Bau einer neuen Schule, Ankäufe, Ausflüge und Mythen aus der Froschperspektive seines kleinen Helden mit nahezu lyrischer Präzision. Und dann darf Jim Glass auch noch zum Großvater reisen, den seine Geldgier zu einem hartherzigen Menschen machte und den ein düsteres Geheimnis umgibt.
Jim Glass ist ein wundervoller, bisweilen impressionistisch stiller Roman über die Sehnsüchte, Verwirrungen und Wünsche eines Heranwachsenden, der sich seinen Vater aus den Geschichten der restlichen Familienmitglieder "zusammenbauen" muss -- genau so sensibel und einfühlsam, wie wir es von Earleys Erzählsammlung Unser kleines Paradies (1996) bereits kannten. Dass der Autor dabei, seiner Geschichte angemessen, auf weitere literarische Kniffe verzichtet, macht das Buch besonders liebenswert. --Thomas Köster
202 pages, Hardcover
First published June 1, 2000