John Cunningham ist Spezialist für Reinkarnationstherapie. Er hypnotisiert seelisch Leidende und läßt sie von ihren vergangenen Leben, in denen die Ursache auf das gegenwärtige Leiden zu suchen ist, erzählen. Cummingham glaubt nicht an die Reinkarnation, für ihn sind das Schöpfungen der Patienten, die auf der Bühne eines fiktiven Lebens ihre seelischen Konflikte gestalten.
Doch Patient Tony erzählt eine Geschichte über zwei Jungen in der Hafenstadt Tynemouth im Norden Englands. Eines Tages verführt der ältere den jüngeren ahnungslosen zum Geschlechtsverkehr. Damit löst er jedoch schreckliches aus, wobei ein monströses Geschöpf eine Rolle, von dem die Sagen des Ortes, in unterschiedlichster Form erzählen, spielt.
Diese Erzählung ist jedoch nur eine Geschichte: "Die Höhle des kettenrasselnden Tynesiders" geschrieben vom alter Ego des Psychiaters. Unter Pseudonym veröffentlicht er erfolgreiche Horror-Romane. Er beginnt sich für die Geschichte zu interessieren und findet heraus, dass es die beiden Jungen wirklich gegeben hat. So zieht Watson den Leser immer mehr in ein Labyrinth hinein, wobei die Grenzen zwischen Phantasie, tatsächlich erlebten und Gechichte immer mehr verschwimmen.
Dieses vorige Leben scheint nicht die Auflösung der seelischen Blockade des Patienten zu bringen, so wird ein weitere Inkarnation aufgedeckt: Harry Bell. Als Heranwachsender begegnet er in Tynemouth um die Mitte des 19. Jahrhunderts lokalhistorischen Persönlichkeiten, aber auch dem Monstrum, dem Feuerwurm in der Höhle unter der Abtei an der Küste, als er einen örtlichen Spitzel verfolgt. Die geistige Berührung dieses Wesen ist eine schreckliche Heimsuchung, die sein Leben ruiniert.
Aber auch dieses Leben bringt keine Klärung. Längst hat der Horrorschriftsteller in Cunningham die Führung übernommen. Die Geschichte hat ihn in Bann geschlagen (und mit ihm der Leser). Das Material ist eine Versuchung für ihn, er will daraus einen Roman machen. Aus Patient Tony wird noch einmal eine Inkarnation beschworen, er wird zu Robert von Neville, einem jungen Ritter, der Anfang des 14. Jahrhunderts erlebt, wie Raymond Lully, ein Alchemist, den Stein des Weisen herzustellen versucht. Es gelingt ihm, doch dabei setzt er ein Elementarwesen frei, das in Nordengland sein Unwesen treibt.
Nun fehlt nur noch die Probe aufs Exempel...
Mit diesen Roman festigt Watson seinen Ruf als einer der intellektuellsten Autoren der Phantastik. Er spielt mit Bedeutungen und Perspektiven, ist dabei jedoch immer anschaulich und langweilt nicht. Wie auch in vielen anderen Werken Watsons spielt die Sexualität, konkret die Angst vor AIDS eine bedeutende Rolle, ist geradezu ein Schlüssel zum Verständnis des Werkes. Lokalhistorie und Horror gehen eine gelungene Verbindung ein. Der Roman hält seine Spannung bis zum Ende - und darüber hinaus, denn er lässt den Leser auf eine produktive Weise im Unklaren darüber, wieweit die Seele die Realität mitgestaltet, wo Phantasie aufhört und die Wirklichkeit beginnt.