Auf einer Insel, zwischen Wasser und Eis, werden Menschen zu Spukgestalten, während bedrohliche Dinge geschehen, von dem stummen Than wie von einer Kamera registriert.
Than ist die Geschichte eines Stummen, der in einem kalten Winter auf eine kleine Insel im Süden Deutschlands kommt. Der Postbote, die Wirtin, der Maler und der Jäger lassen den Mann, der auf Fragen keine Antworten gibt und offenbar eine heimliche Affäre mit der Töpferin hat, nicht aus den Augen. Than selbst beharrt auf seiner Perspektive als stummer Betrachter. Auf einer Eisbahn neben dem See gerät ein Traktor außer Kontrolle. Ein Junge ist im See verschwunden, ein Mädchen bricht auf dem Eis ein. Wo immer ein Unglück geschieht, ist Than am Ort. Als er einer Spur von verwüsteten Kassettenbändern folgt, die im Garten der Töpferin in den Bäumen hängen und zu einer geheimnisvollen Entdeckung führen, scheint sich Thans Rolle zu klären. Doch genau dieses beruhigende Gefühl, etwas sicher zu wissen, verwehrt uns Thomas Lang. Hier konstruiert ein junger Autor in einer sehr sicheren Sprache eine rätselhafte Wirklichkeit.
Thomas Lang, geboren 1956 in Stuttgart als braver Leute Sohn, begann ab seinem sechsten Lebensjahr als Autodidakt mit dem Lesen und Schreiben. Da eine 14-jährige Schullaufbahn (mit dem ungebrochenen Rekord für „nicht versetzt“ an höheren Schulen in Baden-Württemberg) keinen nennenswerten Zugewinn an Kenntnissen und Fähigkeiten erbrachte, traf er nach glanzvoll verkrachter Fachhochschulreife 1976 die folgenschwere Entscheidung, entgegen jeglichen weisen Ratschluss seines armen, alten, kranken Mütterleins, die Laufbahn als professioneller Schreiber einzuschlagen. Das funktioniert seitdem in mehreren Schritten: Vom Volontär einer lokalen Tageszeitung zum Lokalchef, zum leitenden Redakteur einer Automobilfachzeitschrift, zum Pressesprecher eines japanischen Autoherstellers bis 1995 zum selbstständigen Autor und freischaffenden Redakteur.