Die Geschichte erscheint mir etwas stereotypisch, als würde sie sich voll und ganz in das Frauenfantasie-Schema einfügen, in dem ein reicher, attraktiver Mann plötzlich auftaucht und Geldprobleme sowie alles andere mit einem Fingerschnippen geregelt sind. In diesem Fall spielt zwar eher ein Deal die Rolle, aber natürlich weiß man genau, wie die Geschichte sich entwickeln wird.
Gleichzeitig ist der männliche Charakter ein wenig cringe... Ich mag es überhaupt nicht, wenn er über sich selbst in der dritten Person spricht. Seine POV verursacht bei mir immer ein leichtes Unbehagen. Und er entspricht auch diesem typischen maskulinen Mann, der vielleicht in Büchern Sinn macht, aber im echten Leben wäre eine Beziehung mit ihm einfach nur ein riesiges Warnsignal mit seinen Aggressionsproblemen, dem Überschreiten von Grenzen wie Privatsphäre und der Auffassung, dass er alles bekommt, was er will. Persönlich mag ich das nicht wirklich.
Im Verlauf der Geschichte erfahren wir, dass er einige Traumata aus seiner Kindheit hat, weil seine Eltern Alkoholiker waren und seine Schwester auch alkoholabhängig wurde. Und das hat bei ihm den Wunsch hinterlassen, nicht so zu werden. Aber das Trauma wird darüberhinaus nicht wirklich vertieft und nur oberflächlich behandelt. Für mich fühlte es sich an, als ob ihm nur ein Trauma gegeben wurde, um zu erklären, warum er jetzt zu jedem ein Arsch ist und warum er niemanden hineinlassen will. Ich sage nicht, dass es überhaupt keinen Sinn ergibt, aber alles wird zu kurz erklärt.
Darüber hinaus macht er kurz vor dem Ende des Buches eine charakterliche 180-Grad-Wendung, die gefühlt aus dem Nichts kommt, weil sie nur durch eine kleine Notiz getriggert wird. Ich finde das ein wenig... unglaubwürdig, weil sich Charaktere im wirklichen Leben normalerweise nicht so schnell ändern können. Daher finde ich auch die Entfaltung der Geschichte zu schnell. Die Frage, wie die beiden Hauptcharaktere wieder zueinander finden, wird nur kurz im Epilog beantwortet.
Menschliche Beziehungen sind komplex, und das Buch wird dem nicht ganz gerecht. Aber vielleicht bin ich einfach keine Person für solche Bücher. Einige Menschen mögen es vielleicht, wenn sich alles so schnell entwickelt und löst.
Um es auf einer positiven Note enden zu lassen: Alles in allem fand ich die weibliche Protagonistin sehr toll. Sie war mir sympathisch, und man konnte ihre Gefühle sowie Aktionen nachvollziehen.