Das Leben des Franziskus vom preisgekrönten Biografen Alois Prinz erzählt.
Franz von Assisi – was war er für ein Mensch? Damals gingen die Meinungen stark Die einen hielten ihn bloß für einen verrückten Aussteiger, für die anderen war er ein beeindruckender Mensch, von dem man lernen wollte. Heute ist die Bedeutung dieses Mannes, der später sogar heilig gesprochen wurde, unstrittig.
Alois Prinz reist nach Assisi und lässt uns durch seine Schilderungen in die Lebenswelt des Franziskus' eintauchen. Wir erfahren, was Franziskus prägte, aber auch, wie fortschrittlich er nicht nur für die damalige Zeit war mit seinem Bedürfnis nach Verzicht, einem einfachen Leben in Frieden und im Einklang mit der Natur und den Tieren.
Es macht Mut zu sehen, dass Alois Prinz diesem Menschen auf die Spuren geht, der im Widerspruch zur Wachstumsideologie, zu Machtanspruch und Reichtumslogik lebte. Für Jugendliche ist es wichtiger denn je über solche Menschen zu lesen, trotzdem musste ich nach 3/4 abbrechen. Es machte einfach zu wenig Mut, wie das geschrieben ist.
Beispiele: Die heute heilige Klara wollte Franz folgen, wurde aber von ihm in einem Kloster untergebracht, woraus der Autor schließt, dass es für Frauen damals unmöglich wäre, frei umher zu ziehen. Das Buch widmet sich dagegen einem Mann, der alle mögliche Normen überschritt - hier war also das Unmögliche möglich, bei der Frau nicht (?).
Alle historischen Erzählungen können wahr oder falsch sein; der Autor schien aber eine besondere Affinität zum Falscherklären all derjeniger Geschehnisse zu haben, die einerseits mit der sogenanten spirituellen Kraft zu tun haben, andererseits genau den Charme seiner Geschichte ausmachen, wie zum Beispiel der nahe Umgang mit Tieren. Dagegen findet er die Geschichte, dass Klara von ihrer Familie an den Haaren aus dem Haus gezerrt wurde, was doch vor allem an orientalische Kitsch-Serien erinnert, sehr glaubwürdig.
Vielleicht wollte er vermeiden, dass Jugendliche durch Bücher zu etwas bekehrt werden, weshalb ich das Vorhaben auch besonders spannend fand - genau das ist aber teilweise passiert, nur eben in Richtung Atheismus. Die Figuren in der Geschichte scheinen arg durch hierarchische Systeme definiert zu sein; ein Fehler der in historischen Romanen auch oft passiert. Das Phänomen, dass man Menschen in einer Leichtigkeit begegnen kann, die es einem unvorstellbar macht, dass sie grausame Systeme repräsentieren - an dem Punkt setzte ja die gesamte Hoffnung von Menschen wie Francesco an - kommt nicht richtig zum Leben, weshalb sich das Buch nach 3/4 immer noch schwer anfühlte. Ich hätte mir mehr Offenheit Richtung Glaube gewünscht; wenn man es schon nicht nachvollziehen kann dass andere sich auf irrationale Wege begehen, dann zumindest den Charme und die Weichheit anerkennen, die ein ehrlicher Theist im Umgang mit Menschen hatte.
Franziskus ist ein wichtiges Vorbild, wenn nicht sogar das wichtigste. Die Einstellung, den Menschen wirklich als Teil der Natur zu betrachten, nicht als Herrscher über die Natur, ist wesentlich fortschrittlicher als alles, was heute zum Thema Umweltschutz und Tierschutz diskutiert wird. Der Mensch „rettet“ nicht die Umwelt, sondern hätte gar nicht erst das Recht, sie zu zerstören. Genauso wenig hat der Mensch das Recht, Tiere auszubeuten und zu töten. Ohne die Einstellung, über allen anderen Lebewesen zu stehen und die Natur rücksichtslos für sich nutzen zu dürfen, hätte der Mensch die heutigen ökologischen Probleme nicht verursacht. Deshalb: Schwester Lerche, Bruder Wolf.